Prokrastination

Prokrastination ist das, was Eltern und Lehrer gerne mit dem Wort Aufschieberitis bezeichnen: das “Verhalten von Menschen, die das Erledigen notwendiger, aber unangenehmer Dinge immer wieder verschieben” (Wikipedia).

Ganz ausgezeichnet verdeutlicht dieser kurze Zeichentrickfilm, wie den Meisten von uns Prokrastination im Alltag begegnet:

Wo Aufschieberitis allerdings noch relativ harmlos klingt (”Junge, Du musst jetzt mal Dein Zimmer aufräumen!”), versteht man unter dem Fachbegriff Prokrastination zunehmend ein echtes Problem. Zwar haben “Prokrastinateure” manchmal auch Vorteile, etwa weil sie in Arbeitsumgebungen, in denen sich Aufgaben und Anforderungen permanent ändern, flexibler reagieren und sich den dringlichsten Jobs zuwenden statt stoisch Plan A zu verfolgen – häufiger ist aber ein Teufelskreis aus guten Vorsätzen, schlechtem Gewissen beim Aufschieben und Angst vor negativen Folgen, die das Anfangen und konzentrierte Arbeiten weiter erschwert.

Jeder Fünfte soll laut einer Studie zu den Prokrastinierern gehören; in der Zielgruppe Studenten dürfte es noch ärger aussehen. Nicht immer reichen Selbstüberwindung, Routinen und gute Tricks, um gegen die Prokrastination anzukommen, manchmal bedarf es psychologischer Unterstützung.

Wissenschaftler haben mindestens zwei Sorten von Aufschiebern identifiziert:

  • Den “Erregungsaufschieber”, der meint, erst kurz vor der Deadline kreativ genug sein zu können
  • und den “Vermeidungsaufschieber”, der Dinge aufschiebt, um eventuelle schlechte Ergebnisse später mit “Zu wenig Zeit!” zu erklären.

Die Ursache im zweiten Fall ist zu einem guten Teil mangelndes Selbstbewusstsein, häufig wird Prokrastination auch durch Perfektionismus und schlechte Organisation verursacht.

Wie der Prokrastinationsprozess in der Praxis abläuft (vor allem, wenn die Ablenkungen des Internet in greifbarer Nähe sind), entlarvt auch sehr schön dieses fiese Flussdiagramm:

Klick aufs Bild führt zum 'Procrastination Flowchart' in Originalgröße. Quelle: projectsidewalk.com
(Klick aufs Bild führt zum ‘Procrastination Flowchart’ in Originalgröße. Quelle: projectsidewalk.com)

Weitere Informationen:

  • Gut genug statt perfekt – Ein Plädoyer gegen den Perfektionismus, der eine besonders tückische Ursache von Prokrastination ist.
  • Mehr ist mehr – Über den Philosophieprofessor John Stanford und sein Konzept der “strukturierten Prokrastination”, mit der man den Spieß umdrehen kann.
  • Morgen. Versprochen! – Artikel über Prokrastination von Sigrid Neudecker in ZEIT Wissen 3/2006.
  • Wikipedia-Eintrag zum Thema

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