3×3 Kreativitätstechniken für Solisten:
Freewriting, Forced Relationship, Kopfstand

Man sitzt am Schreibtisch, starrt aus dem Fenster und sollte endlich ganz viele und superoriginelle Ideen für den kommenden Abteilungsworkshop entwickeln. Aber selbst der (halbwegs) entspannte Blick aus dem Fenster hilft nicht. Meine dreiteilige Serie zu Kreativitätstechniken für Einzelkämpfer präsentiert insgesamt neun Techniken für die Ideenfindung, die Spass machen. Probiere sie aus: Das ist Deine Chance, als kreativer Kopf ganz gross rauszukommen.

In den ersten beiden Artikeln habe ich je drei Kreativitätstechniken vorgestellt: Clustering, Chancen-Denken, Ideentagebuch (Teil 1) und Solo-Brainwriting, Hunderter-Liste, Reizwort-Analyse (Teil 2). Heute geht’s um Freewriting, Forced Relationship und den (virtuellen) Kopfstand.

Freewriting

Freewriting – Schreiben ohne Unterbrechung – ist eine Methode aus dem «Kreativen Schreiben» nach Ken Macrorie und Peter Elbow. Ziel der Methode ist es, Schreib- und Denkblockaden zu überwinden und den eigenen Strom an Gedanken, den «Bewusstseinsstrom», zu Papier zu bringen. Freewriting kann als Kreativitätsmethode zur Ideenfindung eingesetzt und als lineares Clustering betrachtet werden.

So geht’s: Wähle das Thema bzw. die Aufgabenstellung, bei dem/der Du nicht so richtig in Schwung kommst. Bestimme die Zeit, die Du fürs Niederschreiben Deiner Gedanken einsetzen willst (Empfehlung: 5-15 Min.). Schreibe von Hand auf Papier oder in Deinem Computer. Zwei Regeln sind wichtig: 1) Hör nie auf zu schreiben! Wenn Dir nicht einfällt, schreibe trotzdem weiter: «Und wie geht es weiter? Wie geht es weiter?» – bis der nächste Gedanke auftaucht. 2) Schreibe ohne nachzudenken, ohne zu bewerten und ohne Deine Gedanken zu steuern.

Beispiel: «Free Writing about Maps and ‚I am there’»

Mehr dazu: Wikipedia: «Freewriting», Wikipedia: «Peter Elbow»

Forced Relationship

In der Forced-Relationship-Technik geht es darum, unterschiedliche Begriffe, Ideen, Gegenstände etc. mit dem zu bearbeitenden Thema in absurde Kombinationen zu bringen, obwohl sie überhaupt nichts damit zu tun haben. Anschliessend werden diese erzwungenen Beziehungen («forced relationships») auf neue, realisierbare Ideen untersucht. Staunen und Begeisterung garantiert!

So geht’s: Als Erstes definierst Du das Thema oder das Problem und notierst Dir den Oberbegriff (Substantiv). Dann sammelst Du möglichst viele Begriffe, die nichts mit dem Thema zu tun haben, und schreibst sie ebenfalls nur als Substantiv auf. Im dritten Schritt bildest Du Wortkombinationen aus dem Oberbegriff und den gesammelten Substantiven aus Schritt 2. Im vierten und letzten Schritt wandelst Du diese Wortkombinationen in realistische und umsetzbare Ideen um.

Beispiel: Oberbegriff: «Kundenevent». Begriffe, die nichts mit dem Thema zu tun haben: Leder, Kindergarten, Ozean, Wetterlage etc. Wortkombinationen: z.B. «Kundenevent-Ozean». Realistische/umsetzbare Ideen: Einladung per Flaschenpost, Schifffahrt, kulinarische Schiffsreise etc.

Mehr dazu: CreaPedia: Forced Relationship

Kopfstand

Im Alltag stelle ich immer wieder fest: Uns fällt es leichter, negative Aspekte zu erkennen als positive. In Coachings nutze ich in solchen Situationen die Kopfstand-Methode. Durch gezielte Fragen ermöglicht sie es dem Coachee, neue Lösungswege zu erkennen: «Wie sähe das Gegenteil davon aus? Wie würde sich dadurch Ihre Situation ändern?»

Die Kopfstand-Methode eignet sich immer dann, wenn wir gedanklich in einer Sackgasse stecken. Sie hilft sehr effektiv, Situationen und Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten, anders wahrzunehmen und neue (Lösungs-)Wege zu erkennen.

So geht’s:Schreibe die Kernfrage Deiner Idee, Deiner Situation oder Deines Problems auf. Notiere darunter das absolute Gegenteil davon, die umgekehrte Fragestellung. Mach jetzt ein schriftliches Brainstorming, ein so genanntes «Brainwriting» (mehr dazu im 2. Teil dieser Serie) und halte fest, was Dir in den Sinn kommt. Fällt Dir kein weiterer Punkt mehr ein, lies das Notierte (jetzt wieder «auf den Füssen stehend») durch und leite daraus die neuen Erkenntnisse ab.

Beispiel: Kernfrage: «Was müssen wir tun, um das Arbeitsklima in der Entwicklungsabteilung zu verbessern?» Die auf den Kopf gestellte Frage: «Was müssen wir tun, damit sich alle in der Entwicklungsabteilung noch schlechter fühlen?» Brainwriting: «Alle neuen Ideen abwürgen / Prämien für umgesetzte Innovationen streichen / wöchentliche Ideenfindungs-Sitzung sterben lassen…»

Mehr dazu: Wikipedia: Kopfstandtechnik


Dies ist der dritte und letzte Teil der Serie «3×3 Kreativitätstechniken für Solisten». Die beiden anderen Artikel befassen sich mit diesen Themen:
Clustering, Chancen-Denken, Ideentagebuch (Teil 1)
Solo-Brainwriting, Hunderter-Liste, Reizwort-Analyse (Teil 2)

Bild: Carsten Bach bei flickr.com (CC BY 2.0)

 

Marcel Widmer

Marcel Widmer begleitet als ausgebildeter Coach und Organisationsberater Fach- und Führungskräfte, Teams sowie Organisationen bei der eigenen Entwicklung. Als Autor bei imgriff.com bloggt Marcel Widmer seit Anfang 2013 praxisnah zu Themen wie Organisation, Zeit- und Selbstmanagement. → mehr …

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Ein Kommentar

  1. Die Kopfstandmethode ist echt genial, die werde ich auch mal in einer kleinen Gruppe ausprobieren. Da kommen sicher viele Dinge zum Vorschein.

3 Pingbacks

  1. [...] interessiert, sie ist im kreativen Schreiben als “Freewriting“ weit verbreitet (auf imgriff.com wird das kurz erklärt). Dort dient sie in veränderter Form jedoch dazu, Schreibblockaden zu [...]

  2. [...] waren Kreativwalk, Dialogtechnik (man redet mit dem Problem), Kribbeln im Kopf, Clustering, Die erzwungene Beziehung (Forced Relationship), die ABC-Liste und die [...]

  3. […] imgriff.com wurde vor einer Weile eine Serie aus mehreren Beiträgen mit 3×3 Kreativitätstechniken für Solisten veröffentlicht, die mir als Solo-Selbständiger gut gefallen hat. Vielleicht ist für euch ja auch […]

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