Flexibilität ist Trumpf:
Jetzt sind die Portfolio Worker am Zug

Die Zeiten, in denen man einen Beruf erlernte und bis zum Ende des Berufslebens ausübte, sind endgültig – und zum Glück – vorbei. Flexibilität ist das Gebot der Zeit. Immer mehr Fachkräfte nutzen die wechselhaften Anforderungen und bieten ihre Kompetenzen als Portfolio auf dem Markt an. Gezielt, situativ, projektbezogen, zeitlich befristet. Passt das zu Dir? Finde es heraus!

Über viele Jahrzehnte waren Beständigkeit und Firmentreue oberste Maxime im Berufsleben. Es war fast unausweichlich, dass man in «seinem» Betrieb pensioniert werden würde. Folglich waren Mitarbeiter mit 20 und mehr Betriebsjahren bei anderen Unternehmen gesuchte Leute.

Durch die Erschliessung neuer Märkte und die darauf folgende Globalisierung hat sich die Berufswelt extrem verändert.

Flexibilität ist gefordert

Das ist die Chance für all jene, für die Abwechslung das A und O ist und die am liebsten immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt werden. Was früher ein No-Go im Lebenslauf war («Bereits zweimal die Stelle nach knapp zwei Jahren gewechselt? Kommt für uns nicht in Frage!»), kann heute ein Ausweis für Flexibilität sein («… genau diese Agilität brauchen wir!»).

Wie sieht das bei Dir aus? Reizt es Dich, Dein Wissen «auf verschiedenen Baustellen» einzusetzen? Dort zu wirken, wo Deine Fähigkeiten gefordert werden? Dein Portfolio in verschiedenen Aufgaben und in verschiedenen Unternehmen einzubringen, zu pflegen und zu erweitern? Kurz: Bist Du ein Portfolio Worker?

Das sind die 10 typischen Eigenschaften, die einen Portfolio Worker auszeichnen und ihn zum gefragten Projektarbeiter für aussergewöhnliche Problemstellungen machen:

  1. Am Anfang steht oft eine zeitweise Unterforderung in einer klassischen Anstellung: Ein Projekt ist abgeschlossen, danach sind andere Fähigkeiten gefragt. Ein neues Projekt mit ähnlichen Anforderungen ist nicht in Sicht.
  2. Umbrüche in der Karriere werden nicht als Scheitern, sondern als positive Weiterentwicklung wahrgenommen – die Krise wird als Wachstumschance genutzt. Keine Fehler gemacht? Nichts gelernt.
  3. Identifikation mit der anstehenden Aufgabe und Authentizität stehen für den Portfolio Worker – insbesondere nach gegenteiligen Erfahrungen – im Vordergrund. Dazu gehört: Zusammenarbeit auf Augenhöhe und Einsatz für die Sache.
  4. Seine Qualitäten kennen und nutzen: Die Wahl herausfordernder Aufträge erfolgt aufgrund der eigenen Qualifikationen sowie der Möglichkeit, sich durch das Mandat weitere Kompetenzfelder zu erschliessen.
  5. Ebenso wichtig ist für den Portfolio Worker das Wissen, wo welche Kompetenzen gebraucht werden. Kurzfristig – mit Blick auf das nächste Mandat – und längerfristig, um sich gezielt weiterentwickeln zu können. Wo werde ich heute gebraucht? Wo morgen?
  6. Die Möglichkeit, im Rahmen des temporären Engagements etwas bewegen zu können, ist für ihn wichtige Voraussetzung. Spuren hinterlassen – ein wichtiges Motiv.
  7. Verantwortung übernehmen und mitentscheiden: Entscheidungsfreiraum ist von grosser Bedeutung, sowohl bei der Projektarbeit an sich als auch in der Wahl des Arbeitsumfelds.
  8. Mobilität und örtliche Flexibilität sind nicht nur nötig, sondern gewünscht. Heute hier, morgen dort: Dank Beweglichkeit und entsprechender Arbeitsinstrumente kein Problem. Der Arbeitsplatz ist dort, wo man gebraucht wird.
  9. Jeder erfolgreiche Projektabschluss stärkt und erweitert das Kompetenzportfolio und generiert über Empfehlungen Anfragen für weitere Mandate. Eine gefragte Frau, ein gefragter Mann!
  10. Neben der eigentlichen Projektarbeit ist die Erweiterung und die Pflege des Netzwerks für den Portfolio Worker von fundamentaler Bedeutung. Entscheidend: Wissen, wann und wo was gebraucht wird.

Praxis-Check

Gut möglich, dass Du Dich zum Portfolio Worker eignest (bzw. schon einer bist), wenn Du Dich in dieser Beschreibung wiedergefunden hast. Weiter zum Check:

Bringst Du diese Schlüsselkompetenzen mit?

  • ausgeprägte Offenheit für Neues, Flexibilität und Agilität
  • fundierte Fachkompetenz und Freude daran, diese weiter zu entwickeln und aktiv zu verkaufen
  • sehr gutes Selbstmanagement und hohe Eigenmotivation

Bist Du bereit, diese Schwierigkeiten zu meistern?

  • schwieriger Einstieg, da Unternehmen noch oft das Verständnis für das Portfolio-Work-Modell fehlt
  • die Notwendigkeit, Dich immer wieder auf neue Situationen einzustellen
  • die Gefahr, Dich zu übernehmen und Dir zu viel zuzumuten

Ja? Dann steht Deiner Karriere als erfolgreicher Portfolio Worker nichts mehr im Weg!

 

Bild: Miki Yoshihito bei flickr.com (CC BY 2.0)

 

Marcel Widmer

Marcel Widmer begleitet als ausgebildeter Coach und Organisationsberater Fach- und Führungskräfte, Teams sowie Organisationen bei der eigenen Entwicklung. Als Autor bei imgriff.com bloggt Marcel Widmer seit Anfang 2013 praxisnah zu Themen wie Organisation, Zeit- und Selbstmanagement. → mehr …

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5 Kommentare

  1. Zu Beginn meines Berufslebens hätte ich, bedingt durch eher negative Prägungen aus der Selbstständigkeit meiner Eltern, so eine Arbeitsweise niemals in Betracht gezogen.

    Nach 3 Jahren innerhalb veralteter Konzernstrukturen denke ich da schon ganz anders drüber.

    Jetzt gilt es nur noch die richtige Nische zu finden…

  2. “Keine Fehler gemacht? Nichts gelernt!” Ich glaube, diese treffend formulierte Aussage sollte ich mir gut sichtbar irgendwo hinhängen…

    PS: bei Punkt Nr. 5 ist ein “ist” im Satz zu viel.

  3. So weit, so gut!

    Frage: Wie findet der Portfolio Worker seine Projekte. Als Angestellter, der alle 1-2 Jahre den Arbeitgeber wechselt. Oder doch eher als selbständiger Berater?

    • @ Frank:
      Als Angestellter? Das dürfte nur in den wenigsten Fällen eine praktikable Lösung sein, weil es dem Portfolio-Worker die gesuchte Freiheit nimmt, sich die Projekte, in denen er er seine Stärken einbringen kann, in der Regel nicht frei wählen kann.
      Es ist deshalb fast zwingend, sich selbstständig zu machen, zumindest in einem Teilpensum. “Berater” würde ich es allerdings nicht nennen, weil der Portfolio Worker zwar auch berät, aber auch sehr aktiv innerhalb des Unternehmens arbeitet.

Ein Pingback

  1. […] und sicheres Einkommen. In Holland gäbe es einen weiteren Trend, den der HR-Spezialist als „Portfolio-Worker“ bezeichnet: „Holland hat in Europa den höchsten Anteil an Teilzeitbeschäftigten. Dort […]

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