Schreiben:
9 Tipps für lesefreundliche Texte

Schreiben gehört heute fast zu jedem Job. Lesefreundliche Texte helfen uns, unsere Ziele besser zu erreichen.

Für viele von uns gehört Schreiben zu den Haupttätigkeiten im Beruf: E-Mails, Berichte, Blogposts und vieles mehr. Lesefreundliches Schreiben gehört deshalb in jeden Werkzeugkasten und ist Voraussetzung, damit wir verstanden werden und die Zusammenarbeit im Job klappt. Ausserdem ist es höflich, mit der Zeit meines Lesers sorgsam umzugehen.

Dabei geht es weniger um Talent als vielmehr um einige ganz grundlegende Techniken. Die folgenden Tipps sind als Checkliste gedacht: Ist der Text fertig geschrieben, kannst Du damit in wenigen Minuten die Lesefreundlichkeit des Geschriebenen überprüfen.

1. Die Satzlänge prüfen

Sätze bis zu 14 Wörter gelten gemäss vielen Studien als lesefreundlich. Das ist sicher keine absolute Grenze, kann aber eine Orientierungsmarke sein. Stark verschachtelte Sätze sollte man darauf prüfen, ob sie sich nicht in zwei Sätze aufteilen lassen.

2. Zu lange Wörter vermeiden

Simpel: Wörter mit einer Länge von zwei bis drei Silben können am einfachsten und besten gelesen werden.

3. Fremd-, Fach- und Modewörter tilgen

Ich habe grundsätzlich nichts gegen Fachwörter oder Anglizismen, häufig fassen sie komplexe Sachverhalte treffend zusammen. Schwierig finde ich es, wenn sie Unbestimmtes vernebeln und eine Klarheit vortäuschen, die ich vielleicht gar nicht im Kopf habe.

4. Nominalstil und «leere» Hauptwörter streichen

«Wir liefern pünktlich» ist verständlicher, kräftiger und kürzer als «Wir garantieren pünktliche Lieferung.» Dringlichkeit sollte nicht angebracht sein, Aufgaben sind dringend.

5. Hilfsverben und Konjunktive reduzieren

«Ich möchte mich für den Besuch an unserem Messestand bedanken.» Ja, was jetzt? Will sich der Schreibende bedanken oder nicht? Also kürzer: «Ich danke Ihnen für den Besuch an unserem Messestand.» Oder: «Vielen Dank für den Besuch an unserem Messestand.» Gleiches gilt für Modalverben wie «können» oder «sollen»: Sie können häufig ersatzlos gestrichen werden.

6. Adjektive überprüfen

«Wenn Sie ein Adjektiv verwenden wollen, so kommen Sie zu mir in den 3. Stock und fragen, ob es nötig ist.» Dem Zitat des französischen Journalisten und Politikers Georges Clemenceau ist wenig beizufügen: Die meisten Adjektive wirken verdoppelnd und haben wenig Aussagekraft. Kürzen, wo’s geht.

7. Negative Formulierungen weglassen

«Denken Sie nicht an den rosa Elefanten.» Solche Formulierungen lösen genau das Gegenteil aus. Häufig sind negative Formulierungen schwer verständlich, etwa «Ich habe nicht unweit von hier parkiert.»

8. Den Text fliessen lassen

Gute Texte haben Rhythmus. Das lässt sich einfach feststellen: Du liest Dir den Text laut vor. So bemerkst Du holprige Stellen – Du bleibst daran hängen. Mein Lieblingsbeispiel für einen Satz mit Rhythmus: «Da treibt ihn die Angst, da fasst er sich Mut und wirft sich hinein in die brausende Flut und teilt mit gewaltigen Armen den Strom, und Gott hat Erbarmen.» (Friedrich von Schiller, «Die Bürgschaft») Ein sehr langer Satz, aber mit Rhythmus – das funktioniert.

9. Nochmals lesen und nochmals kürzen

Lesefreundliche Texte entstehen selten in einem Rutsch. Also den Text einen halben Tag liegen lassen und anschliessend nochmals alle obenerwähnten Regeln durchgehen.

Diese Liste ist weder sklavisch einzuhalten noch ist sie vollständig. Ich freue mich über Ergänzungen, Widersprüche und Eure Tipps.

 

Thomas Mauch

Thomas Mauch ist Mitglied der Geschäftsleitung des neuerdings.com-Verlags Blogwerk AG und interessiert sich für Gadgets. Oder so.

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9 Kommentare

  1. Man sitzt vor der Tastatur, tippt Sätze und ist manchmal schon in Gedanken beim nächsten Satz. Da vergisst man oft solche wichtigen Tipps wie hier beschrieben. Danke dafür

  2. Den Text einen Tag liegen lassen und nochmals lesen ist der beste Tipp überhaupt, wenn man denn die Zeit dazu hat. Was lange Wörter betrifft, so ist die öffentliche Verwaltung Spitzenreiter. Das Kieler Kabinett hat gerade das Kommunale Haushaltskonsolidierungsgesetz, auch Kommunalhaushaltskonsolidierungsgesetz genannt, auf den Weg gebracht. Denen sollte man auch mal Schreibtipps geben. Landläufig heißt das Gesetz übrigens Schuldenfonds.

  3. Wichtig auch, Zitate auf ihre Richtigkeit pruefen … “ein Gott hat Erbarmen” und dann eine Quellenangabe angeben.

  4. der arme texter der das alles im hinterkopf haben muss. die tipps sind aber wirklich gut.

  5. Wenn mal kein halber Tag zum liegen lassen bleibt, hilft mir immer folgendes:

    Text in zwei bis drei Spalten formatieren zum durchlesen, da finde ich plötzlich Dinge, die mir in allen vorherigen Durchgängen nie aufgefallen sind.

    Manche sagen auch, schon eine andere Schriftart hilft (bei mir jetzt nicht so, aber kann man ja mal versuchen).

  6. Danke für den Artikel.

    Gibt es Tipps von euch für weiterführende Literatur zu diesen und angrenzenden Themen?

  7. doch…. wie immer, klasse Tipps :-)

  8. Mehr Tipps zum Schreibenlernen – aus der Texterpraxis.

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  1. [...] lange wir noch an unserem Schreib-Guide feilen, empfehle ich die 9 Tipps von imgriff für alle, die Texte schreiben müssen. Also [...]

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