Klare Kommunikation macht produktiv:
Sag, was du meinst!

Unangenehmes nicht ansprechen und Konflikte vermeiden: Zu oft, meint der Trainer und Autor Roland Jäger, treffe man in Büros die so genannten Kuschelchefs an.

Kürzlich erhielt ich die Anfrage einer Agentur, mich für ein Projekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung buchen wollten. Ich sollte möglichst zeitnah eine Kalkulation abgeben. Nun steckte ich gerade in der Endphase meines Buches und hatte, alles, nur keine Zeit. Also verstand ich unter zeitnah das, was ich verstehen wollte: Irgendwann nächste Woche oder so. Wie sich später auf Rückfrage herausstellte, hieß «zeitnah» in diesem Fall: sofort und umgehend! Offenbar wollte der Mitarbeiter der Agentur aber höflich sein und hatte daher seine Wünsche nicht klar kommuniziert. Und so hatten wir fröhlich aneinander vorbei kommuniziert.

Wer nicht sagt, was er meint, ist selbst schuld!
Ein gutes Beispiel für eine misslungene Kommunikation, wie sie im Arbeitsalltag immer wieder vorkommt – zwischen Kunde und Auftragnehmer, zwischen Kollegen und zwischen Chefs und Mitarbeitern. Denn tatsächlich haben nicht wenige Menschen Probleme damit, klar zu äußern, was sie eigentlich wollen. Gründe dafür gibt es einige: Zum Beispiel persönliche Unsicherheit, die tatsächlich auch unter Chefs vorkommt. Und – häufig aus der Unsicherheit resultierend – der Wunsch, von seinen Mitarbeitern gemocht zu werden. Daher fahren dann nicht wenige einen Kuschelkurs, der die Kommunikationspartner zwar im Moment glücklich macht, langfristig für die Arbeitsorganisation und Produktivität aber alles andere als hilfreich ist.

Nur nicht kuscheln!
Der Managementtrainer Roland Jäger hat sich in seinem Bestseller Ausgekuschelt: Unbequeme Wahrheiten für den Chef – Mitarbeiterführung auf dem Prüfstand (Affiliate-Link) zum Beispiel mit Kuschelchefs und ihre Marotten beschäftigt. Er kommt zu dem Schluss: Chefs, die es ihren Mitarbeitern so nett und angenehm wie möglich machen wollen und dabei vergessen zu sagen, was eigentlich Sache ist, sind als Chef schlicht fehl am Platze, denn sie handeln gegen das Wohl des Unternehmens. Diese Einstellung trug Jäger, als er im vergangenen Jahr in der TV-Talkrunde Anne Will auftrat, die Rolle des Buhmanns ein, der den harten Management-Kurs vertritt. Dabei ist seine Meinung weit differenzierter, wenn er die verschiedenen Typen von Kuschelchefs, wie in dieser Artikelserie, beschreibt:

Etwa Herrn Lieblich, der dem neuen Mitarbeiter die Arbeit abnimmt, weil der das noch nicht richtig kann. Frau Babel, die sich zwar jedes mal darüber ärgert, wenn die Mitarbeiter der verschiedenen Abteilungen aneinander vorbeireden – die aber jedes mal auch wieder die Vermittlerrolle übernimmt. Oder Herr Grundner, der gebeten wird, einen Streit zu schlichten, mit dem er eigentlich gar nichts zu tun hat. Und alle haben sie das gleiche Problem: Statt zu führen und klar zu kommunizieren, wohin die Reise gehen soll, nehmen sie ihren Mitarbeitern das eigenständige Denken und Handeln gleich mit ab. Und die verlassen sich allmählich darauf, dass der Chef es schon immer richten wird.

Heimliche Sklaventreiber
Natürlich sind nicht alle Chefs, die nicht klar kommunizieren können, gleich überfürsorglich. Es gibt auch noch die heimlichen Sklaventreiber: Jene, die eigentlich still und leise erwarten, dass der Mitarbeiter rund um die Uhr, Tag und Nacht für das Unternehmen da ist, die aber genau wissen, dass sie das nicht offen aussprechen dürfen. Und die sich daher um die klare Aussage herumstreichen wie die Katze um den heißen Brei in der Hoffnung, der Mitarbeiter rät schon irgendwann mal, dass er eigentlich viel mehr tun soll.

Denn gerade wenn Unmut oder Widerstand zu befürchten ist, neigen viele Menschen dazu, eher zu umschreiben als Klartext zu sprechen. Motto: «Der wird das schon irgendwie verstehen». Tut er in der Regel nicht, wie das Eingangsbeispiel zeigt. Denn die meisten Menschen verstehen eben nur das, was sie verstehen wollen, wenn man ihnen die Wahl lässt. Oder es entstehen Missverständnisse, weil der andere gar nicht genau kapiert hat, was genau Sie von ihm wollen. Das Ergebnis sind häufig unschöne Konflikte. Daher heißt die Maxime stets: Sage was du meinst – so klar und so deutlich wie nötig. Und so freundlich wie möglich.

 

Simone Janson

Simone Janson ist Kolumnistin für DIE WELT und betreibt mit über 100 Fachleuten das Blog http://berufebilder.de, laut ZEIT ONLINE eines der meistgelesenen Blogs für Beruf, Bildung und Karriere in Deutschland. Sie Kooperationspartner des F.A.Z.-Instituts, Beraterin und Referentin für Agenturen und Unternehmen wie die Deutsche Bahn, die Bundeswehr, Ärzteverbände oder diverse Hochschulen.

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Ein Kommentar

  1. Vielen Dank für die “deutlichen Worte”. Das Bedürfnis, sich klar und unmissverständlich auszudrücken, gilt allerdings nicht nur für das Chef-Angestellten-Verhältnis, sondern auch für die Kommunikation unter Mitarbeitern. Man muss zudem meiner Meinung nach auch einräumen, dass nicht jede/r solche Direktheit gut annehmen kann. Der Leitsatz “Der Ton macht die Musik” ist schon sehr wichtig.

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