Pünktlichkeit:
Die Arroganz des Verspäteten

Niemand kann immer pünktlich sein, denn manches kann man einfach nicht einplanen – insbesondere, wenn man für pünktliches Erscheinen weite Strecken mit mehreren beteiligten Verkehrsmitteln zu überwinden hat. Aber Viele könnten häufiger pünktlich sein, als sie es sind. Denn allzu oft gibt es für Unpünktlichkeit keine Entschuldigung, sondern bloß eine Erklärung, eine – vermeidbare – Ursache; so jedenfalls Jochen Mai, der sich auf Karrierebibel.de unmissverständlich äußert:

«Um es klar zu sagen: Unpünktlichkeit ist kein Schicksal, sondern unverschämt, eine – more or less – subtile Form von Arroganz. Sie sagt: Anderes ist mir wichtiger.»

» Ist es wirklich schon so spät? – Unpünktlichkeit ist gelebte Arroganz (karrierebibel.de)

Ebenfalls zum Thema Pünktlichkeit / Unpünktlichkeit bei imgriff.com:

» Rechtzeitig an Ort und Stelle – aber bitte streßfrei!
» Zeit als kontinuierlicher Fluss oder planbare Struktur?

Hier erscheint jeden Morgen von Montag bis Freitag ein Link zu einem besonders lesenswerten Text rund ums Thema Produktivität. Viel Spaß bei der Lektüre!

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9 Kommentare

  1. Alexander Müller
    schrieb am 18. November 2009 um 19:16 Uhr (#)

    Auch wenn wir in einem Land leben, welches für seine Uhrenexporte bekannt ist, man lebt nur einmal. Die südländische Mentalität ist bequemer. Die Lebensqualität ist eigentlich in der Tat wichtiger als das Rennen von einem Termin zum nächsten. Was bringt das? Es erhöht höchstens das Risiko einen Herzinfarkt zu bekommen. Nicht alle Menschen sind Feierabend-Jogger, die Freude daran haben in der Gegend umher zu eilen. Zudem gibt es nicht nur kühle Planer, die stets gut organisiert sind. Es gibt auch spontane Menschen, die ihr Leben nicht verplanen wollen.

  2. Michael (Eifelpfeil) Kieweg
    schrieb am 19. November 2009 um 10:04 Uhr (#)

    Die Lobpreisung des Laissez faire ist für mich billige Heuchelei.

    1. Erfahrungsgemäß sind es genau die Leute, die für sich in, die Anspruch nehmen, “die Dinge etwas lockerer zu sehen”, die von Anderen Pünktlichkeit erwarten. Ich denke da an Handwerker- oder Arzttermine.

    2. Jeder kann aufgrund unvorhersehbarer Ereignisse mal Verspätung haben. Aber fast jeder hat in Zeiten Mobiler Kommunikation die Möglichkeit, sich in solchen Fällen mal kurz zu melden. Das ohne Not nicht zu tun ist unverschämt.

    3. Wer etwas von mir will, spielt gefälligst nach meinen Regeln. Muss ich im umgekehrten Fall ja auch.

    4. Gehört zwar nicht ganz zum Thema, streift es aber zumindest. Erstaunlicherweise sind sehr viele Leute, die bei beruflichen Belangen unorganisiert erscheinen (50km zum Kunden fahren um dann festzustellen, daß die Pläne noch im Büro liegen), problemlos in der Lage eine 3wöchige Segeltour an der spanischen Küste für 6 Personen zu organisieren und unfallfrei durchzuführen.
    Ähnliches gilt für Pünktlichkeit. Ich hatte Kollegen die 3mal die Woche zu spät zur Arbeit kamen, aber zu jedem Spiel der Alemannia pünktlich waren, egal ob in Aachen oder Saarbrücken….

  3. Stephan
    schrieb am 19. November 2009 um 20:19 Uhr (#)

    Der Anspruch bei anderen in der Prioritätenliste ganz oben stehen zu wollen finde ich anmaßend.

  4. Conny
    schrieb am 20. November 2009 um 10:58 Uhr (#)

    Pünktlichkeit zeigt Wertschätzung für die Inhalte des Termins. Andere Leute warten zu lassen hat nichts mit Unspontaneität zu tun, sondern schlichtweg mit Arroganz und Unhöflichkeit.
    Zudem geht’s bei der Pünktlichkeit schon gar nicht darum, was andere Leute von einem denken, sondern um Respekt für die anderen Teilnehmer eines Meetings. Gerade in der Geschäftswelt ist Pünktlichkeit auch wichtig für die Effizienz eines Meetings.

  5. John Descy
    schrieb am 21. November 2009 um 13:40 Uhr (#)

    Wenn jemand seine Website schon Karrierebibel nennt, dann weiß ich schon wie wichtig der sich selber nimmt. Von so jemandem muss ich mir sicher nicht Arroganz vorwerfen lassen. ^^

  6. Heiko
    schrieb am 21. November 2009 um 14:13 Uhr (#)

    Noch schlimmer als Leute die zu spät erscheinen finde ich Leute, die viel zu früh zum Termin (oder Dienst auf der Arbeit) erscheinen. Wenn Leute 1,5 Std vor dem eigentlichn Dienstbeginn da sind und dann unterhalten werden wollen.
    Ich bin meistens 5-15 Minuten vorher da, das reicht absolut.

  7. Meike Schrut
    schrieb am 17. Januar 2010 um 21:10 Uhr (#)

    Da fällt mir aufs Stichwort der Film “Onegin” ein mit dem genialen englischen Schauspieler Ralph Fiennes in der Hauptrolle. Fiennes spielte den Adligen in einer miesen Arroganz des immer zu spät kommens, sogar zum Duell. Im Film wurde dargestellt, wie ein gelangweilter Reicher auch dadurch eben auffällt, mit dem Wissen: “Ich habe es nicht nötig, rechtzeitig zu erscheinen, also tue ich es auch nicht.

  8. Alex
    schrieb am 24. Januar 2010 um 11:07 Uhr (#)

    Ich (etwas älter) habe noch “gelernt”: “Fünf Minuten vor der Zeit, ist des Soldaten Pünktlichkeit.”.

    Junge Leute kommen meist erst “XX Uhr c.t. (cum tempore)”, also 15 Minuten später…

  9. Henry Wotton
    schrieb am 5. März 2010 um 13:36 Uhr (#)

    Der komplette Artikel ist letztlich nur ein Beleg für die Arroganz des Autoren, und der Versuch eine der vielen Möglichkeiten des Umgangs mit Zeit als allgemeingültige Wahrheit zu verkaufen. Obendrein noch ein unverhohlener Angriff auf ganze Kulturen, welche unsere in dieser Hinsicht sture Sichtweise nicht teilen, und nicht teilen mögen.

    Vor wenigen Jahren hatte ich das Glück, als stellv. GF eines mittelständischen Unternehmens unter einem experimentierfreudigen und aufgeschlossenen GF arbeiten zu dürfen.
    Beständige und nervenaufreibende Probleme mit “unzuverlässigen”, dennoch überaus kompetenten und wertvollen Mitarbeitern, führten u.A. zu Arbeitszeitregelungen, welche in vielen Punkten der Philosophie Jason Frieds von 37Signals entsprachen. Feste Arbeitszeiten wurden unter Bedingung, dass sämtliche Arbeiten fristgerecht zu erledigen sind, de facto abgeschafft.
    Entgegen meiner anfänglichen Ablehnung waren die Ergebnisse insgesamt doch überraschend positiv. Neben einem deutlich entspannteren Betriebsklima, legten einige Mitarbeiter plötzlich einen bis dahin ungekannten Arbeitseifer an den Tag. Aber der für mich wertvollste Effekt, war die immense Entlastung der GF. Viele kontrollierende Tätigkeiten fielen quasi unter den Tisch, oder wurden ab da ganz selbstverständlich durch Teile der Belegschaft übernommen. Eigentlich ganz possierlich, wie der gemeinschaftliche Wunsch nach regelmäßigen verlängerten Wochenenden plötzlich zu ungeahnten kommunikativen Kompetenzen und Verantwortungsbereitschaft führt. :-)

    Bei dafür geeigneten Tätigkeitsfeldern würde ich auch zukünftig immer wieder diesen Versuch unternehmen.

    >>Er kam prinzipiell zu spät, da sein Grundsatz lautete, Pünktlichkeit stehle einem die Zeit.<<
    (Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Gray)

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