GTD-Tools (IV):
Things
Seit einem halben Jahr macht ein neues Tool Furore unter GTD-Fans: Things für Mac OS X, das sich perfekt in die Apple-Umgebung einfügt. Wir haben die Alpha-Version getestet.
Um sich im umkämpften Software-Markt zu behaupten, bieten viele Anwendungen eine Unmenge von Möglichkeiten, um jedes denkbare Bedürfnis abzudecken - oder versuchen, «Killer-Features» zu finden, die kein anderes Programm bietet. Leider bleibt in beiden Fällen oft die Bedienung und/oder Benutzeroberfläche auf der Strecke.
Things geht einen anderen Weg: Es bietet alle Grundfunktionen, die man erwartet, um seine Aufgaben effizient zu verwalten, und verpackt das Ganze in eine sehr einfache und ansprechende Oberfläche. Andere Programme bieten zweifellos mehr Features, aber es gibt auf dem Markt wohl kaum eine andere Aufgabenverwaltung, die den Spagat zwischen Umfang und Einfachheit so gut schafft wie Things.
Das macht nicht nur die Beliebtheit der Software aus, sondern auch einen Testbericht schwierig: Neues zu beschreiben gibt es nicht, da Things eigentlich genau und ausschließlich das bietet, was man erwartet. Es gibt keine Killer-Features. Things lehnt sich an Getting Things Done an, lässt aber genug Freiheiten, falls man GTD nicht kennt oder nicht umsetzen will.

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Things präsentiert sich in einer eleganten, schlichten Oberfläche: Links in der Seitenleiste befinden sich die Punkte «Collect», «Focus» und «Organize».
- Collect: Der einzige Punkt unter «Collect» ist die Inbox. Mit Ctrl-Alt-Leertaste öffnet sich mac-weit ein kleines Fenster (Quick Entry), wo man seine neue Aufgabe inklusive Tags (Stichwörter), Notizen und Termin eintragen kann. So ist garantiert, dass man einen Einfall oder eine neue Aufgabe sehr schnell notieren kann, ohne die aktuelle Anwendung verlassen zu müssen. Standardmäßig landen diese Aufgaben in der Inbox, aber man kann bereits beim Quick Entry eine andere Liste als Ziel eingeben.
- Focus: Hier stehen die vier Kategorien «Today», «Next», «Someday» und «Scheduled» zur Auswahl.
Grundsätzlich werden die Aufgaben im «Next»-Ordner verwaltet. Das sind die nächsten Schritte in der GTD-Terminologie. Bei Bedarf kann man dann eine Aufgabe auf «Today» ziehen und sich so beispielsweise die drei wichtigsten Aufgaben des Tages zurecht legen. Unter «Someday» kann man Aufgaben oder Ideen parken, die man irgendwann erledigen oder weiter verfolgen will.In «Scheduled» lassen sich Aufgaben lagern, die dann am Stichtag im «Today» auftauchen - geeignet für die Wiedervorlage oder regelmäßige Termine.
- Organize: Hier stehen die «Projects» und «Areas». Things arbeitet mit Projekten, in denen jeweils der nächste Schritt eingetragen wird. Nächste Schritte müssen aber nicht zwangsläufig einem Projekt zugeordnet werden, sondern können einfach als «Next» gespeichert werden. Daneben bietet Things «Areas» an, was regelmäßig zu Verwirrung führt. «Areas» sind allgemeine Bereiche wie beispielsweise «Privat», «Arbeit», «Verein» usw. In der endgültigen Version werden sich die Areas besser von den Projekten abheben.
Damit bietet Things eine dreifach Hierarchie:
- Areas
- Projects, welche Teil einer Area sein können.
- Next (nächste Schritte), die Teil eines Projekte oder direkt einer Area sein können, aber nicht müssen.
Zusätzlich lassen sich Aufgaben mit Schlagwörtern, eben den Tags, versehen. Das geht entweder via Drag-n-Drop oder per Tastaturkürzel. Jede Aufgabe kann beliebig viele Tags haben. Anschließend lassen sich die Aufgaben nach Tags filtern, so dass man Kontextlisten nachbilden kann.
Das sind bereits die Hauptfunktionen von Things. Things bietet damit alles an, was andere Programme auch können. Wieso sollte also jemand Things benutzen? Da gibt es mehrere Gründe:
- Simple Oberfläche und Bedienung: Things kommt sehr schlicht daher. Sicher, es gibt noch einfachere Aufgabenverwaltungen, die aber oft doch eine Spur zu simpel sind. Things hingegen bietet viele Features, ohne auf eine einfache, saubere, übersichtliche Oberfläche zu verzichten.
- Integration ins System: Wie oftmals üblich bei reiner Mac-Software schmiegt sich Things perfekt an Mac OS X an. Neben dem Quick Entry, der sich von überall her aufrufen lässt, kann man Aufgaben problemlos und automatisch mit iCal synchronisieren. Und von da aus lassen sich die Aufgaben auf ein Handy oder PDA laden.
- Kaum vorgegebene Struktur: In Things lässt sich der GTD-Workflow komplett umsetzen, aber es zwingt diesen Workflow nicht auf. Wer will, kann ausschließlich mit den nächsten Schritten in «Next» und entsprechenden Tags arbeiten. Oder auf die «Areas» verzichten. Oder Projekte weg lassen. Alles ist möglich. Mit Hilfe der Tags kann man seine eigene Struktur bauen, da Tags beliebig erweiterbar sind.
- Offenes Format: Things speichert seine Daten im XML-Format. Somit sind die Daten mit jedem Browser lesbar und können prinzipiell auch in andere Anwendungen importiert werden. Und noch viel wichtiger: Selbst wenn es Things irgendwann nicht mehr geben sollte, sind die Daten nicht in einem proprietären Format eingeschlossen.
Das Programm hat bereits Furore im Web gemacht und schon jetzt viele Anhänger gewonnen. Vermutlich ist das Geheimnis von Things, dass es alle Features bietet, die man benötigt, und dass es dem Entwicklerteam gleichzeitig gelungen ist, die Oberfläche selbsterklärend, simpel und ansprechend zu gestalten. Es macht einfach Spaß, mit Things zu arbeiten. Dieser Faktor wird zu oft bei der Entwicklung von Soft- und Hardware unterschätzt. Things wirbt mit dem Satz «Task management has never been this easy» («Aufgabenverwaltung war nie so einfach»), und genau das ist das schlagende Argument für das Programm.
Things ist immer noch eine Alpha-Software, was bedeutet, dass man sich gut überlegen sollte, damit schon produktiv zu arbeiten. Ich selber hatte bislang keine Probleme, aber ein Fehler oder ein Datenverlust sind in einer Alpha-Version nie ausgeschlossen. Things bietet für diese Fälle schon jetzt einen Support: Neben dem Blog der Entwickler gibt es auf der Website ein Wiki sowie ein Forum.
Auch sind noch nicht alle Features eingebaut. Für den späten Juni ist etwa eine Version für das iPhone und den iPod touch geplant. Außerdem soll es eine Funktion geben, mit der man Aufgaben an Teammitglieder delegieren kann - dieses Feature ist bereits rudimentär eingebaut, ohne aber wirklich einen Nutzen zu bringen.
Things ist ausschließlich für Mac erhältlich (ab OS X 10.4.11) und im Alpha-Stadium kostenlos. Sobald die erste reguläre Version erscheint («im Frühling», also eigentlich spätestens im Juni), wird es 49 Dollar kosten. Für 39 Dollar kann es dann kaufen, wer bereits jetzt den Newsletter abonniert.
» Website und Download von Things
Weitere GTD-Tools, die wir getestet haben:
» Tracks
» Remember the Milk
» Vitalist
» Mehr lesen: Getting Things Done (63), GTD-Tools (5)
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6 Kommentare zu diesem Artikel
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Sven Fechner
Things ist in der Tat ein sehr ansprechendes Tool, was die reine Oberflächengestaltung anbelangt. Aber ähnlich wie Du es beschreibst hat es Limitierungen, die für “Heavy GTDler” es eher unbrauchbar machen. Die Systemintegration über Services ist nicht sonderlich gut, Filter und Sortierfunktionen sowie verschiedene Ansichten sind limitiert oder nicht vorhanden. Interessant wird es, wenn man die üblichen 40-80 Projekte mit insgesamt 500 Tasks hat - dann ist Things kaum noch tragbar. Obwohl mich Optik und Benutzerführung sehr angesprochen haben, bin ich bei OmniFocus geblieben.
FuriousDragon
Hallo!
Hab´schon viel über Things für den Mac gelesen…
Auch wenn GTD zusammen mit Windows eigentlich ein Paradoxon ist *grins* ?!? Kennt jemand eine ähnliche Alternative für den Windows-Rechner?
(Nutze bisher Thinking-Rock)
Ivan Blatter
@Sven: Mag sein, dass Things mit 500 Tasks keinen Spass mehr macht, das kann ich nicht beurteilen. Verschiedene Ansichten habe ich noch nie vermisst. Auch die Anzeige- und Sortierfunktionen via Aufgaben, Projekte, Areas und schliesslich Tags finde ich genügend. Aber ich kann nachvollziehen, dass für einen Heavy GTDler Things zu simpel. Umgekehrt ist mir OmniFocus zu kompliziert. :-) Aber zum Glück gibt es ja zumindest unter Mac eine ganze Reihe von GTD-Programmen zur Auswahl, was mich grad zum nächsten Kommentar führt:
@FuriousDragon: Sorry, kenne keine Alternative. Unter Windows bin ich auf Web-Anwendungen wie Remember The Milk ausgewichen bzw. habe vor allem analog gearbeitet.
bRay
Nachdem ich mal einige GTD-Anwendungen durchprobiert habe organisiere ich mich nun alleine mit Freemind. Wer Filter etc. braucht ist mit Freemind nicht gut beraten, aber ich sehe folgende Vorteile:
- Übersichtlichkeit aller Aufgaben
- Man kann Projekte sehr übersichtlich planen. Wenn man festellt, dass ein Task doch ein Projekt ist und weiter aufgesplittet werden muss, kann einfach Unterpunkte zufügen ohne eine Aufgabe vorher in ein Projekt wandeln zu müssen
- Verschieben und umorganisieren von Tasks schnell per Tastatur möglich (Verschieben in die Tiefe ist erst seit Freemind 0.9.0 möglich)
- Es ist einfach möglich damit auch andere Sachen, wie Visionen, Berufliche Ziele etc zu planen (ich z.B. sammel dort auch Geschenkideen)
Ich z.B. organisiere meine Tasks auf der rechten Seite der Mindmap mit den Hauptästen
- “regelmäßig”: alle täglichen / wöchentlichen / monatlichen ToDos
- “Woche”: ich gehe wöchentlich durch meine ToDos und verschiebe die, die ich in der Woche erledigen will in “Woche”
- “ToDos”: hier sammel ich alle meine ToDos, egal ob Tasks oder Projekte; Projekte unterscheiden sich hier nur dadurch, dass sie Unterpunkte haben. Allerdings habe ich hier 2 Unterkategorien (ganz oben in der Liste), und zwar “10 Minuten Aufgaben” und “zu Lesen” (one book a week).
- “Unterwegs”: hier sammel ich alle Sachen, die ich Unterwegs erledigen muss. Eigentlich immer leer, da ich hierfür einen Notitzzettel verwende, der immer in meiner Geldbörse ist
Ich brauche keine weiteren Kategorien wie “Telefon” etc, aber es wäre kein Problem diese hinzuzufügen.
Auf der Linken Seite der Mindmap habe ich mein Leitbild, meine Lebensziele, meine beruflichen Ziele, Wünsche für mein Traumhaus etc. niedergeschrieben. Zudem gibt es dort eine Kategorie für Verliehen/Schulden, Geschenkideen und Ideen für eine mögliche Selbstständigkeit (die man dort prima ausarbeiten kann).
Für mich alles in allem eine gute und flexible Alternative für all die GTD Programmen, insbesondere wenn man sowieso oft Mindmaps zur Planung verwendet.
Florian Steglich
» bRay: Das ist interessant. Aber ist das nicht etwas schwierig zu navigieren, wenn Du alle Lebensbereiche plus Geschenkideen u.ä. in eine einzige Mindmap packst?
bRay
Also wenn “Projekte” sehr groß werden, lagere ich sie einfach in eine andere Mindmap aus und verlinke diese Mindmap in der ToDo Mindmap (sofern zum Thema passend, natürlich habe ich auch einfach so Mindmaps, z.B. für Buchzusammenfassungen etc).
Hier mal ein Beispiel, wie meine Mindmap aussieht, wobei ich natürlich nur ein paar Äste ausgeklappt habe (Bild wurde leider stark verkleinert):
GTDmitMindmap