Arbeitsdorf statt Arbeitsplatz:
Wie Facebook seine Mitarbeitenden motiviert

Facebook als Arbeitgeber kreiert eine Umgebung, die alle alltäglichen Bedürfnisse der Mitarbeitenden abdeckt. Denn das Unternehmen hat verstanden: Wer sich wohl fühlt, arbeitet produktiver und identifiziert sich stärker mit seinem Arbeitgeber. Man fragt sich bloss: Bleibt nicht das Privatleben der Mitarbeitenden auf der Strecke?

Bild: Matt Harnack / FacebookFacebook feiert dieses Jahr das 10-jährige Jubiläum. Schon vielfach totgeschrien und von den eigenen Usern hart kritisiert, schaffte es das Unternehmen trotzdem immer wieder, die Wogen zu glätten und mit innovativen und kreativen Features aufzuwarten.

Facebook ist – wie jede andere Firma auch – nur so ideenreich wie die Mitarbeitenden. Letztere wiederum sind kreativer, wenn sie ein entsprechendes Arbeitsumfeld vorfinden. In der Hacker Avenue in Palo Alto fühlen sich die Nerds, Techies und Hacker so wohl, dass sie kaum je nach Hause gehen. Es ist ein Arbeitsdorf mit allem, was das Herz begehrt.

Pro Sieben hat in einem Sonderbeitrag den Arbeitgeber Facebook unter die Lupe genommen. Als erstes deutsches Filmteam durften sie einen Augenschein vom Facebook Campus nehmen und Mitarbeitende befragen. Schnell wird dem Zuschauer klar: Hier würde jeder gern arbeiten.

Wer Hunger hat, kann nicht arbeiten – das ist auch Mark Zuckerberg bewusst. Bei Facebook ist das Essen für alle gratis. Die Auswahl ist riesig: In drei Restaurants und unzähligen Spezialmenüs (vegetarisch, glutenfrei, vegan, etc.) findet jeder etwas. Für die kleinen Snackpausen stehen Snackautomaten und eine Eisdiele bereit – alles ebenfalls kostenlos. Nach Feierabend kann man sich in der Bar zu einem Drink verabreden.

Im kleinen Dorf ist aber auch sonst alles vorhanden. Man kann sich während der Arbeitszeit die Haare schneiden lassen, es gibt ein grosses Fitnessangebot, Massagen, eine Fahrradwerkstatt, einen Fahrradverleih, gratis Spielkonsolen in eigens dafür vorgesehenen Spielhallen sowie Automaten mit Tastaturen, Speicherkarten, Ladekabeln und allerlei sonstigem Computerzubehör. Alles gratis, versteht sich.

Wem viel geboten wird, der leistet viel

Kurzum: Facebook ist für viele ein Traumarbeitgeber. Klar ist, dass Zuckerberg die ganzen «Benefits» nicht anbietet, weil er ein Wohltäter ist. Sie beeinflussen die Arbeitsmoral und die freiwillig geleisteten Arbeitsstunden positiv. Denn wer kaum mehr das Firmengelände verlassen muss, um etwas zu besorgen, der verbringt auch mehr Zeit mit der Arbeit. Zudem steigt die innere Verbundenheit zum Arbeitgeber ins Unermessliche und die Mitarbeitenden vernetzen sich untereinander besser.

Sollten sich also alle Arbeitgeber überlegen, ein ähnliches Arbeitsumfeld anzubieten? In neuen Konzepten für Bürogebäude, zum Beispiel Multispace, werden vielseitige Arbeitsplatzbedürfnisse berücksichtigt. Neue Bürogebäude werden immer häufiger nach diesen Kriterien umgesetzt. Diese kommen aber nicht an das «Dorfkonzept» von Facebook oder auch Google heran.

Vielleicht auch besser so. Denn ganz ehrlich: Gibt es für die Facebook-Mitarbeitenden noch etwas anderes als Facebook? Wohl kaum. Ob dies – ausser für Mark Zuckerberg – wirklich wünschenswert ist?

Würdet Ihr produktiver arbeiten, wenn Euch ein solches Umfeld geboten würde?

 

Bild: Matt Harnack / Facebook

 

Gino Brenni

Gino Brenni arbeitet als Social Media Manager bei der SBB und bloggt dort als Mister Zugkunft über Mitarbeitende und das HR-Business. Privat schreibt er über Politik und das Leben.

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