Die Grenzen der Verständigung bei Konflikten:
Warum die Kommunikation kein Allheilmittel ist

Kommunikation gilt als Allheilmittel bei Konfliktsituationen im Team. Was dabei gerne übersehen wird: Nicht immer führt sie auch zum Ziel. Ständige Auseinandersetzungen mit den immer gleichen Menschen zum immer gleichen Thema strapazieren die Nerven aller Beteiligten und schaden der Produktivität eines Teams.

Thunderchild7 bei flickr.com (CC BY 2.0)Was mir kürzlich aufgefallen ist: Wir schreiben bei imgriff.com ständig darüber, wie man Menschen motivieren, überzeugen und zu mehr Produktivität verhelfen kann – mit den passenden Kommunikationstools zum Beispiel. Wir geben Tipps, um besser verstanden zu werden, zum richtigen Delegieren von Arbeitsanweisungen und dazu, wie man andere in Konfliktsituationen z.B. von der eigenen Meinung überzeugen kann.

Eines lassen wir bei all den schönen Tipps gerne außer Acht: Manchmal sind auch die besten Kommunikations-Tricks schlicht verschwendete Liebesmüh. Einfach weil der Adressat unserer Bemühungen grundsätzlich viel zu weit von unserem eigenen Standpunkt entfernt ist und uns gar nicht verstehen kann. Oder uns zwar versteht, aber unserer Auffassung schlicht nicht folgen will.

imgriff-Leser Maikel hat das in einem sehr schönen Kommentar hier kürzlich auf den Punkt gebracht:

«Allgemein ist das Entscheidende leider nicht, was man sagt, sondern das, was andere da (tlw. unbewußt) hineininterpretieren. Da nutzt es wenig, noch so formal korrekt zu reden. Eines meiner Lieblingszitate lautet: ‘Die menschliche Sprache ist einzigartig, aber nicht eindeutig. Jeder Versuch, sich mitzuteilen, kann nur mit dem Wohlwollen der anderen gelingen.’ (Maria Benning in der Zeitschrift c’t, 6/2002)»
(Ursprünglich stammt das erwähnte Zitat von Max Frisch, Anm. d. Red.)

Theorie…

Folgt man etwa der Sprechakttheorie, dann beruhen Missverständnisse zum Großteil auf kommunikativen Problemen. Roman Jakobson etwa definiert in seinem Modell Sender und Empfänger. Dazwischen liegt als Medium die Sprache. Nicht alles, was der Sender von sich gibt, wird vom Empfänger auch genau so verstanden, wie es der Sender gemeint hat. Das hängt u.a. ab vom Kontext, dem gewählten Kanal und schließlich dem Code, in dem die Botschaft übermittelt wird. Oder einfacher ausgedrückt: Zum Vermeiden sprachlicher Missverständnisse ist es notwendig, das Medium so anzupassen, dass der Empfänger den Sender auch versteht – z.B. mit allerlei rhetorischen Kniffen. Soweit die Theorie.

Ein Problem besteht nun darin, dass man zum Anpassen der Kommunikation die grundsätzlichen Wertvorstellungen seines Gegenübers kennen sollte. Das ist leider, vor allem im beruflichen Kontext, oft nicht möglich. Doch selbst wenn es uns gelingt, bleibt die Kommunikation mit einigen Menschen problematisch: jene Menschen nämlich, mit denen wir trotz allem auf keinen grünen Zweig kommen, weil ihre grundlegenden Einstellungen, Ziele und Motivationen zu sehr von unseren eigenen abweichen.

…und Praxis

Es gibt kaum etwas Unproduktiveres als ständige Auseinandersetzungen mit solchen Menschen. Leider sitzen allerdings nicht wenige dem Irrtum auf, man könne jedes Problem durch Kommunikation lösen. Ein Beispiel ist etwa der Vorgesetzte, der den Mitarbeiter von seinen Entscheidungen überzeugen möchte. Doch nicht nur das; der Mitarbeiter soll sie begeistert und motiviert mittragen, seien sie für ihn selbst auch noch so unliebsam. Da der Chef sich in der Machtposition befindet, hat der Mitarbeiter gar nicht die Chance, seine eigene Meinung vorzubringen. Er wird also in jedem Fall unzufrieden aus dem Gespräch herausgehen.

Dennoch sind Viele der Meinung, sie könnten solche grundsätzlichen Schieflagen durch Diskussionen, Verhandlungen, Mediationen, Mitarbeitergespräche, Meetings und Ähnliches lösen – das ist ein Irrtum. Und ein ausgesprochen zeitraubender und unproduktiver dazu.

Mein Fazit aus solchen Erfahrungen: Getreu dem Motto «Take it, Change it or Leave it» sollte man, wenn sich herausstellt, dass Diskussionen nichts fruchten, selbige einstellen. Eine Trennung ist in solchen Fällen die zeitsparendste Variante. Und die nervenschonendste auch. Nicht immer kann Kommunikation eine Situation auch verbessern. Nicht immer sind beide Seiten auch gewillt, die Kommunikation zu verbessern. Und nur wenn diese Bedingung erfüllt ist, kann ein Gespräch überhaupt funktionieren.

 

Bild: Thunderchild7 bei flickr.com (CC BY 2.0)

 

Simone Janson

Simone Janson ist Kolumnistin für DIE WELT und betreibt mit über 100 Fachleuten das Blog http://berufebilder.de, laut ZEIT ONLINE eines der meistgelesenen Blogs für Beruf, Bildung und Karriere in Deutschland. Sie ist Kooperationspartner des F.A.Z.-Instituts, Beraterin und Referentin für Agenturen und Unternehmen wie die Deutsche Bahn, die Bundeswehr, Ärzteverbände oder diverse Hochschulen.

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