Produktivität ganz persönlich:
«Wie lange ich arbeite, ist meine eigene bewusste Entscheidung»

Fionnuala Meehan ist nicht nur Sales Director von Google Ireland, sondern spricht dank Schule und einem Studienjahr in Freiburg auch fließend Deutsch. Studiert hat die Irin Europäische Studien, danach arbeitete sie 5 Jahre lang in der Kundenbetreuung der Best Western Hotels, wechselte dann für weitere 5 Jahre zu AOL und ist nun seit 8 Jahren bei Google. Fionnuala ist verheiratet und hat drei Kinder.

Was tust Du als Erstes, wenn Du Deinen Arbeitstag – zuhause oder im Büro – startest?
Fionnuala Meehan: Ich fange nicht zu Hause an, sondern im Zug – und zwar mit den E-Mails. Denn über Nacht sind zahlreiche E-Mails aus Mountain View eingetroffen, die ich erstmal abarbeite. Wenn ich um 8 Uhr ins Büro komme, habe ich meist Meetings mit den Kollegen von Google in Indien, denn das ist dort Mittagszeit und deshalb ein guter Zeitpunkt dafür. Die Meetings mit den Kollegen aus den USA finden hingegen nachmittags statt.

Wodurch zeichnet sich Dein Arbeitsstil aus?
Ich bin sehr ordentlich und organisiert und kann schnell Entscheidungen treffen. Mit 20 Jahren Berufserfahrung habe ich außerdem gelernt, meine Energie zu steuern und Probleme auch mal im Büro zu lassen, um abzuschalten und am nächsten Tag daran weiterzuarbeiten.

Wie – durch welche Tools und Methoden – steigerst Du Deine Produktivität?
Google Docs finde ich ideal für die Zusammenarbeit. Da ich mit Leuten aus Asien, London, Hamburg und den USA zusammenarbeite, können wir die vielen unterschiedlichen Ansichten und Meinungen hier perfekt sammeln und diskutieren.

Darüber hinaus mache ich Listen, um einen Überblick über meine Aufgaben zu gewinnen und zu priorisieren. Jeden Montag erstelle ich To-Do-Listen für die Woche und schreibe auf, was wirklich wichtig ist – und was nur ein «Nice-to-have». Außerdem habe ich immer einen Notizblock dabei für neue Ideen. Ich habe es auch mit einem iPad versucht – aber für mich ist das Aufschreiben von Aufgaben ein sehr persönlicher Prozess, das geht am besten auf Papier.

Wo arbeitest Du am produktivsten?
Im Büro. Ich nehme nur sehr selten Arbeit mit nach Hause. Wenn, dann erledige ich höchstens Telefonate von zu Hause aus. Mir ist wichtig, dass ich neben Google noch ein anderes Leben habe und z.B. jeden Tag um 18 Uhr mit meiner Familie zu Abend esse. Daher ist um 16 oder 17 Uhr für mich Feierabend. Am Wochenende arbeite ich gar nicht.

Google Docks Office, Dublin, Ireland

Google Docks Office, Dublin, Ireland

Ist das gerade in einem Unternehmen wie Google nicht schwierig?
Es ist richtig, dass die Anforderungen von Google an die Mitarbeiter sehr hoch sind. Erwartet wird, dass man seine Arbeit gut und vollständig erledigt; hingegen gibt es keinen Druck, eine bestimmte Anzahl von Stunden im Büro zu sein. Es ist vor allem meine eigene bewusste Entscheidung, wie lange ich arbeite und wann ich erreichbar bin. Die Kollegen akzeptieren das, weil ich es ihnen auch genau so klar kommuniziere. Denn nur wenn ich abschalte, kann ich mich im Büro auch voll auf Google konzentrieren. Ich verbringe daher auch meine Freizeit nicht mit Kollegen. Dadurch, dass ich Kinder habe, fällt mir das Abschalten aber auch leichter.

Was tust Du, wenn Deine Produktivität nachlässt?
Ich wechsle das Thema und lasse ein Problem ruhen, bis ich eine bessere Idee dazu habe. Oder ich diskutiere die Idee mit Kollegen aus der ganzen Welt – das ist ja das Tolle an Google, dass wir hier sehr gute Leute haben. Wichtig ist auch, dass man nicht den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt. Ich gehe dann mal zwischendurch Wasser holen oder spazieren.

Wie viele Stunden schläfst Du pro Nacht?
Ich gehe in der Regel gegen zwischen 22.30 Uhr und 23 Uhr zu Bett und stehe um 6.15 Uhr auf. Ich schlafe also meist 7 bis 8 Stunden. Weniger funktioniert nicht, dann kann ich nicht mehr effizient arbeiten.

Was Dir sonst noch zum Thema Produktivität einfällt
Wichtig ist mir ein guter Energiehaushalt – z.B. indem ich regelmäßig Pausen und Ferien mache. Dazu haben wir hier im Büro auch Seminare. Außerdem hilft mir meine Berufserfahrung, mir meine Zeit besser einzuteilen.

 

Simone Janson

Simone Janson ist Kolumnistin für DIE WELT und betreibt mit über 100 Fachleuten das Blog http://berufebilder.de, laut ZEIT ONLINE eines der meistgelesenen Blogs für Beruf, Bildung und Karriere in Deutschland. Sie ist Kooperationspartner des F.A.Z.-Instituts, Beraterin und Referentin für Agenturen und Unternehmen wie die Deutsche Bahn, die Bundeswehr, Ärzteverbände oder diverse Hochschulen.

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2 Pingbacks

  1. [...] Das sagt übrigens auch Fionnuala Meehan. Sie ist Sales Director von Google Ireland. Und weil sie drei Kinder hat, ist sie nicht nur jeden Tag um 18 Uhr daheim. Sie nimmt auch an den Wochenenden keine Arbeit mit nach Hause, berichtet sie in einem Interview auf  imgriff.com. [...]

  2. [...] die dank eines Austauschjahres in Freiburg auch fließen Deutsch spricht, kann man übrigens bei imgriff.com [...]

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