3×3 Kreativitätstechniken für Solisten:
Solo-Brainwriting, Hunderter-Liste, Reizwort-Analyse

Brainstorming, Ideen-Marathon, Collective Notebook und Kartenabfrage? Klingt ja alles sehr interessant und ist bestimmt hervorragend geeignet, um in einer Gruppe neue Ideen und Wege zu finden. Aber was hilft mir das, wenn ich an einem Projekt allein arbeite; ohne Kollegen, die mir mit schrägen Ideen und Zeichnungen auf die Sprünge helfen? Für genau diese Situationen gibt’s Kreativitätstechniken für Einzelkämpfer.

Letzte Woche habe ich bereits Clustering, Chancen-Denken und das Ideentagebuch vorgestellt. Heute präsentiere ich drei Techniken, bei denen es einerseits ums Schreiben geht (Solo-Brainwriting und Hunderter-Liste) und andererseits darum, über den Tellerrand zu schauen und Neues zu entdecken (Reizwort-Analyse).

Solo-Brainwriting

Brainwriting ist eine Abwandlung des bekannten Brainstormings (Ideen werden auf Zuruf für alle sichtbar auf Pinnwand, Flipchart etc. notiert). Beim Brainwriting notieren alle ihre Ideen und Gedanken zum Thema – jeder für sich und auf einem eigenen Blatt. In einem Rhythmus von 3-5 Minuten werden die Blätter den Sitznachbarn weitergegeben und durchgelesen. Dann beginnt das Aufschreiben vorn.

Das Solo-Brainwriting ist eine Abwandlung des Brainwritings. Wie der Name vermuten lässt, schreibt man als «Solist» seine Gedanken zu einem Thema auf. Da die Anregung durch andere fehlt, ist es ratsam, die Notizen nach jedem Durchgang ein paar Stunden zur Seite zu legen (ich nenne das «gären lassen») und danach mit dem Aufschreiben weiterzufahren.

So geht’s: Formuliere und notiere das Thema als offene Frage. Lege dann den Zeitrahmen für einen Durchgang fest (Empfehlung: 2-3 Min.). Schreibe nun alle Ideen und Gedanken zum Thema auf; zensiere nicht, bewerte nicht, hinterfrage nicht. Der Einsatz der Clustering-Methode oder von Mindmapping ist eine grosse Hilfe. Ist die Zeit abgelaufen, legst Du das Blatt für ein paar Stunden (besser: einen ganzen Tag) zur Seite. Danach startest Du einen neuen Durchgang. Das tust Du so lange, bis Du merkst, dass keine neuen Ideen mehr hinzukommen. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, die Ideen zu bewerten, zu verfeinern oder zu verwerfen.

Beispiel: Brainwriting

Mehr dazu: Wikipedia: Brainwriting, Wikipedia: Brainstorming

Hunderter-Liste

Die Hunderter-Liste ist eine Abwandlung des Solo-Brainwritings. Hier ist allerdings die Struktur klar festgelegt: Es sollen nicht mehr und nicht weniger (!) als 100 Ideen oder Gedanken zum Thema notiert werden. Die Hunderter-Liste braucht deshalb etwas mehr Durchhaltewillen.

So geht’s: Das Vorgehen ist grundsätzlich das gleiche wie beim Brainwriting. Nur arbeitet man hier nicht in mehreren Durchgängen: Zu Ende ist man erst dann, wenn die hundertste Idee auf dem Blatt steht!

Mehr dazu: CreaPedia: Hunderter-Liste

Reizwort-Analyse

Bei der Reizwort-Analyse ist das Ziel, über den Tellerrand hinauszuschauen. Diese Methode zur Ideenfindung wird meist in Gruppen verwendet, kann aber auch sehr gut allein eingesetzt werden. Ausgangspunkt ist immer ein frei gewähltes Reizwort, das nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun. Ausgehend von diesem Reizwort werden neue Begriffe assoziiert und aufgeschrieben, die einem in den Sinn kommen. So tauchen Ideen und Lösungsansätze auf, die beim engeren Betrachten des ursprünglichen Themas kaum aufgetaucht wären und einem neue (Lösungs-)Wege aufzeigen.

So geht’s: Wähle als Reizwort einen Begriff, der nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun hat. Schreibe das Wort auf. Wenn Dir das schwer fällt, nimmt ein beliebiges Buch, schlage es irgendwo auf und tippe mit geschlossenen Augen auf ein Wort. Jetzt produzierst Du mit weitem Blick neue Begriffe oder kurze Sätze, die mit dem Reizwort in Verbindung stehen und notierst diese. Nimm Dir dafür 5 bis 10 Minuten Zeit. Fallen Dir vorher keine neuen Begriffe mehr ein, wähle ein neues Reizwort. Zum Schluss verbindest Du gedanklich die gefundenen Begriffe/Sätze mit dem ursprünglichen Thema und bildest somit völlig neue Assoziationen und Ideen.

Beispiel: Thema: Kommunikation mit Kunden. Reizwort: Passagierflugzeug. Begriffe: Luft, Transport, schnelle Verbindung, global, Flughafen, Check-In, Durchsagen, Informationsschalter, Passkontrolle, Boarding, Sicherheit…

Mehr dazu: CreaPedia: Reizwortliste


Dies ist der zweite Teil der Serie «3×3 Kreativitätstechniken für Solisten». Die beiden anderen Artikel befassen sich mit diesen Themen:
Clustering, Chancen-Denken, Ideentagebuch (Teil 1)
Freewriting, Forced Relationship, Kopfstand (Teil 3)

 

Bild: Al Abut bei flickr.com (CC BY-SA 2.0)

 

Marcel Widmer

Marcel Widmer begleitet als ausgebildeter Coach und Organisationsberater Fach- und Führungskräfte, Teams sowie Organisationen bei der eigenen Entwicklung. Als Autor bei imgriff.com bloggt Marcel Widmer seit Anfang 2013 praxisnah zu Themen wie Organisation, Zeit- und Selbstmanagement. → mehr …

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