Weg mit der Fremdbestimmung:
7 Tipps für eine selbstbestimmte Arbeitsorganisation

Was uns Stress verursacht, ist nicht zu viel Arbeit, es ist fremdbestimmte Arbeit. Und oft steuern uns gesellschaftliche Konventionen und die Meinung anderer mehr, als uns selbst bewusst ist. Was können wir dagegen tun?

Vor einiger Zeit hat ausgerechnet der Papst des Zeitmanagements, Lothar Seiwert, das Zeitmanagement für tot erklärt (Affiliate-Link). Denn er hat erkannt: Wir leben nicht stressfreier, wenn wir unsere Zeit möglichst effizient organisieren. Sondern wenn wir selbstbestimmt arbeiten statt fremdbestimmt. Oder kurz: Wer tut, was ihm Spaß macht und was er vor sich und anderen vertreten kann, lebt und arbeitet besser.

Nun wird Fremdbestimmtheit nicht nur durch einen Chef ausgelöst, der uns sagt, was wir zu tun und zu lassen haben. Marcel Widmer hat erst kürzlich einen aufschlussreichen Artikel darüber geschrieben, wie wir unseren inneren Kritiker für uns gewinnen. Doch auch äußere Kritiker gibt es zuhauf, die mit ihren Meinungen und impliziten Erwartungshaltungen unsere Ängste schüren – und uns vielleicht Dinge tun lassen, die wir gar nicht tun wollen. Wie stark diese Erwartungen bzw. Widerstände oft sind, bekommt man spätestens dann zu spüren, wenn man dagegen aufbegehrt.

Ein Beispiel aus dem Social-Media-Bereich

Kürzlich schrieb die Social-Media-Managerin Katharina Antonia Heder darüber, warum sie sich von Facebook verabschiedet hatte. Dafür wurde sie heftig kritisiert – und zwar vor allem von ihren eigenen Kollegen aus der Branche. Die bezweifelten, dass eine Social Media-Managerin es sich leisten könne, auf Facebook zu verzichten. Die gesellschaftlichen Koventionen lassen grüßen. Die Diskussion und die daraus entstandenen Schlussfolgerungen habe ich hier nachgezeichnet.

Heder geht weiterhin ihren eigenen Weg. Und verteidigt den auch mit klugen Argumenten. Zum Beispiel, dass in einer immer komplexer werdenden Welt die Spezialisierung auf bestimmte Bereiche unumgänglich sei. Und dass nur durch solche Maßnahmen überhaupt gesellschaftliche Innovationen möglich seien.

7 Tipps für selbstbestimmte Arbeitsorganisation

Ich habe die Argumente für einen eigenen, selbstbestimmten Weg am Beispiel von Frau Heder nochmals zusammengefasst. Nachfolgend findest Du 7 Tipps, wie man trotz Kritik und Fremdbestimmung seinen eigenen Weg hinbekommt:

  • Spezialisieren: Die Welt heute ist komplex, das Wissen unüberschaubar. Das gilt auch für Internet und Social Media, die sich in immer neue Entwicklungen ausdifferenzieren. Kein Mensch kann alle technischen Entwicklungen überschauen. Der eine hat eher die gesamte Strategie im Blick, der andere einzelne Tools.
  • Nur kein Perfektionismus: Spezialisierung bedingt natürlich auch, dass man offen zugibt, bestimmte Bereiche auszuklammern. Das fällt in der deutschen Perfektionismus-Kultur schwer. Nicht jeder Social-Media-Manager ist z.B. geübt im Umgang mit kritischen Kommentaren. Das ist menschlich und verständlich, und dazu kann man offen stehen.
  • Gemeinsam stark: Eine gute Alternative zum Sich-Bekriegen ist es, zu kooperieren. Nach dem Motto «Gemeinsam sind wir stark» können sich unterschiedliche Kompetenzen ergänzen. Wird leider viel zu selten angewendet, weil am Ende des Tages jeder doch lieber sein eigenes Hühnchen braten will und nach dem besten Platz am Lagerfeuer schielt.
  • Klug auswählen: Bei aller Spezialisierung ist es wichtig herauszufinden, wo die eigene Zielgruppe sitzt, damit man seine Ziele erreicht. Dafür muss man klug auswählen: Für Unternehmen, die etwas verkaufen oder Studierende erreichen wollen, mag Facebook die erste Wahl sein. Wenn jedoch Institutionen und Bildungseinrichtungen Unternehmensvertreter erreichen wollen, erscheinen mir Xing als Business-Netzwerk und Twitter als direkte Kontakt-Plattform die sinnvolleren Kommunikationswege.
  • Sei innovativer Trendsetter: Katharina Antonia Heder gehört der in Personal-Kreisen sehr gefragten Generation Y an – jene Altersgruppe zwischen 18 und 34, aus der laut Spiegel Online 1,2 Millionen Nutzer im ersten Quartal 2013 Facebook wieder verließen. Sie steht damit für einen neuen Trend «weg von Facebook», über den ich kürzlich bei imgriff berichtet habe. Wer Trends setzen will, statt immer nur den Konventionen hinterherzulaufen, muss Dinge anders tun. Kritisiert zu werden, ist dabei normal.
  • Dienst nach Vorschrift kann man sich nicht leisten: Der besagte Artikel von Katharina Antonia Heder wurde auch kritisiert, weil es einen Unterschied zwischen den persönlichen Vorlieben eines Social-Media-Managers und seinen beruflichen Pflichten gebe. Ich sehe das anders: Dienst nach Vorschrift zu machen, Aufgaben nur erledigen, weil sie angeblich dazu gehören, führt in der Regel nicht zum Erfolg. Zeit in eine Sache zu investieren, bei der wir nicht mit ganzem Herzen dabei sind, können wir uns in der heutigen Arbeitswelt schlicht nicht mehr leisten.
  • Persönliche Vorlieben nutzen: Im Gegenteil, jeder sollte gezielt seine persönlichen Vorlieben nutzen. Wer tut, was ihn am meisten interessiert, ist darin in der Regel auch besonders gut. Wer also beruflich erfolgreich sein will, sollte seine Zeit darin investieren, die eigenen Stärken auszubauen.

 

Bild: Wagner Cesar Munhoz bei flickr.com (CC BY-SA 2.0)

 

Simone Janson

Simone Janson ist Kolumnistin für DIE WELT und betreibt mit über 100 Fachleuten das Blog http://berufebilder.de, laut ZEIT ONLINE eines der meistgelesenen Blogs für Beruf, Bildung und Karriere in Deutschland. Sie ist Kooperationspartner des F.A.Z.-Instituts, Beraterin und Referentin für Agenturen und Unternehmen wie die Deutsche Bahn, die Bundeswehr, Ärzteverbände oder diverse Hochschulen.

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