3×3 Kreativitätstechniken für Solisten:
Clustering, Chancen-Denken, Ideentagebuch

Kreativätstechniken gibt’s wie Sand am Meer – vorwiegend für die Arbeit in Gruppen. Doch viele von uns arbeiten oft als Solisten: beim Schreiben eines Berichts, wenn’s heisst «Machen Sie uns zwei, drei Vorschläge für Massnahmen zu …», oder beim Zusammenstellen einer Präsentation. Deshalb konzentriere ich mich diesmal auf Techniken, die man als Einzelner nutzen kann.

In dieser Artikelserie stelle ich 3 x 3 Kreativitätstechniken vor, die dem Einzelnen im Arbeitsalltag helfen, mit Systematik und Spass Ideen zu finden und zu entwickeln. Als erstes präsentiere ich Clustering, Chancen-Denken und Ideentagebuch.

Clustering

Das Clustering (auch: «Schneeball-Technik») ist eine Technik, bei der – ähnlich wie beim Mindmapping – Ideen visualisiert, durch freie Assoziationen verknüpft und weiter entwickelt werden.

Für Ideenentwicklung und freie Visualisierungen bevorzuge ich das Clustering, da es nicht so strengen Regeln folgt wie das Mindmapping und freie Verknüpfungen von und zu jedem Cluster ermöglicht.

So geht’s: Schreib das Thema mit einem Stichwort in die Mitte eines Blattes, am besten im Querformat, und umkreise den Begriff. Notiere eine erste Idee, umkreise den Begriff, verbinde den Knoten durch eine Verbindungslinie mit dem zentralen Thema. Notiere weitere Themenbegriffe, umkreise sie, verbinde sie mit jenen Ideen, zu denen sie passen.

Beispiel: Clustering (Sport)

Mehr dazu: Gabriele Rico: Clustering, Wikipedia: Clustering – Kreatives Schreiben

Chancen-Denken

Wir sind ziemlich gut darin, mögliche Risiken zu erkennen und uns dagegen zu wappnen. Oft stelle ich fest, dass aber unsere Fähigkeit, in Chancen zu denken, nicht ganz so gut entwickelt ist. Genauso ist unser Denken bezüglich Ideen: wir verwerfen sie viel zu schnell, statt uns zu fragen «Was ist das Gute daran? Wo sind die Chancen?» Es gibt immer auch einen positiven Aspekt, eine Chance! Entscheidend ist der Wechsel der Perspektive.

So geht’s: Notiere Dein Thema auf ein Blatt Papier. Ergänze es – mittels einer Kreativitätstechnik, z.B. Clustering – mit Ideen, Themen, Begriffen. Immer dann, wenn Du merkst, dass das Gefundene sich mit dem Risiko statt der Chance beschäftigt, wechselst Du die Perspektive und fragst Dich, was ein Blinder dazu sagen würde, oder Mick Jagger, oder Deine Schwester. Oder Du selbst, wenn Du «total durchgeknallt» wärst. Notiere Dir die unvoreingenommene Sicht dieser Akteure und mache so die Chance sichtbar.

Beispiel: Thema: Soll ich die Firma verlassen? Risikogedanke: Was, wenn der Wechsel ein Flop wird? Chancen-Denken/Perspektiven-Wechsel: Wie würde mein Chef bei einer solchen Überlegung vorgehen? Wie entscheiden? Wo würde mein Mann (meine Frau) den grössten Pluspunkt bei diesem Stellenwechsel sehen? Was würde ein Lehrling in der neuen Firma sagen? Usw.

Mehr dazu:  Mario Pricken und Christine Klell: «Kribbeln im Kopf», Verlag Hermann Schmidt (Affiliate-Link)

Ideentagebuch

Das Ideentagebuch hat – wie jedes andere Tagebuch auch – in erster Linie die Aufgabe, Ideen und Gedanken festzuhalten. Wer seine Einfälle festhält, entlastet dadurch sein Gedächtnis. In zweiter Linie hilft es dabei, die Ideen regelmässig zu überprüfen, systematisch zu organisieren und gezielt anzupacken und umzusetzen. Wichtig ist, das Ideentagebuch immer bei sich zu haben und so Ideen jederzeit festhalten zu können.

Das Ideentagebuch geht auf den Erfinder Thomas Alva Edison zurück, der gemäss Wikipedia rund 3’500 Notizbücher mit Skizzen von Ideen hinterlassen hat. Zum Sammeln von Ideen habe er gesagt: «Ich bin ein guter Schwamm, ich sauge Ideen auf und mache sie nutzbar.»

So geht’s: Du nimmst ein Notizbuch oder eine Anwendung wie Evernote und hältst darin laufend Deine Ideen fest – in Worten, wenn möglich ergänzt mit Skizzen. Für die regelmässige Überarbeitung empfehle ich einen Rhythmus von zwei Wochen. Dabei sollte man sich ein Ziel setzen, z.B. «Bei jeder Überarbeitung wähle ich mindestens zwei Ideen aus und plane ganz konkret deren Umsetzung».

Beispiel: «Ideen im Moleskine sammeln»

Mehr dazu: Wikipedia: Thomas Alva Edison: Arbeitsweise


Dies ist der erste Teil der Serie «3×3 Kreativitätstechniken für Solisten». Die beiden anderen Artikel befassen sich mit diesen Themen:
Solo-Brainwriting, Hunderter-Liste, Reizwort-Analyse (Teil 2)
Freewriting, Forced Relationsip, Kopfstand (Teil 3)

 

Bild: Walt Stoneburner bei flickr.com (CC BY 2.0)

 

Marcel Widmer

Marcel Widmer begleitet als ausgebildeter Coach und Organisationsberater Fach- und Führungskräfte, Teams sowie Organisationen bei der eigenen Entwicklung. Als Autor bei imgriff.com bloggt Marcel Widmer seit Anfang 2013 praxisnah zu Themen wie Organisation, Zeit- und Selbstmanagement. → mehr …

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3 Kommentare

  1. Vor allem das Ideentagebuch ist eine tolle Sache. Ich pflege auf meinem Rechner einen Ordner “Dumme Idee des Tages”. Da kommt alles rein, was ich mir im Laufe eines Tages so an Einfällen notiert habe.
    Ich gehe da nicht regelmäßig durch, aber früher oder später gehe ich fast jedes Projekt, das darin schläft mal an und verfolge es zumindest soweit, bis es mich substantiell Geld kosten würde weiter zu machen.
    Dann setze ich mir “Deadlines”; bis dann min. so und so viele Interessenten / Mitstreiter / Antworten haben, oder Ähnliches. Wenn diese Margen erfüllt werden, geht es weiter, wenn nicht, stirbt das Projekt sofort.
    Auch wenn der Einfall nicht umgesetzt wird, bleiben mir die Ergebnisse der Vorarbeit erhalten und können vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt oder in einem anderen Projekt eingesetzt werden.
    Da ich bis hier hin auch keinen großen finanziellen Einsatz getätigt habe und das Projekt quasi als Hobby in meiner Freizeit betrieben habe, entsteht auch kein Verlust.

  2. @ Michael:
    Der Ansatz mit Deadlines und eine definierte Anzahl Mitstreiter (o.Ä.) zu finden und dann loszulegen oder das Projekt bewusst sterben zu lassen, finde ich ich stark. Danke für den Input :)

    • Das ist bei mir Selbstschutz. Ich neige sehr dazu, immer noch ein Stückchen weiter zu machen weil “es dann schon funktionieren wird.”
      So hab ich schon tausende Euro in Totgeburten versenkt.

3 Pingbacks

  1. [...] Techniken also nicht so viel anfangen. Das fand auch Marcel Widmer, der deshalb auf Imgriff.com eine Serie mit Kreativitätstechniken für Solisten [...]

  2. [...] und die Wikipedia gab’s auch schon in den 80ern. Google Trends startet für Deutschland und alleine sein macht noch lange nicht unkreativ und das Fairphone geht in Produktion. Viel Spaß beim Lesen und [...]

  3. [...] Clustering, Chancen-Denken, Ideentagebuch (Teil 1) [...]

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