Wer braucht wann wie viel Schlaf:
Wie hochproduktive Menschen schlafen

Wenn das Wochenende naht, will ich vor allem eins: endlich wieder ausschlafen. Unter der Woche gehe ich immer so zwischen Mitternacht und 0:30 ins Bett. Aufstehen muss ich morgens immer um 6:45 Uhr. Im Schnitt also sechs Stunden und ein paar Minuten. Weil ich tagsüber oft gähne, die Frage: Reichen im Schnitt 6 Stunden am Tag? Wir zeigen ungewöhnliche Schlafzeiten aus der Geschichte.

«Zwischen Mittagessen und Abendessen muss man schlafen, und zwar keine halben Sachen. Ziehen Sie Ihre Kleider aus und legen Sie sich ins Bett – und denken Sie bloß nicht, dass Sie weniger Arbeit schaffen, wenn Sie am Tage schlafen. Das ist eine dumme Idee von Leuten ohne Vorstellungsvermögen. Sie werden sogar mehr bewerkstelligen.»
Winston Churchill

Was wir über die Bedeutung von Schlaf fürs Produktiv-Sein wissen

Wie lange wir schlafen sollten und worauf wir vor und beim Schlafen achten sollten, haben wir uns bei imgriff.com schon in mehreren Artikeln angeschaut:

Logischerweise interessiert das Thema Schlafen auch andere Websites. Ein wirklich guter Artikel über die vielfältigen Auswirkungen, die das richtige Schlafen auf uns Menschen hat, findet sich bei Alltagsforschung.de: Die Psychologie des Schlafs. Unter anderem erfahren wir dort:

  • dass 7 Stunden Schlaf anscheinend optimal sind fürs Herz
  • viel Schlaf die Sprachentwicklung bei Babies fördert und Neugeborene im Schlaf lernen
  • es unmittelbar vor Klausuren wichtig ist, viel zu schlafen
  • wir vor Entscheidungen unbedingt schlafen sollten
  • die Zahl unserer Freunde Einfluss auf die Qualität unseres Schlafes hat
  • Frühaufsteher generell aktiver sind als Spätaufsteher

Aber vor allem wird dort eine Studie referenziert, deren Ergebnis mich hoffen lässt: Chronischer Schlafmangel unter der Woche lässt sich durch Extraschlaf am Wochenende leicht wieder aufholen. Meine private Vorgehensweise scheint also nicht die schlechteste Wahl zu sein.

Wie berühmte Menschen schlafen

Leonardo da Vinci wird nachgesagt, dass er so lange arbeitete, bis er müde wurde. Dann ging er, egal um welche Tages- oder Nachtzeit es sich handelte, für vier Stunden schlafen. Anschliessend arbeitete er wieder, bis er müde wurde. Ob und wann da Vinci müde wurde, interessierte ihn nicht. Er ging dann schlafen, wenn es soweit war. Und er arbeitete so lange, bis es soweit war. Einen ausgeprägten Tag- oder Nachtrhythmus scheint er nicht gehabt zu haben.

Über Marissa Mayer, ex-Google-Angestellte und nun CEO bei Yahoo, sagt man, sie komme mit wenig Schlaf aus. In einem Artikel im IEEE Spectrum über Marissa Mayer sagt ein Kollege von Google folgendes:

«I met her once at dinner in New York; she was literally falling asleep in her soup. She said, ‘Normally, I can get by on 4 hours of sleep a night, and I thought I could get by on 3. But I can’t.’»

In seinem ebenso fantastisch lesenswerten wie lehrreichem Buch  «The German Genius» (Affiliate-Link) zeigt uns Peter Watson, wie berühmte deutsche Forscher mit Schlaf umgingen. Zwei Beispiele:

Johann Joachim Winckelmann (1717-68), Begründer der Archäologie und Kunstgeschichte, studierte in Berlin, Halle und Jena. Er las viele alte Werke auf griechisch, was er meistens bis exakt Mitternacht tat. Dann ging er bis vier Uhr ins Bett, um sodann mit dem Lesen fortzufahren. Es wird berichtet, dass er während der Sommermonate auf einer Bank schlief und sich einen Holzblock ans Bein band. Geriet dieser Holzblock durch Bewegungen Winckelmanns aus dem Gleichgewicht und donnerte zu Boden, war Winckelmann wach und arbeitete weiter. Winckelmann starb übrigens eines gewaltsamen Todes, als er in einem Hotel in Triest erstochen wurde – eines der Motive für Thomas Manns Roman «Der Tod in Venedig».

Friedrich August Wolf (1759-1824) verdanken wir die Art und Weise, wie wir heute Themen wissenschaftlich untersuchen und dabei insbesondere kritisch mit den Quellen umgehen. Wolfs Vorlesungen an der Universität Halle wurden beispielsweise von Johann Wolfgang Goethe besucht. Seine Studie von Homers Werken ist für viele die «Gründungscharter der klassischen Forschung als unabhängige Disziplin». Wenn Wolf sich in ein neues Thema einarbeiten wollte, schlief er für sechs Monate nur in zwei Nächten pro Woche und arbeitete ansonsten. So erschloss er sich neue Themen und Autoren in kürzestmöglicher Zeit. Um nicht einzuschlafen, saß er mit nackten Füßen in eiskaltem Wasser. Manchmal klebte er sich ein Auge zu, um es zu schonen.

Glücklicherweise habe ich weder einen Holzblock zu Hause noch die Absicht, mir die Augen zuzukleben oder mit eiskaltem Wasser zu experimentieren. Ich bezweifle auch, dass vier Stunden Schlaf die Lösung sind, wie Marissa Mayer zu propagieren scheint. Das Letzte, was ich vor dem Einschlafen immer mache, ist lesen. Wenn ich kaum über die Mitte der ersten Seite hinauskomme, ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass ich in der vorhergehenden Nacht nicht genug geschlafen habe. So einfach ist das manchmal.

 

Bild: Carl Nenzén Lovén bei flickr.com (CC BY 2.0)

 

Gregor Groß

Gregor Gross

Gregor Gross

Gregor Groß kam im Jahre des Herrn 1973 zur Welt, kurze Zeit nach dem Tode Bruce Lees. Ob es dabei wirklich zu einer Seelenwanderung kam, ist bis heute ungeklärt. Keine vierunddreißig Jahre später jedenfalls führte ihn sein Weg über einen asiatischen Zwischenstopp nach Brisbane, Australien, wo er Vertrauen in seine kreativen Fähigkeiten fasste.

Seitdem interessiert sich Gregor für Kreativität (darüber bloggt er auf www.denkpass.de) und dafür, wie man Aufgaben richtig organisiert und delegiert, ohne die Kreativität seiner Mitarbeiter zu behindern. Über dies und ähnliche Themen bloggt er hier auf imgriff.com.

Ansonsten versucht Gregor, tagsüber in einer seiner Firmen (alpha-board.de macht Elektronik-Design und Fertigungsservice, mashamo.de exklusive Kinder- und Babymode ohne Kitsch und Schnörkel, lieblingskaro.de Kinderzimmer-Ausstattung, Bettwäsche und Spielzeug im Karo-Look) möglichst viel zu lächeln und dabei kompetent zu wirken, prokrastiniert am liebsten mit Baseballstatistiken und Tageszeitungen und bildet sich Gottweisswas auf seinen Risotto ein.

Sonntagmorgens, wenn ihn seine Söhne um 5:32 Uhr unsanft wecken, wünscht er sich ein Zeitmanagement, das ihm Zeit zum Schlafen verschafft.

Gregor ist via Kontaktseite zu erreichen.

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5 Kommentare

  1. Der Artikel ist gelungen. Was ich mir noch wünschen würde ist eine Literaturempfehlung, denn ich kenne keine interessanten Bücher zum Thema Schlaf, das mehr als nur heutige Schlafprobleme abdeckt. Ich würde gern mehr zur Chronobiologie, zu neuen Erkenntnissen der Schlafforschung oder der Geschichte des Schlafs erfahren.

  2. Ich halte es dann mal ein wenig so wie Da Vinci. Ich gehe auch erst bei totaler Erschöpfung ins Bett – und stehe meist 4-5 Stunden später wieder auf. Funktioniert seit 7 Jahren wunderbar, undjeder Versuch, früh ins Bett zu gehen (22-23 Uhr) um dann 8 Stunden zu schlafen haben bei mir nur eins gebracht: Schlechte Laune und Kopfschmerzen zusammen. Ungut. Jeder sollte es so halten wie er mag, ne?

  3. Ich wäre gerne mehr “Nachtwandler”, aber das wird in dieser Gesellschaft ja leider nicht so gern gesehen, weil man einen “normalen” Alltag erleben sollte. Aber dieser Alltag ist mir oft zu laut und zu hektisch. Am Wochenende oder an Feiertagen merke ich dann wieder, wie mein Körper seine Gewohnheiten am liebsten wieder ändern würde…: Ich schlafe auf einmal am Tag und bin nachts hoch motiviert. Aber wie geschrieben, mein Körper darf sich nicht daran gewöhnen, sonst wird das nichts mit der Ausbildung und “über”leben… : /

    Ach ja, ich schlafe meistens 6-7 Stunden, manchmal mehr, manchmal weniger. ^^

  4. Ich finde den Artikel auch sehr gut gelungen, was ich jedoch sagen muss ist, das ein Mittagsschlaf nicht bei jedem Menschen hilft, und es somit also nur eine Theorie bleibt.

  5. Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen -ein wirklich gelungener Artikel! Seit einiger Zeit mache ich Nachmittags, wenn ich zu müde bin um zu arbeiten, eine Pause. Neumodisch auch Powernapping genannt. Also maximal 30 Minuten ausruhen, die Augen zu und so still es geht. Also kein Handy oder Musik.
    Es hilft mir sehr bei langen, für die Augen anstrengenden Arbeitstagen.

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