Auch ich muss kreativ bleiben:
8 Dinge, die als Katalysator wirken

Wer täglich kreativ arbeitet, braucht Hilfsmittel, damit die Ideen nie versiegen. Bei mir gehören dazu die Gartenarbeit, lange Zugfahrten, und dass ich Arbeit und Freizeit nicht krampfhaft trenne.

Mein Kollege Martin Weigert, Chefredakteur von netzwertig.com, hat neulich beschrieben, welches für ihn die entscheidenden Faktoren sind, damit er kreativ bleibt und ihm die Einfälle für immer neue Blogposts nicht ausgehen. Kreativitäts-Katalysatoren sozusagen.

Da auch ich täglich für mehrere Blogs tätig bin – für Blogwerk-Kunden, für imgriff.com und für das Firmenblog von Blogwerk – muss ich wohl ebenfalls über solche Techniken verfügen, dachte ich mir beim Lesen von Martins Artikel. Nur hatte ich mir vorher nie bewusst überlegt, welche das sind.

Die meisten Faktoren, die Martin erwähnt, gelten sicher auch für mich. Was für ihn beispielsweise Jogging oder Fitnessstudio, ist für mich das Schwimmen – sei es in der Halle, sei es der tägliche Sprung in den See im Sommer. Dass örtliche Tapetenwechsel und der Austausch mit neuen Menschen wichtig sind, kann ich sofort unterschreiben. Ausserdem gehören zu meinem Rüstzeug:

1. Mein Schrebergarten
Die körperliche Arbeit im Garten – mit den Händen in der Erde wühlen, Unkraut jäten etc. – hat etwas Meditatives. Und wenn es in mir genug meditiert hat, geschieht es nicht selten, dass die Ideen kommen. Der Garten schärft aber auch das Bewusstsein für kreative Lösungsfindungen: Da gibt es so viele Faktoren, die man nicht beeinflussen kann; die meine Mitgärtnerin und mich zwingen, flexibel zu bleiben und häufig umzudenken.

2. Gespräche mit Internet-Abstinenzlern
Unterhaltungen mit Menschen, die im Netz und in den Social Media aktiv sind, habe ich täglich zur Genüge. Ich habe aber auch das Glück, einige fast komplette Internet-Abstinenzler zu kennen. Die Impulse, die ich von ihnen erhalte, sind manchmal verblüffend. Nicht dass sie Dinge wüssten, die das Internet nicht weiss – aber es sind Dinge, die ich im Netz schlichtweg verpasse, weil sie dort offenbar unter meinem Radar durchschlüpfen.

3. Lange Zugfahrten
Ich habe nichts gegen Flugreisen, aber Zugfahrten finde ich deutlich anregender. Bis zu acht Stunden mit der Bahn fahren ist für mich absolut zumutbar. Bei Zugfahrten im Ausland meist auch ohne Internetzugang. Einen Roman lesen, mit wechselnden Mitreisenden ein paar Worte austauschen und dabei gleich Fremdsprachen üben, der Landschaft beim Vorbeiziehen zuschauen – und beim plötzlichen Auftauchen eines Gedankens mein Moleskine-Büchlein zücken und ein paar Seiten vollschreiben… Es gibt kaum etwas, das die Kreativität mehr anregen würde.

4. Niemals ohne Lunch
Früher kam es oft vor, dass ich um die Mittagszeit ein Sandwich vor dem Bildschirm verzehrte. Seit einigen Jahren kommt das nicht mehr in Frage. Lunch bedeutet rausgehen, sich – und wenn nur kurz – aufs Essen allein konzentrieren. Das iPhone bleibt in der Tasche; dafür führe ich ein angeregtes Gespräch mit Kollegen. Ich habe das nie statistisch erfasst, aber ich bin sicher: die gesteigerte Kreativität und Konzentration, über die ich nach dem Mittagessen verfüge, lassen mich deutlich mehr Arbeit bewältigen, als ich in einer endlosen, pausenfreien und somit auch unkonzentrierten Arbeits-Session erledigen könnte.

5. Bei der Arbeit in Bewegung bleiben
Warum Bewegung, häufiger Wechsel der Haltung und des Ortes bei der Arbeit produktiver und kreativer machen, habe ich hier bereits beschrieben.

6. Arbeit und Freizeit nicht krampfhaft trennen
Klar, man muss auch mal abschalten können. Aber dächte ich ausserhalb der Arbeitszeit nie an die Arbeit, verschlösse ich mir eine ergiebige Quelle der Kreativität. Sowieso unterteilen sich bei mir die 24 Stunden eines Tages in verschiedene Etappen von Arbeits- und Freizeit, die nicht jeden Tag gleich sind. Dieser variierende Rhythmus verhindert diejenige Art von Routine, die laut Martins Artikel das «Einrosten» und somit das Versiegen der Kreativität begünstigt.

7. Kultur
Regelmässig ein Konzert besuchen, durch eine Fotografie-Ausstellung schlendern, einen Film anschauen, einen Roman lesen, Spoken-Word-Veranstaltungen organisieren; mit anderen Menschen über all das diskutieren – Kulturelles regt meine Phantasie an, lockt Ideen hervor, fördert das eklektische Denken.

8. Natur
Wenn ich in den Bergen wandere, geniesse ich erstmal einfach das Nicht-denken-Müssen und die Schönheit um mich herum. Aber irgendwann kommen die Ideen, scheinbar ganz ohne mein Zutun. Es ist mir schon öfters passiert, dass ich am Ende einer Wanderung einen kompletten, teilweise schon ausformulierten Blog-Beitrag im Kopf hatte.

 

Und welches sind Eure Kreativitäts-Katalysatoren?

 

Bild: zoovroo bei flickr.com (CC BY-2.0)

 

Sabine Gysi

Sabine Gysi ist die leitende Redakteurin von imgriff.com für Blogwerk AG.

Mehr lesen

Kreativer und produktiver durch Rituale: Was Du von berühmten Leuten lernen kannst

12.5.2014, 1 KommentareKreativer und produktiver durch Rituale:
Was Du von berühmten Leuten lernen kannst

Kreative und produktive Arbeitsprozesse sind so individuell wie die Menschen selbst. Daher ist es sinnvoll, sich die Arbeitsabläufe berühmter Persönlichkeiten einmal anzuschauen - vielleicht ist genau das Passende für Dich darunter. Zwei aktuelle Infografiken sind aufschlussreich.

Meine Taktiken für den Notfall: So bin ich auf Abruf kreativ

7.5.2014, 1 KommentareMeine Taktiken für den Notfall:
So bin ich auf Abruf kreativ

Manchmal ist Kreativität auf Abruf gefragt. Ich reagiere etwa mit entspanntem Brainstorming oder einem Blick auf meine älteren Arbeiten. Eine weitere Strategie liegt zwar nicht auf der Hand, funktioniert aber bei mir sehr gut: das Duschen.

Kreativität en masse: Auf Abruf schöpferisch sein? Geht sehr wohl

7.5.2013, 1 KommentareKreativität en masse:
Auf Abruf schöpferisch sein? Geht sehr wohl

Kann man Ideen gemäss dem Stand der Nachfrage generieren und weiterentwickeln? Aber ja! Ich bin gegen Schutzgebiete für kreatives Arbeiten. Wenn ich mich dem Leben, dem Wettbewerb und dem Druck aussetze, bin ich letztendlich kreativer und produktiver.

Kreativer und produktiver durch Rituale: Was Du von berühmten Leuten lernen kannst

12.5.2014, 1 KommentareKreativer und produktiver durch Rituale:
Was Du von berühmten Leuten lernen kannst

Kreative und produktive Arbeitsprozesse sind so individuell wie die Menschen selbst. Daher ist es sinnvoll, sich die Arbeitsabläufe berühmter Persönlichkeiten einmal anzuschauen - vielleicht ist genau das Passende für Dich darunter. Zwei aktuelle Infografiken sind aufschlussreich.

Meine Taktiken für den Notfall: So bin ich auf Abruf kreativ

7.5.2014, 1 KommentareMeine Taktiken für den Notfall:
So bin ich auf Abruf kreativ

Manchmal ist Kreativität auf Abruf gefragt. Ich reagiere etwa mit entspanntem Brainstorming oder einem Blick auf meine älteren Arbeiten. Eine weitere Strategie liegt zwar nicht auf der Hand, funktioniert aber bei mir sehr gut: das Duschen.

Behindert durch starre Strukturen und Abläufe: Diese Alarmsignale verraten uns, dass wir festgefahren sind

29.4.2014, 0 KommentareBehindert durch starre Strukturen und Abläufe:
Diese Alarmsignale verraten uns, dass wir festgefahren sind

Niemand behauptet, bei der Arbeit seien Strukturen und eingespielte Abläufe schlecht - im Gegenteil: sie sind unerlässlich. Wer möchte bei jeder Aufgabe, bei jedem kleinen Projekt, bei jeder Routine-Erledigung erstmal das Rad neu erfinden? Erst dort, wo sich die gewohnten Strukturen und Abläufe plötzlich bequem anfühlen, wird’s gefährlich. Alarmierende Zeichen lassen sich leicht erkennen.

Mindmap im Selbsttest: Veraltet oder nützlich?

30.10.2013, 29 KommentareMindmap im Selbsttest:
Veraltet oder nützlich?

Es war – soweit ich mich erinnere – die erste Kreativitätstechnik, die ich während der Ausbildung kennengelernt habe: Mindmapping. 15 Jahre später setze ich Mindmaps kaum ein. Ich frage mich, wieso. Zu schwerfällig, zu altmodisch oder zu aufwändig? Zeit, diese Brainstorming- und Gedankenordnungsmethode erneut zu testen.

5 Kommentare

  1. Danke für diesen Beitrag. Tolle Wortschöpfung: Kreativitäts-Katalysatoren.

    Ein Wort, das mir sehr gut gefällt, sind die “Kraft-Quellen”.

    Was gibt es Schöneres, als am Morgen durch den frischen Wald zu laufen; oder Meditation.

    Aber auch: Perspektivenwechsel schaffen und ganz bewusst mal wieder eine andere Zeitschrift, neue Blogs lesen usw.

    Oder umgekehrt: Wenn die Kreativität fehlt, die “Selbst-Beobachtung” und Reflexion: Welches sind meine Energieräuber? Was bremst mich aus? Wie komme ich (wieder) in Kontakt zur Quelle?!

  2. “AUCH ich MUSS kreativ bleiben” klingt sehr nach Zwang.
    Kreativ ist der Fotograf, und nicht derjenige, der durch die Ausstellung schlendert.
    Kreativ antörnend sind immer nur die Werkzeuge oder gestellten Aufgaben.
    Hier liegt eine Verwechslung mit Burnout-Abwehr vor.

    • Hallo Karin
      Ein Berufssportler muss fit bleiben – ich muss kreativ bleiben.

      Ich “muss” auch arbeiten, um mir meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Trotzdem arbeite ich gern. “In einem kreativen Beruf arbeiten” bedeutet genausooft hartes Durchbeissen – und genausoviele Glücks- und Erfolgsmomente – wie jeder andere Job.

  3. Danke für deinen Blogpost – er kam gerade zum richtigen Zeitpunkt für mich :-)

    Was mir hilft: Rasen mähen, alleine in den Wald gehen/setzen und …. selten, dann aber besonders gut: längere Autobahnfahrten in Urlaubsländern mit Geschwindigkeitsbegrenzung wie Italien, Südafrika – weites Land, gerade Strecke mit wenig Verkehr als Voraussetzung (und mittlerweile auch mit Tempmat). Und keine Angst, Blick auf die Strasse gerichtet und den Gedanken freien Lauf gelassen

  4. Ich übersetze für mich “Kreativität” immer mit “Schöpferkraft”. Täglich etwas schöpfen/erschaffen zu müssen, ist nicht das Problem, das macht der Bäcker auch.
    Die Hilfsmittel-Erfordernis liegt darin, das Erschaffene täglich erneut einer Bewertung und einem Konkurrenzkampf aussetzen zu müssen.
    Hierin liegt die Verwechslung.
    Das Müssen liegt im Präsentationsdruck.

    Ein Katalysator zeichnet sich dadurch aus, dass er Prozesse bewirkt und dabei in seiner Struktur unverändert bleibt. Dieser Logik zu Folge scheidet alles Genannte aus, selbst Berg und See.
    Bleiben wir bei diesem Bild gibt es nur einen einzigen Katalysator, den jeder kennt, aber mancher verloren zu haben glaubt.

Kommentar schreiben

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

* Pflichtfelder

  • Sponsoren

  • Neueste Artikel

  • Newsletter

    Pflichtfelder
    OK
    Bitte füllen Sie das Feld "E-Mail-Adresse" aus.
    OK
    Bitte geben Sie Ihren Vornamen ein.
    OK
    Bitte geben Sie Ihren Nachnamen ein.