Arbeitsblockaden:
Drei Schritte, um den inneren Schweinehund zu überlisten

«Aller Anfang ist schwer», sagt der Volksmund. Aber diese Erkenntnis hilft einem nicht weiter, wenn der Einstieg in die nächste Aufgabe einfach nicht gelingen will. Hier sind sie: Die drei perfidesten Blockade-Faktoren – und drei einfache, aber entscheidende Schritte, die einem helfen, den inneren Schweinehund auszutricksen.

Wir kennen das: Die ToDo-Liste für den Tag ist gemacht, die ersten Mails sind beantwortet, und jetzt geht’s an die erste grössere Aufgabe. Und eigentlich wäre man ja bereit. Eigentlich…

Aber irgendwie kommt man nicht ins Tun. Man sitzt da, schweift ab, holt sich noch einen Kaffee und schaut nochmals in die Mails. Und schon ist der Elan dahin, und an den guten Ideen, die wir grad eben noch hatten, kommen uns Zweifel. Heftige Emotionen steigen in uns auf: «Wieso schon wieder? Was mache ich falsch? Wieso muss ich mich immer wieder ablenken lassen?»

Indem man die Aufgabe nicht anpackt, macht man sie noch schwieriger. Ein Teufelskreis. Die Ursachen – und was man dagegen tun kann:

Blockade-Faktor: (Selbst-)Zweifel

Man sitzt da, ordnet die Gedanken und will beginnen. Und dann sind sie da, diese «inneren Stimmen», die unseren Start sabotieren. «Das musst Du nochmals überdenken!», «So funktioniert das nie und nimmer!» und «Du solltest darüber noch mit Deinem Kollegen sprechen!».

Je mehr Raum man diesen Stimmen gibt, desto grösser werden die Zweifel, ob es denn wirklich schon der richtige Zeitpunkt ist um anzufangen: «Vielleicht sollte ich zuerst wirklich noch …». Man befürchtet, die falschen Entscheidungen zu treffen und deshalb später mit Widerstand und Sanktionen rechnen zu müssen.

Tipp: Zwinge Dich, loszulegen. Jetzt! Es gibt keinen wirklichen Grund, den Zweifeln nachzugeben: Nicht anzufangen ist in diesem Moment die schlechteste aller Möglichkeiten, um Frustration und Sanktionen zu vermeiden.

Blockade-Faktor: Ablenkung

Nicht nur beim Schreiben wird man abgelenkt. Es gibt unzählige Faktoren, die uns beim Arbeiten ablenken: Aktenstapel auf dem Schreibtisch, unser E-Mail-System, Kollegen im Büro, das Smartphone und vieles mehr. Aber auch in unserem Kopf gibt’s Störungen in Hülle und Fülle: Sorgen, Probleme und andere Gedanken, die mit der Arbeit, mit der wir uns in diesem Moment beschäftigen, überhaupt nichts zu tun haben: «Besprechung mit X verschieben», Zahnschmerzen, die bevorstehenden Sommerferien usw.

Tipp: Den Kopf frei machen und jeden störenden Gedanken, der unsere Konzentration stört, stichwortartig auf einem Blatt Papier festhalten; diese Aufgaben später (!) in die Aufgabenplanung übertragen.

Blockade-Faktor: Perfektionismus

Manchmal stellt einem das Streben nach Qualität schon zu Beginn ein Bein. Man hat das angestrebte, vielleicht übertriebene Ziel vor Augen. Und vor lauter Respekt traut man sich gar nicht zu beginnen. Der erste Schritt, der erste Satz müssen also perfekt sein? Von Anfang an? Und alles muss in einem Wurf gelingen? Blödsinn – überarbeiten und korrigieren kann man (fast) immer.

Selbstverständlich ist es sinnvoll, dass wir beim Arbeiten das Ziel, die Lösung, das Fertige vor Augen haben. Aber es ist überhaupt nicht sinnvoll, von Beginn weg das Endresultat anstreben zu wollen. Im Gegenteil: den Details kann man erst den letzten Schliff geben, wenn man das Ganze vor sich sieht.

Tipp: Zu Beginn ist nur eines wichtig: dass man mit der Arbeit anfängt, und seien die ersten Schritte noch so unvollkommen. Für alles andere, auch die Perfektion (im gesunden Mass), ist später noch Zeit. Grundsatz: anfangen – überarbeiten – abschliessen.

Weniger ist oft mehr

Es gibt unzählige mehr oder weniger gute Bücher, die sich mit Arbeitsblockaden und dem inneren Schweinehund befassen. Jedes von ihnen bietet Dutzende von raffinierten Analysen und ausgefeilten Techniken, um den Ursachen auf die Spur zu kommen und das Problem in den Griff zu bekommen.

Die Erfahrung zeigt aber, dass diese umfassenden Lösungsansätze meist an der Umsetzung scheitern, weil sie im Ansatz zu kompliziert und im Alltag zu aufwändig sind. Ich plädiere deshalb für die bereits erwähnten drei einfachen, praktikablen Schritte. Hier nochmals zusammengefasst:

  • Loslegen – jetzt!
  • Kopf frei halten!
  • Feinschliff später!

 

Bild: Sarah Fleming bei flickr.com (CC BY 2.0)

 

Marcel Widmer

Marcel Widmer begleitet als ausgebildeter Coach und Organisationsberater Fach- und Führungskräfte, Teams sowie Organisationen bei der eigenen Entwicklung. Als Autor bei imgriff.com bloggt Marcel Widmer seit Anfang 2013 praxisnah zu Themen wie Organisation, Zeit- und Selbstmanagement. → mehr …

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Ein Kommentar

  1. Wenn das so einfach wäre! Mein innerer Schweinehund jedenfalls amüsiert sich nur.
    Das ständige Aufschieben ist nicht mit gutem Willen und ein paar Ratschlägen zu beseitigen. Jeder Mensch ist anders, und er muss selbst herausfinden, was bei ihm die Quellen der Prokrastination sind. Das kostet Arbeit (die man vielleicht wieder aufschieben möchte?), aber anders funktioniert es nicht.
    Zwei wirklich gute Bücher:
    * Dr. Piers Steel: Der Zauderberg,Lübbe-Ehrenwirth-Verlag, 2011.
    Völlig idiotisch übersetzter Titel, aber wissenschaftlich fundiertes Buch. Mit einem Fragebogen, mit dem man herausfinden kann, welcher “Aufschiebetyp” man ist. Dann kann man Verhaltensänderungen planen, die wirklich passen.
    * Chip Heath und Dan Heath: Switch. Veränderungen wagen und dadurch gewinnen. Scherz Verlag, 2011.
    Nicht speziell zum Thema Prokrastination, aber gründliche Kritik des (typisch deutsch-spießigen) Konzepts vom “inneren Schweinehund”. Dafür neurobiologisch fundierte Ansätze, wie man sein eigenes Verhalten und das von Gruppen weiterentwickeln kann.
    Eine Kurzrezension findet ihr unter http://teamworkblog.de/20…s-zustande-alle.html.

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  1. [...] Mein neuster Artikel drüben bei imgriff.comMit drei einfachen, aber entscheidenden Schritten den inneren Schweindehund austricksen. [...]

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