Lehren aus 2313 Blogbeiträgen:
Wie ich kreativ bleibe

Wer täglich Artikel schreibt oder anderweitig kreativ tätig ist, muss aktiv Maßnahmen treffen, um einfallsreich zu bleiben. Hier sind einige Beobachtungen aus und Ratschläge nach 2313 Blogbeiträgen.

Vor mehr als sechs Jahren schrieb ich meinen ersten Blogbeitrag. Dieser Text ist Artikel Nummer 2313. Von kurzen Phasen geringerer Aktivität und wenigen Urlaubswochen ausgenommen verging seit März 2007 kein Werktag, an dem ich nicht mindestens einen, zumeist aber zwei Beiträge verfasst habe. Zu Beginn für mein privates Blog, später dann für netzwertig.com. In dieser Zeit habe ich unheimlich viel gelernt. Vor allem, welche Maßnahmen ich ergreifen muss, um einen maximalen kreativen Output zu erreichen. Genau dieser ist essentiell, will man Tag für Tag lesenswerte, interessante, informative und inspirierende Texte publizieren.

Dass einem gelegentlich die Ideen ausgehen, lässt sich freilich nicht vermeiden. Auch hilft eine gewisse analytische Veranlagung wahrscheinlich dabei, dass ich mich stets relativ schnell aus Phasen absoluter Einfallslosigkeit befreien kann. Doch davon abgesehen konnte ich dank meiner Erfahrungen der vergangenen sechs Jahre viel darüber herausfinden, welche Weichen ich stellen muss, um möglichst jederzeit einen effektiven Kreativitätsprozes zu aktivieren. Hier sind einige Empfehlungen und Ratschläge, mit denen sich die grauen Zellen dazu animieren lassen, Ideen für Texte und andere, Kreativität erfordernde Prozesse zu produzieren.

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1. Schlaf
Unzählige Studien attestieren Schlaf eine kreativitätsfördernde Eigenschaft, und aus meiner eigenen Erfahrung kann ich dies nur bestätigen: Häufig lege ich mich abends ins Bett, ohne einen Schimmer davon zu haben, worüber ich am Folgetag schreiben werde. Doch schon kurz nach dem Aufstehen sowie der Sichtung der aktuellen Nachrichtensituation fallen mir Textideen regelrecht in den Schoß – mitunter zu Themen, die mit den aktuellen Ereignissen gar nichts zu tun haben. Derzeit experimentiere ich damit, inwieweit sich dieser Effekt auch mit einem kurzen «Mittagsschlaf» erreichen lässt. Wobei ich hier noch Schwierigkeiten habe, dies in eine regelmäßige Routine zu verwandeln.

2. Meditation
Seit einem halben Jahr meditiere ich einmal täglich (mit dieser App). Zu Anfang jeweils 15 Minuten, mittlerweile 20 bis 30. Ähnlich wie beim Schlafen scheint der Prozess des «Reinigens der Gedanken» die positive Nebenwirkung zu haben, dass er unmittelbar danach den Einfallsreichtum fördert. Obwohl das Ziel der Meditation eigentlich ist, nicht zu viel zu grübeln, geschieht es manchmal bereits während des Vorgangs, dass mir Ideen zu möglichen Texten kommen. Das steht dann zwar einer effektvollen Meditation im Wege, aber hat einen anderen offensichtlichen Vorteil.

3. Sport
Sport, etwa Jogging oder ein Besuch im Fitnessstudio, zwingt mich regelrecht dazu, eine Pause zu machen und meinen Fokus anderen Dingen zu widmen. Nicht selten weiß ich bei der Rückkehr an meinen Schreibtisch genau, welchen Artikel ich als nächstes in Angriff nehmen werde. Im Idealfall habe ich die Hälfte sogar schon gedanklich geschrieben.

4. Ideenliste
Natürlich führe ich eine Liste mit potenziellen Artikelideen. Manche Einträge auf dieser sind schon Monate alt, andere wiederum verweilen dort nur wenige Stunden oder Tage, bevor sie verwirklicht werden. Viele der aufgeführten Stichpunkte verfeinere ich im Laufe der Zeit oder ergänze sie um zusätzliche Aspekte. Nach und nach «wachsen» die Ideen, bis sie reif für die «Ernte» sind.

5. Duschen
Es existieren verschiedene Untersuchungen zu den positiven Auswirkungen des Duschens auf den Kreativitätsprozess. Einige Erkärungsversuche gibt es hier. Mir kamen schon so viele gute Einfälle während des Duschens, dass ich dies für mich tatsächlich als eines der besten Verfahren ausgemacht habe, um erleuchtende Gedanken und Geistesblitze zu produzieren.

6. Tapetenwechsel
Ein Grund, warum ich das digitale Nomadentum schätze, ist der damit verbundene Umgebungs- und Tapetenwechsel. Wer sich für einige Zeit in einer fremden Stadt oder einem fernen Land befindet, profitiert zwangsläufig von neuen, den eigenen Horizont erweiternden Erlebnissen.

7. Sich mit neuen Menschen umgeben
Auch der Austausch mit neuen Menschen wirkt sich positiv auf die Kreativität aus, denn die damit verbundenen frischen Sichtweisen beeinflussen das eigene Empfinden und Denken. Wer das digitale Nomadentum fröhnt, der bekommt dies praktischerweise «frei Haus». Alle fest an einem Ort verwurzelten Kreativen, die an neuen Perspektiven interessiert sind, müssen aktiv ihre «Comfort Zone» verlassen und aus ihrem gewohnten Umfeld temporär ausbrechen.

8. Routinen vermeiden
Meiner Ansicht nach gibt es gute Routinen und schlechte Routinen. Die guten wirken sich unmittelbar produktivitätssteigernd aus – etwa das frühzeitige Aufstehen, die morgendliche Laufrunde oder der regelmäßige «Power Nap» zu einem vorgegebenen Zeitpunkt. Wenn der Alltag jedoch ausschließlich aus Routinen und Gewohnheiten besteht, dann sehe ich die Gefahr des «Einrostens» mit daraus folgenden Einschränkungen der Kreativität. Deshalb zwinge ich mich immer wieder zu kleineren Veränderungen der Abläufe. Dabei kann es schon ausreichen, zum Mittagessen einmal ganz woanders hinzugehen als üblich, oder einmal mit dem virtuellen Büro einige Stunden in ein Café am anderen Ende der Stadt zu «ziehen».

9. Auszeiten
Manchmal ist eine Auszeit erforderlich, um das große Ganze nicht aus dem Blick zu verlieren und das Unbewusste seine Arbeit verrichten zu lassen. Einige Tage Urlaub wirken sich für mich unglaublich positiv auf die Kreativität aus. Üblicherweise sammeln sich in dieser Zeit zahlreiche Ideen auf meiner Artikelliste an, deren Umsetzung ich dann kaum abwarten kann.

Habt ihr ergänzende Tipps, wie ihr eure Kreativität stimuliert? /mw

 

Und so bleibt meine imgriff-Kollegin Sabine Gysi kreativ. 

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei netzwertig.com

Foto: stock.xchng/ynsle

 

Martin Weigert

Martin Weigert ist der leitende Redakteur von netzwertig.com.

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3 Kommentare

  1. danke für die persönlichen einblicke.
    2313! glückwunsch!
    da bin noch einige jahre von entfernt ;-)

  2. Wow, das nenne ich wirklich mal produktiv! Und ich gehe davon aus, dass auch qualitativ dabei viel heraus gekommen ist. :)

    Es geht ja das Gerücht bei Autoren herum, dass man ca. alle 100.000 Worte einen Entwicklungssprung macht. Und auch, wenn es nicht so sprunghaft geschehen wird, ist doch so ein Rückblick auf die Historie seiner eigenen Schreibe Gold wert…

    Für die meisten von uns wahrscheinlich ebenso interessant: Was hast du früher gemacht, das du jetzt nicht mehr tust?

    Übrigens noch eine Alternative für die Meditations-Uhr: http://goo.gl/UtBpF
    Viel Spaß und weiter so!

    Gruß,
    Michael

  3. Hallo Martin,

    klasse Artikel! Vielen Dank für Deine Offenheit. Ich kann allen Anregungen nur zustimmen.

    Lustig finde ich das Duschen. Das habe ich bisher (noch) nicht bewusst für Kreativität eingesetzt ;-)

    Ich ergänze:

    * Jonglieren. Es verbindet rechte und linke Hirnhälfte miteinander.

    * Musizieren. Ich spiele Geige und das wirkt Wunder!

    * Musik hören funktioniert auch. Ich bevorzuge: Klassik, Romantik, Barock, Jazz, Son (traditionelle Form der Salsa), Film-Soundtracks und Naturklänge. Aktuell habe ich Vogelkonzert direkt vor meinem Fenster. Immer wieder gern: Meeresrauschen :-)

    * Ausgedehnte Spaziergänge und Wandern (allein oder als Walk to Talk zu zweit, zu dritt bzw. in der Gruppe)

    Viele Grüße,
    Franziska

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