Das Traumbüro für Arbeitsverweigerer I/II:
Wie man das Chaos vorprogrammiert

Seit Marissa Mayers Anti-Home-Office-Offensive wird heftig darüber diskutiert, ob man besser zu Hause oder im Büro arbeitet. Dabei haben wir einen Aspekt bisher sträflich vernachlässigt: Auch die Einrichtung des Arbeitsplatzes spielt eine wichtige Rolle für die Organisation. Gesetzt den Fall, die Yahoo-Mitarbeiter wären zu Hause wirklich untätig gewesen – sie hätten garantiert die folgenden Tipps beherzigt.

Studien zufolge macht ein Großteil der Mitarbeiter in Unternehmen nur noch Dienst nach Vorschrift. Unproduktivität nach Plan also auch im Home Office? Dem findigen Prokrastinierer bieten sich da allerlei Möglichkeiten.

Vielleicht kennst Du den alten Spruch: Wer seine Buchhaltung im Griff hat, hat auch seine Firma im Griff! Diese Aussage lässt sich umkehren: Wer im Job garantiert nichts gebacken kriegten möchte, sollte schön dafür sorgen, dass er den Überblick über Termine, Adressen, Kunden, Projekte, die Finanzen und die Buchhaltung verliert. Dann hat er auch immer gleich die passende Ausrede parat, warum er immer noch nicht fertig ist mit dem Auftrag.

Nur keine Routine!

Wer jede Menge Zeit verschwenden will, verzichtet auf die Routine eines ewig gleich aussehenden Arbeitsplatzes. Abwechslung ist angesagt! Idealerweise sollte man die Aktenordner jeden Tag an anderer Stelle platzieren. Es fehlt schließlich die Herausforderung beim täglichen Einerlei, wenn man nicht ständig nach wichtigen Papieren suchen muss.

Es soll ja diese Langweiler geben, die sich einen Rückzugsraum für ihre wichtigen Finanzangelegenheiten schaffen; Verwaltungszentrale nennen sie das, und von hier aus regeln sie dann ihre Steuer- und Finanzangelegenheiten. Aber mal ehrlich: Das ist doch sowas von Eighties! Wer wirklich cool ist, macht das bisschen Bürokram in unserer mobilen Arbeitswelt schnell mal nebenbei unterwegs. Und wenn das Finanzamt dann doch mal Ärger macht, weil Du vergessen hast, Deine Steuern zu bezahlen oder Ähnliches? Pfeif drauf, no Risk no Fun!

Wer braucht schon ein Privatleben?

Ein Kennzeichen der heutigen Arbeitswelt ist, dass Beruf und Privatleben immer mehr miteinander verschmelzen. Dem Chaos-Arbeiter, sofern er zu Hause arbeitet, kommt das bei der Einrichtung seines Arbeitsplatzes entgegen: Mit Begeisterung breitet er sein Büro sukzessive über die ganze Wohnung aus. Damit hebt er auch räumlich die Trennung zwischen Beruf und Privatleben auf.

Ruhezeiten, Rückzugsräume, Stress, Burnout-Gefahr kann man getrost ignorieren. Eine deutliche Abgrenzung zwischen der Arbeitsecke im Wohnzimmer und dem Fernsehsofa ist weder möglich noch sinnvoll. Der moderne Mensch arbeitet ohnehin rund um die Uhr, am besten noch mit dem Notizblock unterm Kopfkissen. Der Computer kann ruhig auch rund um die Uhr laufen, man könnte ja jederzeit Lust verspüren, weiterzuarbeiten. Das Ziel dieser Arbeitsform ist ganz eindeutig die Burn-Out-Klinik – und dieses Ziel erreicht man schneller als gedacht.

Perfektes Chaos dank multiplen Arbeitsplätzen

Wer seine dürftige Produktivität noch perfektionieren will, arbeitet an verschiedenen Orten und Endgeräten. Nicht etwa weil diese Arbeitsweise per se unproduktiv wäre: Cloud-Computing, Netzwerke und mobile Festplatten erschweren es, gute Ausreden zu finden, wenn man wichtige Daten schon wieder nicht dabei oder verloren hat. Zudem lassen sich auch unterschiedliche Arbeitsplätze, etwa zu Hause und im Büro, fast identisch einrichten, die richtige technische Ausrüstung vorausgesetzt. Aber, Hand aufs Herz: Gerade wenn man mehrere Orte und mehrere Geräte gleichzeitig nutzt, ist die Chance, dass Chaos entsteht, besonders groß. Und genau das freut das Herz des Ineffektiven.

Im zweiten Teil des Beitrags zeige ich Euch konkret, wie Ihr einen Arbeitsplatz optimal unproduktiv einrichtet.

 

Bild: See-ming Lee bei flickr.com (CC BY 2.0)

 

Simone Janson

Simone Janson ist Kolumnistin für DIE WELT und betreibt mit über 100 Fachleuten das Blog http://berufebilder.de, laut ZEIT ONLINE eines der meistgelesenen Blogs für Beruf, Bildung und Karriere in Deutschland. Sie ist Kooperationspartner des F.A.Z.-Instituts, Beraterin und Referentin für Agenturen und Unternehmen wie die Deutsche Bahn, die Bundeswehr, Ärzteverbände oder diverse Hochschulen.

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3 Kommentare

  1. Also ich benutze selten mehrere Orte ind mehrere Geräte gleichzeitig… ;-) Aber im Rahmen meiner Routinen achte ich auf meine Unabhängigkeit hinsichtlich Ort und Gerät. Eine meiner Routinen ist das morgendliche Scannen von Feeds, Twitter etc. Das erledige ich gerne bequem am Frühstückstisch mit dem iPad (so wie jetzt). Dazu sind Gerät und Ort (für mich) bestens geeignet. Für eine halbe Stunde Produktivität hinsichtlich Informationssammlung und -gewinnung ist das eine meiner Routinen. Die Verarbeitung dieser Informationen für eine Aufgabe wie beispielsweise das Schreiben eines Artikels findet dann in einer anderen Routine in einem anderen Kontext statt. Das ist für mich effizient, kann aber auch manchmal ineffektiv sein :-)

    • Danke, für den spannenden Einblick in deinen Workflow. Genau das scheint ja für viele der originäre Zweck eines iPads zu sein. Ich mache das bislang mit dem Smartphone…;)

  2. Ich benutze das iPad innerhalb gewisser Grenzen auch zum Schreiben. Solange es um das Texten selbst geht (ich also wenig bis gar nicht multitaske) nehme ich gerne das iPad, um mich wirklich aufs Schreiben zu konzentrieren. Keine Ablenkung, nur Schreiben.

    Je mehr Multitasking beziehungsweise je umfangreicher ein Programm ist (z.B. Grafik, Excel) desto eher arbeite ich dann am Macbook oder am PC. Allerdings sitze ich manchmal auch ganz gezielt mit dem iPad am Schreibtisch im Büro, um mich in den Arbeitsmodus zu setzen…

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