Cloze:
Nachrichten von wichtigen Personen priorisieren

Nachdem wir letzte Woche mit Mailstrom eine Sortierhilfe für die Inbox vorgestellt haben, ist heute Cloze an der Reihe: Cloze verwendet einen Algorithmus, um E-Mails und Interaktionen auf Social Networks zu analysieren und in einem intelligenten Feed darzustellen. Was die App alles ermittelt, ist faszinierend – und erschreckend zugleich.

Aktuell gibt’s einen regelrechten Hype um Apps und Tools, die bei der Bewältigung der Mailflut behilflich sein wollen. Bekanntestes Beispiel ist die Mailbox-App, welche diese Woche für 50-100 Millionen Dollar (je nach Quelle) von Dropbox gekauft wurde. Cloze geht noch einen Schritt weiter: Das Tool integriert zusätzlich die Feeds von Facebook, Twitter sowie LinkedIn und will dem User die Kontrolle über die verschiedenen News-Quellen zurückgeben.

Der Cloze Score

Nach dem Login kann man mehrere Mail-Accounts hinzufügen und Cloze den Zugriff auf Facebook, Twitter und LinkedIn erlauben. Bei mir wurden 21’785 Nachrichten (seit 2009) indexiert und analysiert, 5’201 Kontakte importiert und 72 «Key People» identifiziert.

Die Wichtigkeit eines Kontakts berechnet Cloze aufgrund von sechs Kategorien, die einen Score ergeben:

  • Dormancy: Wie lange ist es her seit dem letzten Kontakt?
  • Frequency: Wie häufig kommuniziert man mit diesem Kontakt?
  • Reponsiveness: Wie schnell reagiert man gegenseitig auf Nachrichten?
  • Privacy: Wie oft schreibt man sich Nachrichten, ohne weitere Personen auf den Verteiler zu nehmen?
  • Freshness: Wie häufig werden neue Themen in Nachrichten aufgegriffen?
  • Balance: Wie ausgeglichen ist die Beziehung bezogen auf die Anzahl Nachrichten?

Das Profil des Kontakts umfasst den jeweiligen Score, dessen Entwicklung über die Monate, die Tendenz pro Kategorie, die History aller Nachrichten, sowie eine Liste von «Related People». Dies alleine ist schon ziemlich beeindruckend, wenn man sich überlegt, wie viele Daten und Informationen eigentlich verfügbar sind.

Intelligente Inbox

Basierend auf dem Score wird dann auch die Inbox dargestellt: Man kann sich entweder nur die Nachrichten der Key People oder von jedermann anzeigen lassen sowie wählen, welche Quellen verwendet werden sollen. Bei den Key People lassen sich auch die Nachrichten aus Facebook, Twitter und LinkedIn einblenden, während bei allen anderen nur die E-Mails angezeigt werden. Für jeden Kontakt kann auch ein angestrebter Score definiert werden, und Cloze priorisiert dann diese Nachrichten entsprechend.

Alle Nachrichten lassen sich direkt in Cloze bearbeiten. E-Mails können beantwortet und weitergeleitet werden, während Nachrichten aus Social Networks geliked und kommentiert werden können. In Cloze bearbeitete Nachrichten werden dank IMAP auch im Mailprogramm als gelesen bzw. gelöscht markiert.

Apps für iPhone und iPad

Cloze wartet auch mit einer App für iPhone und iPad auf. Interessanterweise verfügen diese über eine komplett andere Usability als die Web-Applikation. Sie ist zwar durchaus gelungen, aber es ist dennoch verwirrend. So gibt es beispielsweise eine spezielle Ansicht für «Bulk Mails» (Newsletter etc.), oder in «Losing Touch» werden Nachrichten von Kontakten angezeigt, mit denen man schon länger nicht mehr interagiert hat.

Es können auch individuelle Listen angelegt und Kontakte hinzugefügt werden. Praktisch ist die Möglichkeit, mittels Lesezeichen eine Nachricht für die spätere Bearbeitung zu markieren, die dann aus dem Feed ausgeblendet und erst zum definierten Zeitpunkt wieder aufgeführt wird. Leider wirkt die iPhone-App wie eine zusammengestauchte iPad-App und die Bedienung ist ein ziemliches Gefummel.

Meine persönliche Erfahrung

Wie eingangs erwähnt finde ich es spannend, was sich aus den zigtausend Nachrichten herauslesen lässt. Allerdings bleibt bei mir ein ungutes Gefühl, ob ich durch dieses «intelligente» System auch wirklich keine wichtigen E-Mails verpasse. Vielleicht hat ja Cloze aus irgendeinem Grund das Gefühl, dass eine spontane Offertanfrage eines potentiellen Neukunden für mich irrelevant wäre, weil ich mit ihm noch nie vorher interagiert habe?

Weiter musste ich feststellen, dass in der Web-App zwei E-Mails einfach unauffindbar sind, die ich aber in der Inbox meines normalen Mailprogramms habe und die auch in der iPad-App von Cloze angezeigt werden. Hinzu kommt, dass die Nachrichten nicht realtime synchronisiert werden und ich trotzdem zur Sicherheit immer wieder einen Blick in mein Mailprogramm werfe.

Ich werde Cloze weiter nutzen, aber wohl eher für die verschiedenen Social Networks als für E-Mails. Wie schon bei Mailstrom stellt sich abschliessend auch bei Cloze die Frage, wie vertrauenswürdig der Anbieter ist und ob man ihm wirklich Zugriff auf seine Mail-Accounts geben sollte.

 

Bilder: cloze.com

 

Patrick Mollet

Unternehmer, Publizist, Liberaler, Squasher, EVZ-Fan.

 

Aktuell unterstützt er mit seinem Startup Eqipia Arbeitgeber dabei, dank den Netzwerken ihrer Mitarbeiter besser und einfacher zu rekrutieren.

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2 Kommentare

  1. Werde den Dienst mal ausprobieren, finde ihn prinzipiell interessant. Ich frage mich aber, ob beispielsweise ein Selbstständiger den Dienst überhaupt nutzen darf? Immerhin überträgt man geschäftliche Korrespondenz auf US-Server eines Drittanbieters…ich habe zwar die Gesetze nicht im Kopf, aber bin mir recht sicher das dies bestenfalls eine Grauzone ist. In Österreich und der Schweiz sollte es nicht anders aussehen.

    • Danke für den Input! Als Nicht-Jurist kann ich dies nicht beurteilen, ist aber sicher eine Überlegung wert. Wenn man dies zu Ende denkt, dürfte aber auch kein geschäftliches Dokument in der Dropbox abgelegt und kein geschäftliches Mail via Gmail versendet werden etc. pp.

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