Wie man eine schräge Idee mit guter Planung umsetzt:
7 Tipps für eine strukturierte Existenzgründung

Es gibt viele originelle Ideen mit echtem Potential, die im Sande verlaufen. Oft sind fehlendes Durchhaltevermögen und ein Mangel an Struktur und Planung der Grund. Ein Gründer erzählt, wie er seine anfangs ziemlich verrückte Idee Schritt für Schritt umsetzte – und gibt praktische Tipps zum strukturierten Vorgehen.

Berlin ist, so scheint mir manchmal, die Stadt der 1.000 Ideen, eine verrückter als die andere. Leute, die Großes vorhaben, trifft man an jeder Straßenecke. Indes scheitert es häufig an der Umsetzung: Nachdem stundenlang über eine Idee geredet wurde und man sie sich in den glühendsten Farben ausgemalt hat, stellt irgendjemand die Gretchenfrage: «Und wie sieht es mit der Finanzierung aus?» Dann herrscht auf einmal Schweigen, Schulterzucken – und die gute Idee verläuft häufig im Sand.

Das bezieht sich nicht zwingend nur auf Existenzgründungen. Die aber sind ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig strukturierte Umsetzung ist, wenn man eine gute Idee hat. Wahrscheinlich gefällt mir deshalb die Geschichte von Martin Klug, den ich im vergangenen Jahr auf der ITB traf, so gut. Denn Martin war ein recht erfolgreicher Unternehmensberater, bevor er beschloss, das Abarbeiten von blutleeren Projekten gegen etwas einzutauschen, hinter dem er wirklich steht.

Während eines MBA-Studiengangs im niederländischen Utrecht traf er in einer Kneipe seinen späteren Kompagnon, den Neuseeländer Andrew Morten. Und die beiden entwickelten die Idee, mit ihrem Unternehmen TravelEssence Individualreisen nach Neuseeland und Australien zu vermarkten. Dass daraus ein erfolgreiches Unternehmen wurde, ist vor allem dem strukturierten Vorgehen und dem Umsetzungswillen zu verdanken, mit dem die beiden vorgingen.

Martin hat mir die grundlegenden Tipps genannt, die er Gründern und anderen Ideen-Umsetzern auf den Weg geben möchte.

  • Mut, etwas Neues zu wagen. Die Grundidee erschien zunächst total verrückt: Die beiden fokussierten gezielt kleine Unterkünfte, die wegen der geringeren Kapazitäten mit einem ungleich größeren Aufwand zu vermarkten sind. Dabei wollten sie aus ökologischen Gründen aber auf Wohnmobilreisen verzichten, obwohl die Niederlande ein klassischer Markt für Wohnmobilreisen sind und die Kunden genau das erwarten würden. Und Martin war bis zu diesem Zeitpunkt weder jemals in Australien noch in Neuseeland gewesen. Komplettes Neuland also, und dennoch wurde aus der Kneipen-Idee ein erfolgreiches Unternehmen, gerade weil die beiden sich trauten, komplett neue Wege zu gehen.
  • Sich auf das Wesentliche konzentrieren. Das Risiko, sich an TravelEssence zu beteiligen, war potentiellen Investoren zur groß. Sie wünschten «viel Glück, Jungs» und winkten ab. Da überlegten sich die beiden, was sie wirklich brauchten, und legten mit 15.000 Euro aus ihrem Ersparten los. Martin ist der Ansicht, dass man sich als Gründer nicht noch unnötig Steine in den Weg legen muss: «Viele Gründer denken, sie müssten erst die Finanzierung klären», meint er. «Doch die hat man als Gründer oft gar nicht in der Hand. Statt sich also in seinen Entscheidungen derart von anderen abhängig zu machen, sollte man sich lieber auf die eigentliche Gründung konzentrieren und darauf, wie man seine Idee umsetzt.»
  • Einfach statt kompliziert. «Vieles konnten wir selbst machen und mussten nicht teuer investieren», sagt Martin. Auch ihre Marktforschung nahmen sie selbst in die Hand, indem sie Besucher auf Tourismus-Messen nach ihren Wünschen und Anforderungen an eine Reise befragten. «Die Ergebnisse haben uns bestätigt, weiterzumachen», erzählte mir Martin. «Es muss eben nicht immer die teure Studie sein, gerade Marktforschung kann man oft auch sehr gut selbst machen.»
  • Dranbleiben. Die Niederlande sind ein klassischer Markt für Wohnmobilreisen. Die potentiellen Kunden wollten daher erst gar nicht verstehen, dass das Unternehmen genau die nicht im Angebot hatte. «Immer wieder wurden wir danach gefragt.» Irgendwann überlegten die beiden ernsthaft, ihre Haltung aufzugeben, machten dann aber doch weiter: «Man kann nur das verkaufen, wovon man auch wirklich überzeugt ist», findet Martin, gibt aber zu: «Dazu gehört natürlich auch eine Portion Blauäugigkeit, denn natürlich glaubten wir an den schnellen Erfolg – MBA-Studenten eben.»
  • Mit Plan vorgehen. Die beiden Gründer haben sich aber auch monatelang Gedanken um ihren Businessplan gemacht. Sie fragten sich etwa, warum kleine Unterkünfte bislang kaum vermarktet wurden und stellten fest, dass den Veranstaltern offenbar die passende Software dafür fehlte. Daher wollten sie ursprünglich die Buchungssoftware zur systematischen Erfassung kleiner Hotels schreiben. Doch bei den Recherchen für ihren Businessplan stellten sie fest: Die gibt es trotzdem schon – und so wurden sie kurzerhand Reiseveranstalter. «Ein Businessplan ist weniger wichtig für die Banken als für einen selbst», sagt Martin. «Wichtig ist, dass man alles aufschreibt, den ganzen Gründungs-Prozess im Geist durchläuft und sich dann überlegt: «Wo will ich hin, was will ich erreichen – und was muss ich dafür tun?»
  • Realitätssinn. Auch gesunder Realitätssinn ist für eine erfolgreiche Umsetzung wichtig. Den gewinnt man, indem man rechtzeitig Feedback einholt «und zwar nicht nur von Freunden und Familie», wie Martin sagt. «Denn die sind entweder zu wohlwollend oder über-kritisch, aber nicht neutral.» Er empfiehlt, auch Leuten von der Idee zu erzählen, die man kaum kennt.
  • Keine Angst vor dem Ideen-Klau. «Eine Idee kann man gar nicht klauen, die kann jeder haben» sagt Martin. Vielmehr kommt es darauf an, wer eine Idee am Ende auch umsetzt. Auch Firmen sind weniger an den Ideen als an der Umsetzung interessiert. Denn darin besteht die wirkliche Herausforderung: «Für eine Idee allein gibt einem kein Investor Geld. Denn Investoren wollen sehen, was ich aus der Idee mach – daher ist ein Businessplan sinnvoll. Die reine Idee ist hingegen nichts wert. Und wer aus Angst vor dem Ideenklau seine Idee zurückhält, kommt häufig gar nicht erst in den Gründungs-Flow.»

 

Bild: www.travelessence.de

 

Simone Janson

Simone Janson ist Kolumnistin für DIE WELT und betreibt mit über 100 Fachleuten das Blog http://berufebilder.de, laut ZEIT ONLINE eines der meistgelesenen Blogs für Beruf, Bildung und Karriere in Deutschland. Sie ist Kooperationspartner des F.A.Z.-Instituts, Beraterin und Referentin für Agenturen und Unternehmen wie die Deutsche Bahn, die Bundeswehr, Ärzteverbände oder diverse Hochschulen.

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