Yahoo-CEO Marissa Mayer verbannt das Home Office I/II:
Trendwende oder Rückschritt?

Der Wandel der Arbeitswelt scheint unaufhaltsam – hin zu mehr Flexibilität, Eigenständigkeit und Kollaboration auch über längere Distanzen hinweg. Doch nun verkündet ausgerechnet die jüngste Frau, die jemals die Leitung eine Fortune-500-Unternehmens übernahm, dass die Home-Worker ins Unternehmen zurückkehren sollen. Eine Trendwende?

Was haben wir bei imgriff.com nicht alles über den Wandel in der Arbeitswelt, neue Arbeitsformen und die Art, sich digital neu zu organisieren, geschrieben! Über den IBM-Manager, der im Home Office auf Gran Canaria arbeitet. Über Gunter Duecks Thesen vom digitalen Wandel der Berufe. Über Studien, laut denen jedem Mitarbeiter in ein paar Jahren nur noch ein Teil eines Schreibtischs zur Verfügung steht und das klassische Büro zum Auslauf-Modell wird. Und über die Möglichkeiten, sich dank Internet kollaborativ zu organisieren.

Wieder «Seite an Seite arbeiten»

Und nun dies: Wie Kara Swisher auf allthingsd.com meldete, verkündete Yahoo-CEO Marissa Mayer in einem internen Memo, dass die Yahoo-Mitarbeiter zukünftig wieder Seite an Seite im Unternehmen arbeiten sollen und nicht mehr in ihren Home Offices. Ihre Begründung: Mehr Produktivität. So steht in dem Memo:

«To become the absolute best place to work, communication and collaboration will be important, so we need to be working side-by-side. That is why it is critical that we are all present in our offices. Some of the best decisions and insights come from hallway and cafeteria discussions, meeting new people, and impromptu team meetings. Speed and quality are often sacrificed when we work from home. We need to be one Yahoo!, and that starts with physically being together.»

Lisa Belkin kritisierte diesen Schritt in der Huffington Post scharf – weil Marissa Mayer als erste junge Frau, noch dazu schwanger, vergangenen Sommer die Leitung eines namhaften Unternehmens wie Yahoo übernommen hat und in dieser Rolle nun Vorbildcharakter habe: Als junge Firmenchefin ebenso wie als Mutter, die Kind und Karriere vereint. Statt Yahoo zum Modellunternehmen für familienfreundliches Arbeiten zu machen und damit die Vorteile des digitalen Arbeitens zu nutzen, würde Mayer genau das Gegenteil tun, klagt Belkin.

Nun ist es nicht Mayers Aufgabe, einem Rollenvorbild zu genügen, sondern das Unternehmen, das ihr anvertraut wurde, zu führen: Und diesen Job scheint sie gut zu machen. Diese Abkehr vom Home Office wird sie sich gut überlegt haben: Denn kollaboratives Arbeiten mag viele Vorteile haben, doch das persönliche Gespräch ist auch meines Erachtens nicht zu ersetzen – auch darüber haben wir bei imgriff.com schon ausgiebig diskutiert.

«So kann ich nicht arbeiten»

Die Gefahr der Vereinsamung und des Sich-Abschneidens von wichtigen Informationen ist groß. Genau das nennt Mayer indirekt als einen der Gründe für ihren Aufruf. In eine ähnliche Richtung weist der Zuspruch, den vielerorts Coworking und «Coffee-House-Working» von Freiberuflern erhalten, denen zu Hause die Decke auf den Kopf fällt. Dazu passt das Statement von Julia Seeliger, ehemalige TAZ-Redakteurin und Exmitglied der Grünen, die anlässlich ihrer Jobsuche bekennt, wie gerne sie wieder Kollegen an der Kaffeemaschine treffen möchte.

Die Frage bleibt: Was hat Marissa Mayer zu ihrem Schritt bewogen? Genau das werde ich im zweiten Teil meines Beitrags diskutieren, indem ich die Hintergründe und Motive, die hinter so einem Schritt stecken können, anhand von Pro- & Contra-Argumenten analysiere.

 

Bild: Drew Avery bei flickr.com (CC BY 2.0)

 

Simone Janson

Simone Janson ist Kolumnistin für DIE WELT und betreibt mit über 100 Fachleuten das Blog http://berufebilder.de, laut ZEIT ONLINE eines der meistgelesenen Blogs für Beruf, Bildung und Karriere in Deutschland. Sie ist Kooperationspartner des F.A.Z.-Instituts, Beraterin und Referentin für Agenturen und Unternehmen wie die Deutsche Bahn, die Bundeswehr, Ärzteverbände oder diverse Hochschulen.

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3 Kommentare

  1. In meinen Augen ist diese Maßnahme in diesem Maße für übertrieben. Ich würde da eher zu einem Mix tendieren. Meinetwegen zwei verpflichtende allgemeine Präsenstage und ansonsten sollen die Leute da arbeiten wo sie meinen es am effizientesten zu können. Vielleicht sollte sich die Dame, anstatt das Home-Office zu verbieten, auch mal darüber Gedanken machen wieso so viele Leute bei Yahoo! nicht in der Firma arbeiten wollen und wie man das mit positiver Motivation ändern kann. Bei Google z.B. gibt es so viele verschiedene Arbeitsumgebungen die äußerst attraktiv gestaltet sind, dass da der absolut überwiegende Teil an Mitarbeitern immer ein Plätzchen findet wo sie gerne arbeiten.

    Ich bin auf jeden Fall dann mal auf den zweiten Teil des Artikel gespannt.

  2. In anderen Artikeln wurde spekuliert, dass man darüber auch Arbeitsplätze abbauen möchte. Wer weiter zuhause arbeiten möchte, kündigt dann.

  3. Hallo zusammen, im zweiten Teil, der nun Donnerstag erscheinen soll, habe ich ausführlich sieben Pro-& sieben Contra-Argumente für bzw. gegen dieses vorgehen aufgelistet. Auch im Vergleich zu Google habe ich ein paar interessante Sachen gefunden.
    @Ben: Unabhänging von Marisa Mayer gefällt mir die Idee mit den 2 Präsenztagen
    @Adrian: Die Begründung mit dem Arbeitsplatzabbau habe ich auch aufgegriffen.
    Vertagen wir die Diskussion einfach auf Donnerstag.

2 Pingbacks

  1. [...] Mayer zog vor einigen Wochen die Notbremse und beorderte die Yahoo-Mitarbeiter vom Homeoffice zurück in die Büros. Trotz Laptop, Smartphone und ständiger Erreichbarkeit sieht sie die Zukunft in enger [...]

  2. [...] und Studien stellen nun das Home Office in Frage. Ist diese angestoßene Diskussion nun Trendwende oder Rückschritt? Wie immer gibt es wohl keine eindeutige Lösung. Scheinbar hatten sich einige Yahoo Mitarbeiter [...]

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