Viel getan und nichts geschafft:
Die Probleme der anderen
sind meine Klammeraffen

Je stärker wir uns verantwortlich fühlen, desto mehr Probleme von anderen halsen wir uns auf. Schluss damit! Ein Ratgeber zeigt konkrete Regeln, mit denen wir uns die «Klammeraffen» konsequent vom Leib halten können.

«Gehören Sie zu denen, die manchmal vor lauter Problemen, die andere geschaffen haben, nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht?» fragen die Autoren zu Beginn des Ratgebers  «Der Minuten-Manager und der Klammer-Affe» (Affiliate-Link). Und liefern praxisnah die Anleitung, wie man erfolgreich verhindert, dass einem die Affen (=Aufgaben) der Mitarbeitenden auf den Rücken springen und gleichzeitig die eigenen Aufgaben zu kurz kommen.

Die Probleme der anderen zulasten meiner eigenen

Wer Mitarbeitende führt (oder ein Projekt leitet), kennt das bestens: Man begegnet sich im Korridor, im Lift oder in der Kantine. «Gut, dass wir uns treffen. Ich habe da ein Problem, bei dem Du mir helfen solltest …». Oder der Mitarbeiter platzt ins Büro: «Hast Du ein paar Minuten Zeit?»

Selbstverständlich möchte man wissen, womit sich die Mitarbeitenden gerade beschäftigten. Man hört zu und geht auf die Sache ein – schliesslich ist Problemlösung ein wesentlicher Teil des (Führungs-)Jobs. Und wenn man das nächste Mal auf die Uhr schaut, sind dreissig Minuten vorbei, bis zum nächsten Termin bleiben nur noch wenige Minuten. Also sagt man: «Ich denke darüber nach und komme wieder auf Dich zu!»

Und schon ist der Affe (das Symbol für die Aufgabe bzw. den nächsten Schritt) auf den eigenen Rücken gesprungen und klammert sich dort fest.

Die Affen springen Tag für Tag – mit fatalen Folgen

Damit übernimmt man zwei Dinge, die der Mitarbeiter selber übernehmen müsste: Zum einen nimmt man ihm die Verantwortung für das Problem ab, und zum anderen verpflichtet man sich selbst zu einer Rückmeldung (oder noch schlimmer: zur Präsentation der Lösung). Und das Tag für Tag, Woche für Woche.

Die Folgen sind fatal:

  • Durch die intensive «Pflege» fremder Affen verkümmern die eigenen Affen. (Es sei denn, ich sorgte dafür, dass meine Affen auf den Rücken meines Chefs springen. Besser nicht – am Ende macht jeder einen Job, nur nicht seinen eigenen.)
  • Also schaltet man einen Gang hoch: beginnt am Morgen früher, arbeitet am Abend länger und/oder fährt am Wochenende ins Büro.
  • Die Mitarbeitenden werden frustriert und träge, weil man ihnen die Verantwortung abnimmt und ihnen nur das Umsetzen überlässt.

Sich nicht zu viel aufhalsen: vier einfache Regeln

Kenneth Blanchard, William Oncken Jr. und Hal Burrows liefern in dem Büchlein Regeln, mit denen man verhindert, dass die Klammer-Affen vom Falschen auf dem Rücken mitgetragen werden.

Diese vier Regeln sorgen dafür, dass für alle Beteiligten Klarheit herrscht und die Affen dort sitzen, wo sie hingehören:

  1. Definition des Affen: Das Gespräch darf nicht beendet werden, bevor die sinnvollen nächsten Schritte definiert sind.
  2. Zuordnung des Affen: Der Affe muss vom Mitarbeitenden auf der untersten Ebene gepflegt (=bearbeitet) werden, auf der sein Wohlergehen gesichert ist.
  3. Absicherung des Affen: Jeder nächste Schritt kann nur durch einen von zwei möglichen Aktionen erfolgen: «vorschlagen, dann handeln» oder »handeln, dann informieren».
  4. Kontrolle des Affen: Die sorgfältige Überwachung sorgt für die Gesundheit des Affen. Jeder Affe hat einen Termin ür den nächsten «Gesundheitscheck».

Empfehlung

Ich empfehle dieses kleine, auch in der deutschen Übersetzung sehr humorvoll geschriebene Büchlein allen, die Mitarbeitende führen, in Projekten arbeiten oder tendenziell sich zu schnell «einen Affen anhängen lassen». Selbst Eltern ist es ein guter Ratgeber, wenn es darum geht, ihre Kinder bei der Übernahme von Verantwortung zu unterstützen.

Ich selbst verschenke das Buch sehr gerne an meine Coaching-Kunden. «Genau, so geht es mir auch!», sagen viele von ihnen, wenn ich vom Teamleiter im Korridor erzähle, der immer wieder die Affen seiner Mitarbeitenden auf dem Rücken in sein Büro mitträgt.

 

Bild: suneko bei flickr.com (CC BY-SA 2.0)

 

Marcel Widmer

Marcel Widmer begleitet als ausgebildeter Coach und Organisationsberater Fach- und Führungskräfte, Teams sowie Organisationen bei der eigenen Entwicklung. Als Autor bei imgriff.com bloggt Marcel Widmer seit Anfang 2013 praxisnah zu Themen wie Organisation, Zeit- und Selbstmanagement. → mehr …

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6 Kommentare

  1. Schön und gut so weit. Was aber, wenn der Leitende/Chef der Affe ist und nicht der Mitarbeiter?

  2. Besten Dank für den inhaltlich guten und erfreulich knappen Beitrag.

    Aber ich habe noch ein Anliegen: Könnten Sie bitte vor der Veröffentlichung noch einen letzten Rechtschreibungs- und Grammatikcheck machen? Die Überschrift “Die Affe springen Tag für Tag …” ist grammatikalisch falsch. Mir “springt” dies regelrecht ins Auge und stört mich am Lesen. (Es gibt noch weitere Fehler!)

    Besten Dank und Gruss
    Simon Anderegg

  3. auch ich bedanke mich für den Artikel und ich warne gleich Herr Anderegg, diesen Kommentar nicht zu lesen, weil hier sicher einiges steht, was beim Lesen stört.

    So ein “Affe” ist auch die Erreichbarkeit via Chat oder Skype und Telefon:
    Kann ich kurz anrufen => 45Min sind weg.
    Kannst du mir mal,.. und dies dauerte nur 5 Min, aber herausgerissen aus der Programmiererei fängt man irgendwo von Vorn wieder an.

    • @ Monika
      Du hast vollkommen Recht: die Störungen über die mittlerweile sehr zahlreichen Kommunikationskanäle werden meist unterschätzt. Meine Lösungen:
      1) Wenn ich merke ein Gespräch dauert länger, bitte ich darum, dass ich später zurückrufen kann und vereinbare dafür einen fixen Termin.
      2) Ich blockiere mir bei Bedarf telefonfreie Zeiten, die ich wie eine Besprechung in der Agenda einplane und das Telefon auf die Assistentin oder Voicemail umleite.
      3) Skype habe ich wieder deinstalliert, Chats nutze ich selten und dann nur sehr gezielt (zu viele Kanäle=zu viele «Chancen» für Störungen)

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