Die Fragmentierung der sozialen Kommunikation:
Wird Google Facebook überleben?

Während Netzaktivisten – etwa hier bei Carta - das Ende des freien Internets durch Facebook befürchten, sehen alte Hasen die Situation gelassener und kritisieren vor allem das Hype-Geschäftsmodell von Facebook. Aus ihren Reihen hört man: Google wird Facebook überleben, u.a. weil sich unsere Kommunikationstools immer weiter fragmentieren. Stimmt diese These?

Kürzlich hatte ich ein spannendes Treffen mit Gerhard Kenk. Er betreibt sein Blog Crosswater Job Guide schon seit 2000 und ist der dienstälteste deutsche Jobbloger. Mit Informationstechnologie beschäftigt er sich jedoch schon wesentlich länger: Gut 30 Jahre lang arbeitete er zuvor in der IT-Industrie. Er hat in dieser Zeit so einige Trends und Hypes kommen und gehen sehen.

Vor kurzem hat Kenk nun die neue Jobbörse von Facebook und das Geschäftsmodell des derzeit angesagtesten Sozialen Netzwerks analysiert. Und kommt zu dem Schluss: Die machen es nicht lange. Google wird den Kampf der Giganten gewinnen. Seine Thesen und die Begründungen dafür möchte ich hier einmal zur Diskussion stellen:

  • Die Blackbox-Schwäche: Das Hauptproblem von Facebook aus ökonomischer Sicht sieht Kenk in einer Eigenschaft, die auch von Netzaktivisten immer wieder kritisiert wird: Facebook ist wie eine Blackbox, die alle Inhalte aufsaugen und nach außen abschließen will. Wer nicht Teil des Netzwerks ist, bekommt nicht mit, was darin vorgeht. Genau das aber ist gemäss Kenk die strukturelle Schwäche von Facebook: Während Google alle Inhalte zugänglich macht, versperrt Facebook den Zugang für die Nutzer. «Das ist ein Konzept aus den 50ern», sagt Kenk. «Natürlich starten alle Unternehmen erstmal mit dem Anspruch, die alleinige Nr. 1 zu sein und versuchen, die User auf ihre Seite zu ziehen. Irgendwann aber merken sie schon, dasss es nicht klappt.»
  • Das Heiße-Luft-Syndrom: Facebook sei, so Kenk, viel heiße Luft und sein Erfolg sei alleine Hype-gesteuert. Seit dem Börsengang beschäftigen sich auch Analysten mit dem Geschäftsmodell von Facebook und stellen fest, dass wenig dahinter steckt. Als Beleg nennt Kenk die neue Jobbörse des sozialen Netzwerks: Es seien in San Francisco gerade mal 800 und in Köln 1200 Recruiter zwischen 25 und 45 bei Facebook. «Wie soll da die Jobbörse funktionieren?» fragt Kenk.
  • Das «kommunistische» Geschäftsmodell: Das Geschäftsmodell von Facebook ist austauschbar. Während die Suche von Google bis heute konkurrenzlos ist und Google zudem in einer Art kommunistischem Geschäftsmodell kostenlos Inhalte anderer zu Geld macht, kann das Geschäftsmodell von Facebook leicht kopiert werden. Die Überschneidungen mit anderen Sozialen Netzwerken wie Google+ sind zu stark.
  • Die Fragmentierung der Kommunikation: Evolutionär gesehen, so Kenk, streben alle Ideen nach Spezifizierung. Auch unsere soziale Kommunikation werde sich daher immer weiter fragmentieren: Der Trend geht zum Spezialnetzwerk, in dem sich spezielle Communities treffen und austauschen – etwa LinkedIn für hochspezialisierte Business-Kontakte oder Researchgate für Wissenschaftler. Facebook als Netzwerk für alle kann daher langfristig nicht am Markt bestehen.
  • Die Mosaik-Strategie: Google habe, sagt Kenk, mit seiner Vielzahl von Diensten einfach eine viel breitere Basis für sein Geschäftsmodell. Der Suchmaschinenanbieter verfolgt eine Strategie der Mosaiksteinchen, bei der viele kleine Angebote unter dem Markennamen Google ein großes Ganzes ergeben – anders als Facebook, das bislang nur das soziale Netzwerk etablieren konnte.

Das baldige Ende von Facebook? In Anbetracht von 1 Milliarde Nutzern klingt diese These etwas gewagt. Und doch kann ich vielen Punkten nur zustimmen: Das Internet als Blackbox – dieses Konzept hat schon in den 90ern AOL erfolglos zu etablieren versucht. Zudem merke ich bei Facebook an der deutlich gesunkenen Kommunikationsbereitschaft der Nutzer, dass der ganz große Hype vorbei ist.

Schließlich ist die Fragmentierung eine Tatsache, die sich in der Wirtschaftsgeschichte sehr deutlich zeigt. Und auch wenn Google+ bislang hinter Facebook herhinkt, hat Google tatsächlich das breitere Geschäftsmodell. Welcher der beiden Internet-Giganten am Ende wirklich die Oberhand gewinnen wird, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall bleibt es spannend.

 

Bild: Eldar_ bei flickr.com (CC BY-SA 2.0)

 

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9 Kommentare

  1. Seit wann kann man Google und Facebook gegenüberstellen??? Das eine ist ein soziales Netzwerk, das andere ein Mega-Konzern, inklusive Hardware, Software und und…

    Auch G+ kann mit Facebook nicht verglichen werden, eben weil Google ein Interessennetzwerk konzipiert hat. Facebook zielt auf die Masse – beide sind Erfolgreich und werden auch weiterhin Bestand haben. Zumindest in den nächsten Jahren.

  2. Die werden öfter mal verglichen und in einen Topf geworfen – z.B. von Sascha Lobo: http://spiegel.de/netzwel…ammern-a-848635.html
    FB ist auch keine Garagenfirma mehr. Und was genau ist denn ein Interessensnetzwerk deiner Definition nach? Ich hatte nicht den Eindruck, das Google+ als Nischenprodukt konzipiert wurde. Es ist nur zu einem geworden, weil das noch nicht so geklappt hat mit der großen Masse.

    • Schaue die einfach die Strukturen der Communities an. Da werden nicht einfach Fans zusammengeschaufelt. In ihnen tauschen die Mitglieder ihre Interessen aus – Facebook verfolgt die einfache kommunikation und hat darin ja auch erfolg. Nur die Fanpages bedürfen meist Hilfsmittel um Nutzer zu generieren. Google zielt natürlich auch auf die Masse. Doch die Suchmaschine will neben den Daten auch, dass sich beispielsweise die Nutzer austauschen. Mehr Informationen = mehr Daten….mehr Usability, mehr mehr Rendite.

      Nur weil der Sascha den Fehler macht, und alles in einen Topf schmeißt, müssen es die anderen ihm ja nicht gleichtun. Ich vergleiche ja auch nicht Apple mit SAP.

  3. Schliesse mich Markus an.

    • Das angesehene britische Nachrichtenmagazin “The Economist” schrieb in einer Titel-Story am 1.12.2012 über “The battle of the internet giants” und verglich in diesem Artikel Google, Facebook, Apple und Amazon miteinander (http://economist.com/news…tchdogs-should-tread). Drei dieser Giganten würden ohne das Internet nicht existieren, eine Firma (Apple) könnte durchaus auch ohne Internet erfolgreich sein. Was unterscheidet eigentlich ein Facebook-Mitglied von einem Google+ Mitglied? Streng genommen nicht viel. Die Unterscheidung nach Social Media Netzwerk und einem Internet-basierten Konzern hilft nicht viel weiter. Wo werden Google und Facebook in fünf Jahren stehen?

  4. In fünf Jahren kann tatsächlich viel passieren, allerdings genauso beim Geschäftsmodell und der Unternehmensaufstellung von Facebook. Nach dem heutigen Stand gebe ich Gerhard recht. Ich vermute aber, dass die FB-Führung noch nachjustieren wird.

  5. Facebook mit Google als ganzem zu vergleichen ist nicht ganz fair, eben weil Google als ganzes so viel breiter aufgestellt ist (langfristig wahrschwinlich wirklich das bessere Modell). Aber man vergleicht Äpfel mit Birnen, also Suchmaschine mit sozialem Netzwerk.
    Google+ als Teilbereich mit facebook zu vergleichen wäre eher angebracht.
    Ich hoffe immer noch, daß facebook eines Tages sich als böser Traum entpuppt, aber ich fürchte es ist real.

  6. Ich kann mich da nur anschliessen, dass man hier Äpfel mit Birnen vergleicht. Ich persönlich empfinde die Entwicklung von G+ durchaus als sehr gut. Bei G+ habe ich spätestens seit der Einführung der Communities einen echten Mehrwert, wenn ich fragen haben oder Feedback benötige. Facebook geht da doch zu sehr in die Breite und zielt auf eine andere Zielgruppe ab. Es haben beide Network ihre Vor- und Nachteile und man muss halt von Fall zu Fall sehen, in welches man sich begibt. Ich finde wie gesagt in den letzten Wochen G+ als wesentlich angenehmer.

  7. Ich finde, mit Euren Aussagen, Facebook geht zu sehr in die Breite usw. bestätigt Ihr ja nur die Thesen des Artikels. Und man darf nicht vergessen, dass es Google+ nur gibt, weil es zuvor Facebook gab und weil Google erkannt hat, dass der Trend weg von der reinen Suchfunktion hin zum Teilen von Informationen geht. Das zeigt auch, wie ernst Google Facebook als Konkurrenten nimmt.

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