In eigener Sache:
Sabine Gysi leitet neu die
imgriff.com-Redaktion

Nach mehr als vier Jahren bei imgriff.com habe ich im November 2012 die Redaktionsleitung an Sabine Gysi abgegeben – das gibt frischen Wind und neue Perspektiven in einem nach wie vor faszinierenden Themenfeld: Wie wollen wir schöner arbeiten und besser leben?

imgriff.com ist ein Produktivitätsblog und beschäftigt sich mit einem Themenfeld, das in den vergangenen Jahren einem massiven Wandel unterworfen war: unsere tägliche Arbeitswelt. Mit einigen Jahren Berufsleben auf dem Buckel lässt sich das sehr einfach feststellen: Man blickt zurück und sieht, welche Probleme man Mitte der 90er Jahre nicht kannte – geschweige denn eine Lösung dafür suchte.

Palm Handheld, anyone?

Wir freuten uns damals über (fast) jede neue elektronische Nachricht – verstopfte Mail-Postfächer waren praktisch unbekannt. Mein erster Palm-Handheld war eine geniales Spielzeug. Allerdings hat das Einrichten und der Unterhalt mehr Zeit gekostet, als das ich damit Effizienzgewinne realisiert hätte. Mobiles Arbeiten war wegen der fehlenden Infrastruktur aber sowieso kein Thema; wer einen portablen Geschäftscomputer haben wollte, musste den Bedarf nachweisen – heute arbeiten viele von uns «von überall». Und wenn man 1997 nicht im Büro war, war man für die Firma praktisch nicht existent. Nur Feuerwehrmänner und Ärzte waren immer erreichbar.

Das ist 15 Jahre her. Und trotz der kurzen Zeitspanne hat sich die Arbeitsweise von vielen von uns praktisch zur Unkenntlichkeit verändert. Ich überlege heute, welches der beste RSS Reader ist, damit ich täglich 200 Webseiten überwachen kann. Ich sammle Informationen in cloudbasierten und überall verfügbaren elektronischen Notizbüchern; ich gebe Wissen in firmeninternen sozialen Netzwerken weiter; der Gruppen-Skypechat ist der Pausenraum und die Kaffeemaschine in einem Unternehmen, dessen Mitarbeitende über ganz Europa (und zur Zeit noch Japan) verteilt sind.

Der Wissensarbeiter wird Realität

Dabei sind diese Tools mehrheitlich Ausdruck einer viel tieferliegenden Veränderung. Viele von uns sind heute zu Informations- und Wissensarbeitern geworden; wir beschäftigen uns mit dem Finden, Aufbewahren, Bearbeiten und Weitergeben von Informationen; wir versuchen, daraus nutzbringendes oder handlungsanleitendes Wissen zu generieren. Entsprechend sind Beziehungen zwischen Menschen wichtiger geworden – denn durch diese Beziehungen und Netzwerke fliessen Informationen und entsteht neues Wissen.

Das konfrontiert uns mit neuen Fragestellungen: Wie organisieren wir diesen persönlichen Wissensmanagement-Prozess? Wie sieht unser eigenes Lernen aus, wie entwickeln wir uns weiter, welche Tools und Methoden nutzen wir, um als Wissensarbeiter erfolgreich zu sein? Dazu braucht’s ganz grundlegende Konzepte, es braucht kleine und grosse Instrumente, und vor allem verlangt es von jedem von uns Verhaltensänderungen ab.

Mehr Autonomie, mehr Verantwortung

Gleichzeitig werden die Freiheiten grösser. Die Probleme und Aufgaben der Arbeit werden komplexer und lassen sich nicht mit Standardprozessen erledigen. Sie bedingen eine grössere Arbeitsautonomie und machen es nötig, dass jeder Einzelne von uns über mehr Gestaltungsspielraum verfügt. Unternehmen können sonst gar nicht erfolgreich sein. Das kann sehr befriedigend sein, ist aber auch sehr viel anspruchsvoller. Gefordert sind Fähigkeiten zur Selbstorganisation oder die Kompetenz, regelmässig auch unstrukturierte und neuartige Probleme zu lösen – Fähigkeiten und Fertigkeiten, die vor 30 oder 40 Jahren viel weniger im Vordergrund standen.

Ich bin sicher, dass wir erst am Anfang dieser Entwicklungen stehen. Unternehmen, Arbeit, Jobs und damit die Gesellschaft werden sich weiter verändern, wir lernen und werden schlauer, unser Umgang mit all diesen Themen wird professioneller werden. Deshalb wird es hier auf imgriff.com weiterhin viel zu berichten und zu diskutieren geben: Inputs und Beobachtung dieser Entwicklungen, aber auch kritische Reflexion der Lösungsansätze, die sich entwickeln.

Danke!

Umso mehr freue ich mich deshalb, dass wir seit Mitte November 2012 mit Sabine eine Redaktionsleiterin an Bord haben, die die Begeisterung für diese Themen mitbringt, aber die Dinge auch kritisch hinterfragt und durchleuchtet. Denn nicht alles, was in einem modischen Kleidchen daherkommt, ist wirklich neu. Und für viele zukünftige Herausforderungen werden wir ganz «altmodische» bzw. zeitlose Fähigkeiten brauchen.

Damit imgriff.com für diese Zukunft gerüstet ist, hat Sabine in ihren ersten zwei Monaten als Redaktionsleiterin auch schon spannende neue Autoren für imgriff.com dazu gewonnen – ich freue mich sehr und bin stolz darauf, dass auch diese mit an Bord sind. Über die neuen Autoren, Marcel Widmer und Patrick Mollet, gibt’s in einem eigenen Post bald mehr zu erfahren.

Zuletzt möchte ich es aber nicht versäumen, mich bei Euch für das Mitlesen in all diesen Jahren zu bedanken. Auf imgriff.com haben wir das Privileg, eine interessierte, kritische und konstruktive Leserschaft zu haben. Die Kommentarspalten sind voll mit weiterführenden Informationen, kritischem Überlegen und auch der einen oder anderen Korrektur. Für das Mitlesen, das Mitdenken und für das Mitschreiben an diesem Blog bedanke ich mich sehr.

 

Bild: tableatny bei flickr.com (CC BY 2.0)

 

Thomas Mauch

Thomas Mauch ist Mitglied der Geschäftsleitung des neuerdings.com-Verlags Blogwerk AG und interessiert sich für Gadgets. Oder so.

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Ein Kommentar

  1. “Wissensarbeiter” – typischer Begriff aus der marxistischen Mottenkiste. Wie soll jemand, der wahrscheinlich noch nie wirklich gearbeitet hat, wissen, wie man effizient arbeitet?

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