Belohnen statt ablenken:
Wie man unliebsame Aufgaben anpackt und erledigt

Jeder schiebt Aufgaben vor sich her. Und die meisten haben dabei ein schlechtes Gewissen. Es gibt einen simplen Ansatz, den «inneren Schweinehund» zu besiegen: sofort loslegen – erledigen – belohnen.

Wir alle kennen das, wenn wir eine nicht besonders prickelnde Aufgabe anpacken sollten: Wir sind ausgesprochen kreativ darin, Dinge zu (er-)finden, die noch schnell gemacht werden «müssen». Mailbox prüfen, eine Zigarette rauchen, bei Facebook reinschauen, sich beim Kollegen übers neues Bike informieren, den Blogartikel über weiss-nicht-was lesen, usw. usf. Ob wir’s «Prokrastination», «Aufschieberitis» oder wie auch immer nennen: dieses Verhalten hat hohes Frustrationspotenzial.

Ich staune immer wieder, wie kreativ wir sind, um nicht anfangen zu müssen. Ich bin dennoch überzeugt: es ist wichtig, sich mit solch «nutzlosen» Dingen zu beschäftigen, auch während der Arbeitszeit, auch (oder gar vor allem) in hektischen Phasen das Alltags. «Kopf auslüften», nenne ich das.

Es ist überhaupt nicht sinnvoll, gegen diese «Gelüste» anzukämpfen, sie zu unterdrücken. Wenn Du es tätest, würdest Du dafür viel Energie aufwenden und verschwenden. Setze diese Energie für die Erledigung Deiner Aufgabe ein. Und freu Dich auf die verdiente Belohnung!

Ein konkretes Beispiel aus meinem Alltag:

  • Auf der ToDo-Liste steht als nächstes «dringend: Mehrwertsteuer-Abrechnung».
  • Aber ich merke, dass ich viel mehr Lust darauf habe, ein Sudoku zu lösen.
  • «Gute Idee!», sage ich mir, «aber nicht jetzt!». Das Rätsel gibt’s als Belohnung, wenn die Mehrwertsteuer-Abrechnung erledigt ist.
  • Ich erledige die Aufgabe zügig und hoch motiviert.
  • Dann löse ich mit Genuss das Sudoku und bin stolz, den inneren Schweinehund einmal mehr überlistet zu haben.

Versuch es selbst: Bei der nächsten grösseren, dringenden Aufgabe, auf die Du wenig Lust hast, versprichst Du Dir die Belohnung. Und geniesst sie, wenn Du sie verdient hast. Du wirst sehen: das funktioniert. Am Anfang nicht immer, mit der Zeit aber immer besser.

 

Bild: vmiramontes bei flickr.com (CC BY 2.0)

 

Marcel Widmer

Marcel Widmer begleitet als ausgebildeter Coach und Organisationsberater Fach- und Führungskräfte, Teams sowie Organisationen bei der eigenen Entwicklung. Als Autor bei imgriff.com bloggt Marcel Widmer seit Anfang 2013 praxisnah zu Themen wie Organisation, Zeit- und Selbstmanagement. → mehr …

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7 Kommentare

  1. An und für sich ein guter Ansatz, der für so manchen eine gute Möglichkeit bieten könnte etwas zu schaffen. Aber ist beim Prokrastinieren nicht gerade das Problem, dass der Drang etwas anderes zu tun stark überwiegt? Hier gilt es meines Erachtens mehr zu schaffen, als einfach nur zu sagen: “Dann nutze ich das halt als Belohnung.” Denn das ändert doch erst einmal nicht wirklich etwas an dem Drang es gleich, also vor dem eigentlich wichtigeren zu tun, zumal es ja auch noch andere Möglichkeiten der Belohnung existieren, wenn man dann die Pflicht erledigt hat und wenn es nur das Gefühl ist es endlich hinter sich zu haben. Der Ansatz wird hier also etwas zu einfach präsentiert, weil es genauso wie bei den Anstrengungen den Versuchungen der “neuen” Medien sich zu widersetzen und nicht in einen Rausch der Kommunikation und “Smartphoneritis” zu verfallen doch sich im Wesentlichen darum dreht seine Selbstdisziplin zu trainieren. Daher sollte man meines Erachtens die Gelüste nicht nur als Belohnung verwenden, sondern sich auch bemühen sich zu vergegenwärtigen warum denn die lästige Pflicht nun wichtiger ist und warum es für einen auch besser ist sie zu erledigen über das Erreichen der Belohnung hinaus. Denn das Belohnungssystem hat auch seine Tücken. Denn was ist, wenn man einfach mal zu gar nichts Lust hat und keine adäquate Belohnung sich setzen kann, aber man nun darauf trainiert ist, eben eine solche nach erledigter Pflicht zu empfangen bzw. sie zu erwarten? Zudem kann eben diese Erwartung auch bei der Erledigung der Pflicht hinderlich sein, wenn man sich eigentlich voll auf diese konzentrieren müsste, aber in Gedanken halb dabei ist, was man denn danach eventuell spaßiges tun wird.

  2. @ Benjamin
    Puh, harte Kost am noch frühen Morgen ;-) Ich habe jetzt Deinen Kommentar dreimal durchgelesen und muss gestehen, ich verstehe nicht wirklich was Du uns sagen willst. :/

    Bei der von mir beschriebenen, simplen Methode geht es genau um das, was Du in Deinem zweiten Satz beschreibst: nicht dem Drang nachgeben, etwas anderes (angenehmeres) zu tun. (Ich sage aber nicht, dass man sich für jedes erfolgreiche Anpacken einer wichtig und/oder dringenden Aufgabe belohnen muss.) Und genau das ist IMHO eine nützliche Methode (aber nur eine von vielen), “eine Selbstdisziplin zu trainieren”.

  3. Ich kann ganz gut nachvollziehen, was Benjamin meint. Die im Artikel vorgestellte Taktik ist ziemlich beliebig und – pardon – doch nicht viel mehr als eine Binsenweisheit. Einem von einer langen Todo-Liste geplagten Prokrastinator wird sie nicht wirklich weiterhelfen. Was uns Benjamin damit sagen will? Die Ursache reflektieren, nicht versuchen die Symptome zu bekämpfen mit einer Methode, die in jedem Hausfrauenartikel beschrieben ist, um Grundschüler zu motivieren. (Entschuldigung Herr Widmer, ist nicht so böse gemeint wie es klingt – aber ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Sie heute das Task “Blogeintrag Produktivität” auf Ihrer Todo-Liste hatten, aber nicht wirklich inspiriert waren, etwas substantielles zu schreiben ;-)

    • @ Sven (ich schlage vor, wir duzen uns, wie’s hier üblich ist, ok?)

      «ziemlich beliebig», «Binsenweisheit», «nicht wirklich weiterhelfen», «Hausfrauenartikel», «nicht wirklich inspiriert …, etwas substantielles zu schreiben»? Ich bemühe mich dennoch, sachlich und wohlwollend zu antworten ;-)

      Ich bin mit Euch beiden auf einer Linie: Symptome zu bekämpfen bringt nicht die langfristige Lösung, die fürs Ganze notwendig ist. Um der Ursache auf den Leib zu rücken, sind meist andere Massnahmen gefragt, die nicht eben mal so schnell gefunden bzw. umgesetzt sind. Absolut richtig.

      Das eine schliesst das andere nicht aus*. Der von Dir genannte geplagte Prokrastinator mit der langen Todo-Liste, für den seine Aufschieberitis ein echtes Problem ist, sollte Grundlegendes analysieren und ändern (was nicht so einfach ist, wie es klingt). Selbstverständlich! In dem Moment aber, wo er realisiert, dass er eine lästige Aufgabe vor sich her schieben und sich lieber durch Lesen von Mails «entschuldigen» will, dem hilft diese «Minitaktik» sehr. Und bringt ihm ein Erfolgserlebnis, statt des Frusts.

      «Das eine tun und das andere nicht lassen.» In der Praxis ist es oft schwierig, das grosse Ganze meistern zu können- Sich bewusst (!) auch den kleinen Erfolgen (Erfolgserlebnissen) zu widmen, bringt einen dem Ziel oft näher – Schritt für Schritt. Und motiviert, nach und nach das Grosse anzupacken und erfolgreich umzusetzen.

      (* Das ist wie bei einer Erkältung: Niemand käme auf die Idee, die Nase nicht zu schnäuzen, nur weil die laufende Nase nur Symptom, aber nicht Ursache ist. Die Erkältung an sich muss anders kuriert werden, klar. Für den Moment aber hilft aber Schnäuzen sehr ;-) )

  4. Ich kenne das von Marcel hier angegangen Problem nur zu gut. Und jedesmal ärgere ich mich, wenn ich etwas bis zur letzten Minute hinausschiebe und mir dann ohne Note selbst Druck produziert habe. Ich hasse das und ich kenne eigentlich immer sehr gut auch die Ursache für das Hinausschieben, z.B. weil etwas sehr mühsam ist, oder sehr schwer oder ich nicht recht weiss, wie ich beginnen oder zu dem gewünschten Ergebnis kommen soll. Dann schiebe ich es eben nochmal, das ist wohl ganz menschlich, denke ich. Bis es nicht mehr geht. Dennoch passiert es immer wieder und auch obwohl ich die Ursache (nicht nur die Symptome) kenne, gelingt es mir nicht dies gänzlich abzustellen. Obwohl ich durch einige Hilfsmittel schon besser geworden bin. Das “Belohnungssystem” ist u.a. ein Hilfsmittel. Ein weiteres Hilfsmittel, dass mir sehr gut hilft, ist mein Personal Kanban-System, das ich seit einiger Zeit nutze. Durch die Tafel im Büro vor mir werde ich irgendwie besonders gut motiviert und angetrieben. Mein Kanban-Board sieht so ähnlich aus wie hier, ist aber natürlich anpassbar: http://imgriff.com/2013/0…den-augen-verlieren/

    • @ Joerg:

      Du beschreibst das sehr gut: es sind verschiedene Hilfsmittel, die einem helfen auf dem Weg zur Lösung des Ganzen. Verschieden auch im Sinn von individuell und massgeschneidert: was für Max taugt, muss nicht auch für Moritz gut sein.

  5. Also ich finde den Ansatz sehr gut. Ich denke ich werde die Tipps beherzigen da ich selbst sehr gern Aufgaben vor mir her schiebe. Es ist keine Universelle Lösung das ist klar aber es ist für mich persönlich ein guter Ansatz meinen inneren Schweinehund zu überwinden und dafür ein Danke an den Autor.

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