Sich ständig vergleichen:
Wie man garantiert unzufrieden wird

Gesundes Konkurrenzdenken kann ein Antriebsmotor für mehr Produktivität und Leistung sein. Wird es aber auf die Spitze getrieben, kann es Leistung im Gegenteil verhindern, weil uns der ständige Vergleich lähmt. Zwei Seiten einer Medaille.

In unserem Berufsalltag herrscht ein ständiger Konkurrenzkampf – völlig normal und in der Regel auch gut so. Gesundes Konkurrenzdenken kann hilfreich sein: Es spornt uns an, mehr Leistung zu erbringen, uns ständig zu verbessern und unser Ding durchzuziehen. Der Wunsch, andere zu übertrumpfen, ist ein starker Antriebsmotor für höchste Leistungen.

«Ich will genauso gut Französisch können wie die Kollegin, deswegen werde ich mehr lernen» – dieser Vergleich ist eindeutig motivierend und hilft, das Ziel zu erreichen.

Wenn aus gesunder Konkurrenz «Vergleichssucht» wird

Problematisch wird es aber dann, wenn der Vergleich konstant negativ ausfällt. Ein Vergleich hat dann eher eine deprimierende Wirkung. Wenn man denkt: «Ich werde es ja eh nie schaffen, so gut Französisch zu lernen, ich kann den Kurs genauso gut aufgeben», dann nimmt man sich selbst den Ansporn zu lernen. Sich ständig mit anderen zu vergleichen, kann zu einer Marotte, ja einer Sucht werden. Die beste Möglichkeit, sich das Leben völlig zu vergällen.

Dieses Verhalten führt ausserdem zu unnötigen Konflikten: Nicht wenige Menschen haben Probleme damit, Ängste oder Neid sich selbst einzugestehen, geschweige denn offen zuzugeben. Um das aufkommende Minderwertigkeitsgefühl zu überspielen, reagieren sie arrogant – und zwar auf Kosten der Menschen, mit denen sie sich verglichen haben. Überspitzt klingt das dann etwa so: «Warum machst Du denn überhaupt einen Französischkurs? Um Deine Besserwisserei zu perfektionieren?» Und die Kollegin denkt: «Mensch, was für eine arrogante Ziege!»

Fragen an Dich selbst: Ist Dein Konkurrenzdenken schon ungesund?

Die nachfolgenden Fragen können Dir einen Anhaltspunkt geben, wie stark bei Dir die Vergleichssucht ausgeprägt ist. Beantworte für Dich die folgenden Fragen:

  • Kannst Du Deinen Kollegen vertrauen oder siehst Du sie eher als Konkurrenten?
  • Vergleichst Du Dich oft mit anderen Menschen?
  • Fühlst Du Dich durch diese Vergleiche besser oder eher schlechter?
  • Bleibst Du realistisch, wenn Du Dich mit anderen vergleichst?
  • Was genau vergleichst Du? Sind Deine Vergleiche korrekt oder basieren diese nur auf dem, was Du über die Person zu wissen glaubst?
  • Vergleichst Du immer nur einzelne Aspekte, etwa «Kollege A hat mehr Geld als ich»?
  • Oder beziehst Du auch andere Aspekte in Deine Vergleiche ein, etwa «Kollege A muss auch mehr Verantwortung tragen»?
  • Wenn andere «besser» oder erfolgreicher sind – welche Bedeutung hat das für Dein Leben?

 

Bild: Jill Clardy bei flickr.com (CC BY-SA 2.0)

 

Simone Janson

Simone Janson ist Kolumnistin für DIE WELT und betreibt mit über 100 Fachleuten das Blog http://berufebilder.de, laut ZEIT ONLINE eines der meistgelesenen Blogs für Beruf, Bildung und Karriere in Deutschland. Sie ist Kooperationspartner des F.A.Z.-Instituts, Beraterin und Referentin für Agenturen und Unternehmen wie die Deutsche Bahn, die Bundeswehr, Ärzteverbände oder diverse Hochschulen.

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3 Kommentare

  1. Nun, ich “oute” mich jetzt mal:

    Ja, ich vergleiche fast ständig. Das geht den lieben langen Tag so.

    Häufig unbewusst vergleiche ich ob Jemand älter / jünger ist als ich.
    Oder größer / kleiner als ich. Manche haben größere, kleinere oder gleich große Hände, merke ich beim Händeschütteln.

    Die Haarfarbe unterscheidet sich, das Geschlecht (recht häufig, etwa 50% der Fälle) und das Gewicht. Beim Gewicht ist das problematisch, da sind deutlich über 50% leichter. Jedenfalls kommt’s mir so vor. Ich bin da wohl nicht immer ganz realistisch?

    Und ja, ich kenne viele Menschen die – auf irgend einem Gebiet – besser als ich sind. Erfolgreicher. Wenn ich mir’s so recht überlege.. ..das triff vermutlich auf Jeden zu. Die Anderen sind irgendwie irgendwo erfolgreicher als ich.

    Wenigstens etwas positives: Konkurrenzdenken regt mich an, nicht auf. (Hm, räusper: halt meistens.)

    Einen kleinen Haken hat die Sache dann schon: diese Einstellung, dass das Vergleichen etwas ganz normales ist und der “Gewichtung” eben dieses – viel Gewicht – zukommt, das hat über 2 Jahrzehnte gedauert :(

    Und – noch ein Vergleich:

    Sinnvolle Gedanken zu so einem, hm intensiven, Thema in einen kurzen Kommentar zu packen, das ist sehr schwer. Vielleicht ebenso schwer wie Ihr Artikel..

    ..welcher zum Nachdenken anregt. Dafür ein Dankeschön!

  2. Ich verstehe den Begriff “gesundes Konkurrenzdenken” nicht so ganz.
    Will ich nur besser werden, um andere zu übertrumpfen?

    Die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln, ist doch eine wunderbare Sache.
    Wenn ich dabei das Gefühl habe, stetig etwas dazu zu lernen,
    ist es doch fast nebensächlich, wie gut die anderen sind.

    • @Walti: Danke, freut mich, wenn ich zum Nachdenken anrege.
      @Joachim Hilbert: Es ist natürlich schön, wenn man aus sich selbst heraus besser wird. Allerdings behaupte ich mal, dass es aus einer gewissen Unzufriedenheit keine Veränderung und damit Verbesserung gibt. Und die Unzufriedenheit kommt nunmal oft auch aus dem Vergleich mit anderen.

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