Wie man verhindert, dass einem Zeit gestohlen wird I/II:
Der Zeitdieb profitiert von Deiner Höflichkeit

Wer kennt das nicht: Ständig wollen alle was von uns und stehlen uns kostbare Zeit. Verhindern kann das nur, wer auf Tunnelblick umstellt und uninteressante Anfragen radikal abblockt. Auch wenn einem dadurch auch mal eine spannende Gelegenheit oder sogar ein Auftrag entgehen kann.

Wir hatten es hier im Blog schon öfters davon, wie man mit zeitfressenden E-Mails umgeht (zum Beispiel hier, hier und hier). Darüber, welches Problem eigentlich dahinter steckt, wird hingegen selten gesprochen. Denn das Problem am Computer sitzt ja bekanntlich zwischen Rückenlehne und Tastatur, also im Kopf des Menschen, der da kommuniziert. Und das betrifft eben nicht nur E-Mails, sondern die gesamte Kommunikation.

Telefonate ohne Ziel und Zweck?

Ich muss nur daran denken, wie oft ich im Rahmen meiner Tätigkeit als Blogger um ein Telefonat gebeten werde, wofür es in der Regel keinen Grund gibt – außer dass mein Gegenüber glaubt, es könne mich am Telefon noch besser von seinem Standpunkt überzeugen. Vielleicht ist den Leuten auch gar nicht klar, was sie nun wirklich wollen, und sie tun sich dementsprechend schwer damit, ihr Anliegen kurz und prägnant in Worte zu fassen.

Oder der Fall, als mich jemand bei Xing bezüglich einer Kooperation anschrieb und unverschämt-penetrant immer wieder um einen Telefontermin bat. Wie sich später herausstellte, ist besagter Mensch pleite und einschlägig für seine Aufdringlichkeit bekannt. Zum Glück hatte ich mich nie darauf eingelassen. Und kürzlich wurde ich von einer großen deutschen Jobbörse behelligt, deren Mitarbeiter durch erschreckende Unkenntnis ihres Fachgebietes auffielen und die sich am Ende noch wünschten, dass ich mir die Zeit für ein ausführliches Feedback nehme – unentgeltlich, versteht sich.

Der gesellschaftliche Konsens wird ausgenutzt

Solche Menschen nutzen einen bestehenden gesellschaftlichen Konsens in der Kommunikation für sich aus: Nämlich den des höflichen Umgangs miteinander. Denn selbst wenn man schon ahnt, dass der Dialog eigentlich zu keinem Ergebnis führen wird, will man ja doch kein Unmensch sein und die Leute nicht gleich abwimmeln: Erstmal hören was der andere zu sagen hat, denkt man – und merkt dann früher oder später, dass diese Höflichkeit ein Fehler war.

Denn wenn die Zeitdiebe erstmal den Fuß in der Tür haben, lassen sie so schnell nicht mehr locker. Aus Erfahrung sozusagen klug geworden, wimmle ich daher schon instinktiv jede Anfrage ab, die irgendwie nicht ganz klar und eindeutig daher kommt. Im vergangenen Jahr hätte mich diese Abwehrtaktik beinahe einen gut bezahlten Auftrag gekostet, ganz zu schweigen von den vielen interessanten Menschen, die ich auf diese Weise niemals treffe – Tunnelblick statt Serendipität sozusagen. Auch Menschen als Zeitfresser zu titulieren, ist sicher nicht die feine englische Art. Und doch erscheint mir diese Methode die einzig mögliche, um mit den Zeitdieben aus Fleisch und Blut fertig zu werden.

Nun bin ich selbständig und habe das Glück, unabhängig von der Wut eines Chefs agieren und mir meine Kollegen und Kunden quasi aussuchen zu können. (Die Wut mancher möchtegern-Kunden oder Kooperationspartner ist mir indes sicher). Was aber tun Arbeitnehmer, die sich ja in gewisser Weise mit solch problematischen Kollegen oder gar einem Chef, der einem die Zeit stiehlt, abfinden müssen? Für sie habe ich in Teil zwei dieses Artikels ein paar Tipps parat.

 

Bild: Yung Tsai bei flickr.com (CC BY 2.0)

 

Simone Janson

Simone Janson ist Kolumnistin für DIE WELT und betreibt mit über 100 Fachleuten das Blog http://berufebilder.de, laut ZEIT ONLINE eines der meistgelesenen Blogs für Beruf, Bildung und Karriere in Deutschland. Sie ist Kooperationspartner des F.A.Z.-Instituts, Beraterin und Referentin für Agenturen und Unternehmen wie die Deutsche Bahn, die Bundeswehr, Ärzteverbände oder diverse Hochschulen.

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8 Kommentare

  1. Ist das hier Satire? Oder ein erst gemeinter Aufruf, ein Arschloch zu sein? Viel Spaß weiterhin mit dem effektiven Zeitmanagement. Hauptsache, die Kasse klingelt, und man muss sich nicht mit lästigen Mitmenschen rumplagen, die was von einem wollen.

  2. @herr bert: Satire? Sehe ich nicht. Und man muss auch kein Arschloch sein, nur weil man nicht jedem alles recht macht. Es gibt ein gesundes Mittelmaß zwischen: Ich mache alles für jeden- und – ich mache ausschließlich Dinge gegen Bezahlung. Dazwischen liegen zum Beispiel Freundschaftsdienste, die man aber nicht jedem der einfach mal per Xing ankommt erfüllen muss.

    • @Marting Weigert & talinee: Danke für die Zustimmung.
      @herr bert Ich hab den Artikel natürlich auch provokativ geschrieben. Und am Ende erkläre ich auch, dass die Methode auch für mich selbst schon, ganz egoistisch übrigens, Nachteile hatte.
      Aber es gibt einen großen Unterschied zwischen echtem sozialem Miteinander – und da ist wissenschaftlich der Mensch nur in der Lage zu einer kleinen Gruppe von Leuten wirklich tiefe Bindungen zu pflegen – und der Masse an Anfragen, die z.B. per eMail und Sozialen Netzwerken hereinkommen, die aber genau diesen Sozialfaktor geschickt einsetzen, um einen mit einem schlechten Gewissen unter Druck und damit unter Handlungszwang zu setzen.
      Mal abgesehen von jenen Zeitgenossen, die unter dem Denmäntelchen der Gutmenschlichkeit die schlimmsten Dinge tun.
      Da hat Talinee recht: Man muss da einfach differenzieren und genau hinschauen. Gesundes Mittelmaß hat nichts mit Arschloch-Sein zu tun.

  3. Ich finde den Artikel wirklich nicht gelungen.
    Es gibt wirklich freundlichere und höflicherer Möglichkeiten mit penetranten Mitmenschen umzugehen. Man trifft sich im Leben ja immer zweimal. Oft dann auch in veränderten Rollen…

    • Hallo Puetter,
      ich freue mich, dass ich eine kontroverse und konstruktive Diskussion zu dem Thema angeregt habe. Vielleicht haben Sie ein paar Beispiele und Ideen für uns, wie es besser geht?

  4. Ich kann den Ansatz nachvollziehen und kenne auch Menschen, die das konsequent so durchziehen.

    Wenn ich ehrlich bin, mit solchen Leuten, die immer “busy” sind, die sich immer um ihre Zeit sorgen, habe ich ungern zu tun: Sie sind unglaubliche Nervtöter und Langweiler.

    Und es macht mir dann sogar Spaß ihnen nicht zu helfen, wenn sie mal was brauchen. Wozu auch? Ich muss Hr. Puetter Recht geben: Man trifft sich immer zweimal im Leben. Sie wissen bislang von nur einem Auftrag, der Ihnen durch diese Art entgangen ist, aber ich möchte wissen, wie viele Menschen Sie durch Ihre Art schon vor den Kopf gestoßen haben und die Sie dadurch sicherlich anderen nicht weiterempfehlen.

  5. Liebe Ute,
    wenn ich grundsätzlich nicht auch ein offenes Ohr hätte für andere Leute, würde ich z.B. hier gar nicht zurückkommentieren oder auf http://www.berufebilder.de eine lebhafte Kommentarkultur pflegen.
    Nein, es geht mir um Menschen, die diese Dialogbereitschaft, absichtlich oder nicht, ausnutzen. Und der Artikel ist, sicherlich auch ein wenig plakativ, für die gar nicht mal so geringe Anzahl an Menschen geschrieben, die nicht “Nein” sagen können. Gerade in sozialen Netzwerken käme man sonst aus dem diskutieren ja gar nicht mehr heraus und würde seine Arbeit nicht fertigbekommen – sicherlich auch kein Qualitätsmerkmal für Empfehlungen.

2 Pingbacks

  1. [...] zu verfallen noch ein sehr nützlicher Link: Simone Janson schreibt auf imgriff.com darüber, wie man verhindert, dass einem Zeit gestohlen wird. Dieser Teil 1 von 2 liest sich schon mal gut, und vor allem liest er sich schnell, um weitere [...]

  2. [...] Komplimente und Gelassenheit sind die Eckpfeiler der Strategie. Im ersten Teil meines Beitrags habe ich berichtet, wie ich persönlich Leuten entgehe, die mir zu viel von meiner kostbaren Zeit stehlen. Heute soll [...]

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