Konflikte vermeiden verringert die Produktivität:
Schwindeln tötet Effizienz

Ehrlichkeit währt vermutlich nicht nur am längsten, sie macht auch produktiv. Effektives Zusammenarbeiten profitiert von Direktheit und Offenheit.

Das soll nun kein moralinsauerer Artikel werden über ethische Verantwortung und die Pflicht, die Wahrheit zu sagen. Tatsächlich bin auch ich, bei aller Wahrheitsliebe, mittlerweile davon überzeugt, dass unsere Gesellschaft ohne die kleinen Notlügen, die unser zwischenmenschliches Miteinander angenehmer gestalten, wahrscheinlich nicht funktionieren würde. Denkt Euch mal, Ihr würdet die Leute morgesn mit einem: «Mensch siehst du heute wieder daneben aus, wohl die ganze Nacht gesoffen.» begrüßen, statt einfach freundlich zu sagen «Das Kleid steht dir aber gut». Was glaubt Ihr , was passieren würde? Eben!

Schwindeln tötet Effizienz

Tatsächlich will ich auf einen ganz anderen Aspekt aufmerksam machen: Darauf, wie die Produktivität unter den großen und kleinen zwischenmenschlichen Flunkereien leidet – und dass das Schwindeln im Hinblick auf die Produktivität auch zu einem großen Problem werden kann. Das habe ich kürzlich gerade mal wieder am eigenen Leib erfahren.

In einem Fall bekam ich eine Angelegenheit auf den Schreibtisch, bei der deutlich zu erkennen war, dass der Absender sich vor der endgültigen Entscheidung drücken wollte. Tatsächlich hatte ich selbige nun am Hals, aber darauf keine Lust. Also habe ich die Sache einfach so weitergeleitet, Motto: «Schlagt Ihr Euch doch damit herum». Das war fatal, denn die Entscheidung kam wie ein Bumerang zurück und zog einen ellenlangen Rattenschwanz an Diskussionen nach sich, bei der ich ständig zwischen zwei Seiten vermitteln musste. Das kostete zeit und unnötige Nerven!

Effektiver ist immer, Dinge gleich anzusprechen!

Besser, vor allem effektiver wäre es gewesen, ich hätte mich gleich um die Sache gekümmert: Denjenigen direkt angesproche, eine klare Aussage gefordert, nachgehakt, eine Deadline gesetzt – all die Dinge eben, die man nicht gerne tut, weil man eben nicht unfreundlich oder «der Arsch» sein will – oder weil man keinen Stress machen will. Ich spreche hier mal aus meiner Perspektive als Frau, die in der Regel häufig so sozialisiert sind, dass sie nicht rumzicken wollen. Männer, sagt man, sind da anders und gehen Konflikte direkt an. Tatsächlich erlebe ich dieses Verhalten auch häufig bei Männern – z.B. in genau diesem Fall.

Doch nicht gleich zu sagen, was man will, obwohl man für sich selbst die Entscheidung schon längst getroffen hat, führt nicht nur zu unnötigen Diskussionen. Es verursacht auch unnötige Mehrarbeit, die man sich schlicht hätte sparen können. Zum Beispiel weil man versucht, dem anderen seine Ideen irgendwie unterzuschieben nach der Devise «Das wird schon irgendwie gehen» – häufig geht es eben nicht.

Unklare Aussagen bedeuten unnötige Mehrarbeit

Auch dafür hatte ich letzte Woche ein Beispiel: Eine Autorin hatte mir angeboten, einen Artikel für Berufebilder.de zu schreiben. Da das Angebot nicht schlecht klang, habe ich zugesagt. Als ich den Artikel dan bekam, wurde mir schlagartig klar, was dahinter steckte: Im Text fanden sich an mehreren Stellen eindeutig Links, die zur Suchmaschinenoptimierung der Absender-Seite gedacht waren – gespickt mit jeder Menge Keywords und auf eine Art und Weise eben, auf die man normal eben nicht verlinken würde. Seeding, so der Fachbegriff für dieses Vorgehen. Ich habe den Artikel abgelehnt. Wenn die Autorin gleich gesagt hätte, um was es ihr geht, hätte sie sich die Mühe sparen können.

Mein Fazit daher aus diesen beiden Erfahrungen: Kleine Notlügen mögen moralisch vertretbar sein – für die Produktivität und effektives Zusammenarbeiten sind sie eher Gift. Welche Erfahrungen habt Ihr dieszbezüglich gemacht?

Bild: William Murphy auf flickr.com (CC BY SA 2.0)

 

Simone Janson

Simone Janson ist Kolumnistin für DIE WELT und betreibt mit über 100 Fachleuten das Blog http://berufebilder.de, laut ZEIT ONLINE eines der meistgelesenen Blogs für Beruf, Bildung und Karriere in Deutschland. Sie Kooperationspartner des F.A.Z.-Instituts, Beraterin und Referentin für Agenturen und Unternehmen wie die Deutsche Bahn, die Bundeswehr, Ärzteverbände oder diverse Hochschulen.

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2 Kommentare

  1. Schöner Beitrag! Konstruktiv gemeinte Kritik wird oft als Angriff auf die eigene Person gewertet und auch die mangelnde Kommunikation ist ein weit verbreitetes Problem. Aus dem Wunsch heraus, möglichst schnell zu agieren, nimmt man sich keine Zeit für Diskussionen. Wobei doch gerade das auf lange Sicht eine wesentlich höhere Produktivität, sowie besseres Arbeitsklima schaffen würde.

  2. Bei dem Artikel habe ich ein bisschen mehr Recherche erwartet. Sollte eher als Meinung und persönliches Argument deklariert sein. Ich meine, natürlich gibt es viele Fälle aus der persönlichen Erfahrung, aber es gibt mit Sicherheit auch ebenso viele Fälle, wo man sich viel Ärger erspart, wenn man Dingen aus dem Weg geht. Persönliche Meinungen sind so eine Sache, wenn keine Studie zur Hand ist, muss man darauf zurückgreifen ja.

    Norman.

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