Glück:
Ohne Geld zur inneren Zufriedenheit

Brauchen wir Geld, Gucci und Goldkettchen um glücklich zu sein? Eine neue Studie besagt das Gegenteil. Materialismus macht unglücklich.

Jeden Morgen die gleiche Szene: Ich stehe vor meiner Kleiderstange und denke mir, ich habe nichts anzuziehen. Wüsste ich es, wenn ich weniger Auswahl hätte? Wäre ich dann entschlossener und vielleicht auch glücklicher? Nicht, dass ich unglücklich wäre. Aber das Streben nach schönen Dingen kann schon anstrengend sein. Und hie und da spüre auch ich eine gewisse Unzufriedenheit, wenn ich dies oder das nicht haben kann.

Ein schönes Haus zum Beispiel, Luxusferien, eine Kellybag. Und zwei Sekunden später frage ich mich, wer denn solche Sachen überhaupt braucht? Leute mit einem niedrigen Selbstwertgefühl und Geltungsdrang. Materialisten, die sich über ihre Besitztümer definieren und immer mehr wollen. Nein, so möchte ich nicht sein.

Lebensziele beeinflussen Zufriedenheit

Bereits im Jahre 1993 untersuchten die beiden US-Psychologen Tim Kasser und Richard Ryan den Zusammenhang zwischen Lebenszielen und der empfundenen Zufriedenheit. Das Ergebnis besagt, wer in seinem Leben vor allem nach Geld und Besitz strebt, ist unglücklicher als jene ohne materielle Ansprüche. Für seine neue Studie Situational Materialism undermines personal social well-being (Gezielt platzierter Materialismus beeinträchtigt das Wohlbefinden) führte Professor Galen Bodenhausen von der Northwestern Universität insgesamt vier Experimente mit Freiwilligen durch.

Für das Foto-Experiment setzte er 50 Studenten in Einzelkabinen. Der einen Hälfte zeigte er Fotos von Luxusgütern wie Autos, Kleidung und Juwelen. Den anderen 25 wurden neutrale Bilder gezeigt. Danach beantworteten die Studenten Fragen zu ihren Gefühlen und Empfindungen und ihrem Freizeitverhalten. Sie gaben an, was das Betrachten der Bilder in ihnen auslöste. Ob sie glücklich waren, neidisch, gestresst oder traurig. Zusätzlich wollten die Forscher wissen, ob sie sich in ihrer Freizeit gerne mit Freunden trafen (Ausgehen, Parties), oder ob sie lieber alleine blieben (Lesen, Fernsehen).

Luxus macht ängstlich und traurig

Das Ergebnis: Wer Bilder von Luxusgütern gesehen hatte, fühlte sich wesentlich ängstlicher und trauriger – und verbrachte seine Freizeit lieber alleine. “Materialisten sorgen sich um ihre relative Position in der Gesellschaft”, schreibt Bodenhausen, “und das führt zu Ängsten, Misstrauen, Sorgen und Unzufriedenheit.”

Und wenn du dich dabei ertappen solltest, dein Glück an materiellen Dingen zu messen, schau dir den DOK Film “Glückskinder“ an. Wunderbares Porträt von fünf Menschen, die trotz Behinderung, bescheidenen finanziellen Verhältnissen oder gar Armut glücklich sind.

Und ich werde nun meinen Schrank ausmisten. Weniger ist mehr.

Bild: Paul Downey bei flickr.com (CC BY 2.0)

 

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10 Kommentare

  1. Wer würde schon zugeben Materialist zu sein? Mich zieht nicht runter, wenn ich mir stundenlang irgendwelche Gegenstände ansehe, die ich phasenweise vielleicht im Laufe meines Lebens erstrebenswert fand. Ich behauptet das, denn ich bin ein abgestumpfter Konsument penetranter Werbespots. Meine Frau und ich (Ende 50) haben keine Schulden und verdienen gemeinsam genug Geld, um ein gutes Leben zu führen. So weit müsste alles passen. Persönlich würde ich mich allerdings zu denen rechnen, die ängstlich und schon auch etwas unzufrieden durch die Welt von heute stapfen. Keine Ahnung, woran das liegt. Eigentlich müsste ich glücklich und zufrieden sein. Vermutlich ist es einfach der Überfluss, den viele von uns einfach nicht genießen können. Klingt vielleicht etwas komisch. Aber doch, in unserem Land gibt es heute viele Menschen, denen es eigentlich richtig gut geht und die trotzdem jammern – und das seit Jahren. Leider gehöre ich auch dazu.

  2. Ich kann mir nicht vorstellen das es unglücklich macht bspw. Produkte zu “bewundern” die man gern hätte und auf die man im Endeffekt stolz ist wenn man es Sein nennen kann. Natürlich gibt es viele andere Dinge die mich glücklich stimmen wie meine Frau oder mein Kind, aber warum weniger wenn es mehr sein kann.

  3. Interessant und einiges spricht dafür, dass Materialismus “unglücklich” macht (der Vergleich mit anderen, Neid, Verlustangst etc.), aber dieses Ergebnis halte ich für Unsinn: “Wer Bilder von Luxusgütern gesehen hatte, fühlte sich wesentlich ängstlicher und trauriger – und verbrachte seine Freizeit lieber alleine.” In der Persönlichkeitspsychologie nennt man das “Introversion“, wenn jemand lieber seine Freizeit allein verbringt. Das hat mit (Un-)Glück gar nichts zu tun und mit Materialismus auch nicht. Haben Sie, liebe Autorin, das vielleicht etwas sehr verkürzt wiedergegeben oder ist das wirklich das Ergebnis der Studie?

  4. So einen Unfug kann man nur schreiben, wenn man noch nie Sozialhilfe bekommen hat, wenn man nicht weiß, wie man sein nächste Brot kaufen soll, die nächste Stromrechnung bezahlen soll. Erst dann weiß man “Geld” zu schätzen und dass es sehr wohl glücklich machen kann, weil man wieder ruhiger schlafen und der nächsten Stromrechnung & Co. ruhig entgegensehen kann! Darüber sollte man mal nachdenken als das “Wohlstandsgejammer” auf hohem Niveau!

  5. Wer bezahlt eigentlich diese ganzen unsinnigen Studien, mit denen wir tagtäglich zugeschmissen werden? Gibt es keine wichtigeren Betätigungsfelder für unsere Herren und Damen “Wissenschaftler”?
    Wann hat sich endlich herumgesprochen, dass das Glücksgefühl ein inneres Geschehen ist und nur bedingt von äußeren Umständen abhängt? Es gibt unglückliche Reiche und unglückliche Arme. Und ebenso zufriedene Reiche und zufriedene arme Menschen. Mit allen Schattierungen dazwischen!

  6. Ich für meinen Teil glaube gar nicht das es unbedingt darum geht das “Matrialismus” glücklich macht oder nicht. Sondern darum den Fokus für das große Ganze nicht zu verlieren.
    Es ist absolut ok sich etwas besonderes zu Leisten, wenn man aber seine ganze Lebenszeit darauf hin ausrichtet mehr von allem zu haben wird man das was man hat nicht mehr schätzen können.
    Ein bekannter, ich nenne ihn mal Hugo, von Mir hatte vor Jahren sich eine PlayStation 1 mit ModChip gekauft und war Stolz darauf das Sie im vergleich zu meiner mehr Konte und er die Spiele für Rohlingpreise erhalten hat.
    Er gab stehts damit an das er das Spiel hat, oder jenes und auch Spiele die es hier gar nicht gibt usw.

    Ich selbst spielte nur wenige Spiele auf der PS1 da ich damals noch Schüler war und dem entsprechend nicht die Kohle hatte. Wenn ich aber mit Ihm mich über ein Spiel unterhalten wollte kam sehr schnell raus das er zwar Hunderte Spiele hat, aber keines davon länger als 10min gespielt.

    Es ging ihm nur um das mehr haben als andere, nicht darum das Spiel zu genießen. Ich glaube wenn man das unter “Materialismus” versteht ist es durchaus schlecht. Denn egal was Hugo noch besorgte, er wurde einfach nicht Satt (Zufrieden/Glücklich). Ähnlich ist es bei Leuten die 500 GB MP3s haben, aber nichts davon höhren oder Plattenweise Filme, aber nichts schauen.

    Insofern ist eine “Reduzierung” durchaus Sinnvoll. Mitnichten sogar notwendig.

  7. Meiner Erfahrung nach haben Glück und Erfüllung vor allem mit Selbstbewusstsein und der eigenen Lebenseinstellung zu tun.
    Unabhängig ob ich reich bin oder nicht.
    Geld und Macht halte ich vielmehr für anspruchsvolle Prüfungen unseres Charakters.
    Richard Branson scheint diese Proben ganz gut zu bestehen.

  8. bullshit.

    natürlich wird man eifersüchtig wenn man bilder von luxusgütern sieht, die man sie niemals leisten können wird.
    warum? – EBEN WEIL MAN WEIß, DASS MAN DIESE DINGE NIE HABEN WIRD.

    also sollte das fazit der studie ja wohl nicht sein, dass materialismus unglücklich macht, sondern dass NICHT reich zu sein unglücklich macht, sofern man luxusgüter etc. als erstrebenswert erachtet.

    peinlich, wie in dieser studie schlüsse gezogen werden. richtiges stammtischgerede

  9. Man kann es auch kürzer fassen: “reich ist nicht der der viel hat, sondern der der nicht viel braucht [um glücklich zu sein]“

Ein Pingback

  1. [...] sind gut aber lange Texte nicht und: “nicht zu oft posten”. Na dann.Einer noch: “Ohne Geld zur inneren Zufriedenheit“.VN:F [1.9.20_1166]please wait…Rating: 0.0/5 (0 votes cast)Eric KubitzEric Kubitz (Google+, [...]

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