Social Media:
Die Zukunft der Arbeit ist da

In den Postings dieser Woche haben wir uns über den Umgang mit Social Media Gedanken gemacht. Schön und gut – ist das aber für meine Arbeit wichtig? Ja: Mit Social Media haben wir heute die Instrumente, um in einer wissensbasierten Wirtschaft erfolgreich zu sein.

Social Media beziehungsweise die Tools und Instrumente, die sich grob dieser Kategorie zuordnen lassen, machen sich in der Arbeitswelt breit. An vielen Orten sind es nicht mehr wegzudenkende Mittel, um interne Prozesse umzusetzen. Mein Kollege Jan hat in diesem Artikel beschrieben, wie und welche Tools wir zum Beispiel bei unserem Verlag, der Blogwerk AG, einsetzen. Andreas Hiller hat vor einigen Monaten in einem Vortrag dargelegt, wie er E-Mails durch Wikis ersetzen will.

Es ist absehbar: Diese Instrumente werden nicht mehr aus den Büros und Betrieben verschwinden. Dass es diese Dienste und Programme gibt, ist nur ein Grund dafür. Viel entscheidender sind die grundsätzlichen Veränderungen in der Arbeitswelt: Der wichtigste Rohstoff ist heute das Wissen der Menschen. Bloss: Bis anhin hatten wir einen sehr unzulänglichen Werkzeugkasten dafür – Social Media können hier Abhilfe schaffen.

Wissensmanagement in den 90ern

Schon in den 90er Jahren hat man sich darüber Gedanken gemacht, wie denn nun dieses Wissen am besten «verwaltet» wird, also wie gelangt man zum notwendigen Wissen, wie macht man es zugänglich, wie nutzt man es und wie erweitert man das in einer Organisation bestehende Wissen. Viel war damals die Rede von explizitem und implizitem Wissen, also das in Organisationshandbüchern, Manuals und sonstigen Dokumenten explizit gemachte Wissen und das noch viel wertvollere, aber dummerweise in den Köpfen der Mitarbeitenden eingeschlossene implizite Wissen. Der zu zwei Drittel unter Wasser liegende Eisberg war eine beliebte Metapher und gehörte in jeden Wissensmanagement-Vortrag.

Yellow Pages für Mitarbeitende

Eine weit verbreitete Lösung war es, interne Datenbanken mit den Kompetenzen der Mitarbeitenden zu schaffen – wer weiss was und wie kann ich ihn erreichen. Dabei stiess man auf zahlreiche Herausforderungen – etwa wie hält man diese Datensätze aktuell, ohne riesigen Verwaltungsaufwand zu generieren. Oder das Problem, dass sich viele Leute gar nicht als Experten «outen» wollten – aus Angst vor der Flut von Anfragen. Die Diskussion ging deshalb auch darum, ob solche Massnahmen nun für alle verpflichtend sind oder ob man die Leute dafür begeistern sollte. Lebhaft ist mir noch der Best Case eines Unternehmens in Erinnerung, dass die Mitarbeitenden mit kleinen Schweizer Sackmessern ködern wollte…

Das Problem ist also «alt», die ersten Instrumente taugten aber wenig. Bis dann anfangs der 2000er Jahre irgendwelche Kellerkinder begannen, Webapplikationen und Programme zu schreiben, die eigentlich überhaupt nichts mit Wissensmanagement zu tun hatten. Ich weiss es nicht aus erster Hand, aber es scheint mir gerechtfertigt anzunehmen, dass Mark Zuckerberg nie eine Knowledge Management Applikation schaffen wollte.

Nerds lösen ein Problem, von dem sie nichts wussten.

Aber die Gemeinsamkeit war trotzdem gegeben: Die Frage der Wissensmanager war, wie man das Wissen in den Köpfen der Leute zugänglich macht. Und die Social Network-Leute fragten sich ebenfalls, wie Tools aussehen müssen, mit denen sich Menschen vernetzen können. Sie haben dazu Kanäle geschaffen, in denen möglichst einfach Informationen zwischen Menschen hin- und herfliessen können. Dabei lag der Fokus auf Einfachheit – die Eintrittsschwelle sollte so tief wie möglich sein.

Damit haben sie ein Problem der Wissensdatenbanken und der internen Yellow Pages gelöst – die Nutzung dieser Tools war einfach. Ausserdem haben sie mit einem weiteren Paradigma aufgeräumt: Demjenigen der Vollständigkeit. Eine Wissensdatenbank der 90er Jahre wurde auch daran gemessen, wieviel des Grunduniversums sie denn abdeckt. Diesen Anspruch haben Social Media fallen gelassen – sehr berechtigt, angesichts der schieren Unmöglichkeit des Anspruches. Aber mit dem Resultat: Besser einen Teil der Informationen sichtbar zu machen als gar nichts.

Wissen entsteht durch Teilen

Seither sehen wir eine Entwicklung in der Nutzung der Social Media: Die Menschen nehmen diese Instrumente und nutzen sie für ihr Wissensmanagement. Sie teilen Links, Videos oder Artikel. Sie machen sichtbar, gewichten, beurteilen und empfehlen Wissens-Stücke. Die Leute vernetzen ihr Wissen. Hätte man das einem Wissensmanager in den 90er Jahren erzählt, er hätte sehr feuchte Augen gekriegt: Alles freiwillig! Natürlich, und darüber hätte er sich vermutlich die Haare gerauft, es gibt keine Qualitätskontrolle und jeder kann da mitmachen.

Aber es funktioniert besser als zuvor und es scheint für den Moment, wie wenn diese Tools die beste Lösung für unser «Wissensproblem» darstellen. Das heisst, sie werden in sehr naher Zukunft fester Bestandteil unserer Arbeitswelt werden und dort zu wichtigen Instrumenten werden. Das ist keine gewagte Voraussage – wenn man den Markt der Collaboration Software etwas beobachtet, gibt’s genügend Hinweise dafür. Selbst Microsoft hat sich mit Yammer einen entsprechenden Dienst gekauft.

Digital Natives gibt es nicht

Was heisst das für uns, für jeden einzelnen? Das wir lernen müssen, diese Instrumente effektiv und effizient zu nutzen. Es sind neue Instrumente, niemand kann uns sagen, wie genau man sie verwenden sollte. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir ausprobieren, Erfahrungen sammeln, diese Erfahrungen teilen und diskutieren und von da aus weiterlernen.

Dasselbe gilt für unsere Kinder: Den viel beschworeren Digital Native gibt es nicht. Nur weil jemand mit Handy und Web aufgewachsen ist, heisst das nicht, dass er in dieser Zeit die notwendigen Kompetenzen erworben, um Social Media erfolgreich für Lernen und Arbeiten zu verwenden. Mit ein Grund, weshalb wir lernen müssen, mit diesen Instrumenten umzugehen: Damit wir dieses Wissen weitergeben können. Den Kopf in den Sand zu stecken bringt nichts – am Beckenrand lernt man nicht schwimmen.

Die Artikel unserem Schwerpunktes:

 

Thomas Mauch

Thomas Mauch ist Mitglied der Geschäftsleitung des neuerdings.com-Verlags Blogwerk AG und interessiert sich für Gadgets. Oder so.

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5 Kommentare

  1. Wir brauchen aber auch einen Paradigmenwechsel bei der Mitarbeiterführung und im Personalwesen: Weg vom Hochloben von Mitarbeitern, die sich Herrschaftswissen aufbauen und dieses nicht teilen, hin zur Wertschätzung von Mitarbeitern, die ihr Wissen teilen, damit alle profitieren können. Bisher ist es leider oft noch so, dass sich gerade diejenigen durchsetzen, die ihr Wissen nicht teilen und sich damit möglichst unverzichtbar machen. Die kooperativen Mitarbeiter, die ihr Wissen teilen, haben in solch einem System das Nachsehen. Wenn das alle durchschaut haben, setzt das im schlimmsten Fall einen Teufelskreis in Gang, in dem die Effizienz der ganzen Arbeitsgruppe durch völlig falsche Anreizstrukturen erheblich leidet.—Ich bin nicht vom “Fach” und bin mir sicher, dass sich andere schon weitaus tiefschürfendere Gedanken zu dieser Thematik gemacht haben, soweit nur meine unbedeutende Meinung…

    • Etwas überspitzt gesagt müssten die Mitarbeitenden, die am meisten twittern und sich an der Kaffeemaschine austauschen den höchsten Bonus erhalten :-) Aber im Grunde genau richtig: Silodenken und kleine Könige in ihren Gärten sind eine Plage für viele Unternehmen – und ein Hemmschuh für Profitabilität und Wachstum. Insofern stimme ich dir da sehr zu: Dafür sind noch ganz wesentliche Kulturveränderungen notwendig.

    • Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass immer mehr Arbeit automatisiert wird und damit die Rolle des Mitarbeiters immer stärker eine Kreative wird. Kreativität wiederum braucht Freiheit und Impulse.

      Außerdem ist es aktuell dank typischer Mechanismen, z.B. jüngste Beiträge nach oben zu stellen, sehr leicht mit ein wenig Einsatz zu beeinflussen wie ein Thema wahrgenommen wird und damit im Unternehmensumfeld Macht über wichtige Entscheidungen zu erlangen.
      Gleichzeitig droht durch die medientypische starke Verknappung von Themen eine zu starke Vereinfachung und damit sogar Wissensverlust. Das Problem daran ist nicht einmal die Atomisierung, sondern eher der Verlust eines Großteils der Verknüpfungen zwischen diesen Atomen.
      Zusammengefasst wird das Wissen zwar öffentlich, aber dadurch steigt auch die Notwendigkeit dieses Wissen gemeinsam verantwortungsvoll zu pflegen. Es ist meines Erachtens als Führungskraft kaum noch möglich in diesem Meer aus Wissen einen Überblick zu behalten, was noch ein Grund dafür ist Hierarchien zu verflachen und jeden einzelnen zu beteiligen.

      Zum Glück sorgt die Existenz der digitalen Welt teilweise von selbst für die dafür nötigen Eigenschaften. Die jüngeren Generationen achten immer mehr darauf, dass das Arbeitsumfeld zu ihnen passt und dass Hierarchien flach sind, weil sie den Vorteil dieser Arbeitsweisen und die Voraussetzungen dafür längst erkannt haben.

  2. @Martin L: Die Süddeutsche hat gerade gestern in einem Artikel beschrieben, welche Veränderungen Social Media bei der Otto Group auslösen – und was für kulturelle Herausforderungen auf die Chefs warten.

    Und zur Atomisierung des Wissens bzw. den fehlenden Verknüpfungen: Vielleicht sind die Ansätze von “Arbeit erzählen” oder Working out loud eine Möglichkeit, Wissen wieder zusammen zu kriegen.

    Es bleibt spannend!

  3. @Thomas, finde es schön, dass “Social Media” mal nicht als “Aha, also Facebook” sondern als Paradigmenwechsel genereller Natur verstanden wird. Davon sollte es mehr geben!

    Grüße aus Stuttgart,
    Michael

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