Reisen und Zeitverschiebungen:
Was passiert bei einem Jetlag? (I/II)

In den Urlaub fliegt man zur Erholung. Bloss was hat man davon, wenn man tagelang von üblem Jetlag geplagt wird? Einige Hintergründe und Tipps zum Umgang mit den Folgen der Langfliegerei.

Für viele gehört Jetsetting heute zum Berufsalltag. Erst kürzlich traf ich im Flugzeug einen Ingenieur, der gerade auf dem Weg nach Thailand war. Vor kurzem, erzählte er, sei er für eine Besprechung am gleichen Tag hin- und zurückgeflogen. Diesmal bleibe er zwar einige Wochen, werde aber am Tag nach seiner Rückkehr gleich weiter in die USA reisen. Was für ein Stress für den Körper – vor allem, wenn man so etwas ständig macht!

Doch auch bei normalen Urlaubsreisen, wie sie viele von uns mindestens einmal pro Jahr unternehmen, stellt sich die Frage: Wie hält der Körper solche Zeitverschiebungen aus, an die er sich durch die vergleichsweise kurzen Flugreisezeiten rasend schnell anpassen muss? Bei einer wochenlangen Schiffsfahrt etwa hätte der Körper deutlich mehr Zeit, sich anzupassen. Und wie geht man mit der Problematik am Besten um?

Die Crux mit der Chronobiologie

Der menschliche Körper folgt einem ganz bestimmten Rhythmus, der sogenannten Chronobiologie. Bestimmte Abläufe, etwa Schlaf- und Wachzeiten, sollten sich dabei idealerweise jeden Tag in einem regelmäßigen Rhythmus wiederholen – abgesehen von gewissen jahreszeitlichen Schwankungen. Die Chronobiologie beeinflusst dabei Blutdruck, die Pulsfrequenz, die Körperkerntemperatur und die Stimmung. Dafür sind Hormone verantwortlich, die in einem genau festgelegten Tagesrhythmus, dem sogenannten zirkadinen Rhythmus, ausgeschüttet werden.

Wenn dieser Rhythmus gestört wird, z.B. aufgrund von Zeitverschiebung, kann es zu körperlichen Problemen wie Appetitlosigkeit, Störungen des Temperaturempfindens, Kopfschmerzen, Bluthochdruck, Herzrasen, Magenbeschwerden, Übelkeit, Mattigkeit, depressive Verstimmung, oder Reizbarkeit kommen. Bei immer wieder kehrendem Jetlag lässt sich nach 5 Jahren ein erhöhter Cortisol-Spiegel im Blut nachweisen.

Was passiert im Körper?

Was genau bei so einem Jetlag im Körper abläuft, hat das Hormon Zentrum München in einer Veröffentlichung genau beschrieben:

 Das zentrale Hormon beim Menschen, welches den Tag- Nacht-Rhythmus synchronisiert, ist das Hormon Melatonin, auch Schlafhormon genannt. Es wird aus einem anderen Hormon, dem Hormon Serotonin, vor allem im Gehirn gebildet. Letzteres wird auch als Glückshormon bezeichnet, da es für unsere Stimmung und unser Essverhalten mitverantwortlich ist. Die Bildung von Serotonin im Gehirn ist stark lichtabhängig, weshalb seine Produktion im Winter und bei Lichtmangel abnimmt. Das ebenfalls im Gehirn gebildete Melatonin hingegen wird unter dem Einfluss von Dunkelheit freigesetzt. Deshalb sind auch die Tages-Melatonin-Spiegel im Winter viel höher. Die Folge: wir sind müder und neigen mehr zu Depressionen. Lichteinfall hingegen hemmt seine Produktion. Melatonin und Serotonin sind also natürliche Gegenspieler, die untrennbar miteinander verbunden sind. Das Zeitraster der Melatonin-Ausschüttung unterliegt übrigens einem für jeden Menschen individuellen Muster. Es handelt sich hierbei um eine Art von endokrinologischem Fingerabdruck! Das erklärt auch die großen individuellen Unterschiede bei der Toleranz von Schlafentzug.

Was man denn nun tut, wenn man tatsächlich unter Jetlag leidet, erfahrt ihr im zweiten Teil!

Bild: Frank O’Dwyer bei flickr.com

 

Simone Janson

Simone Janson ist Kolumnistin für DIE WELT und betreibt mit über 100 Fachleuten das Blog http://berufebilder.de, laut ZEIT ONLINE eines der meistgelesenen Blogs für Beruf, Bildung und Karriere in Deutschland. Sie ist Kooperationspartner des F.A.Z.-Instituts, Beraterin und Referentin für Agenturen und Unternehmen wie die Deutsche Bahn, die Bundeswehr, Ärzteverbände oder diverse Hochschulen.

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Ein Kommentar

  1. Definitiv eine unangenehme Eigenart unseres Körpers. Ich bin auf den 2ten Teil gespannt wie man mit Jetlags umgehen kann.

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  1. Reisenews sagt:

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