Blog statt Twitter und Facebook:
Effizienter Themenspeicher und nachhaltiges Lerninstrument

Blogs sind auch hervorragende Themenspeicher und Lerninstrumente. Und Dein Blog gehört Dir.


Vor kurzem hat Sascha Lobo in seiner Kolumne auf Spiegel Online den Niedergang der deutschen Blogkultur bedauert. Deren Grund sei, so Lobo, die Ausbreitung der sozialen Netzwerke gewesen:

„Soziale Befindlichkeiten werden heute auf Facebook geteilt, kurze Mitteilungen und Links auf Twitter und auf Facebook, Fotos auf einer der hundert Plattformen sowie auf Facebook, Videos auf YouTube und auf Facebook – für fast jede Art von Äußerung, die in einem Durchschnittsblog 2005 der Netzöffentlichkeit präsentiert wurde, gibt es heute ein eigenes Social Network. Und Facebook.“

Lieber Twitter & Facebook statt Bloggen?

Tatsächlich haben nicht wenige Unternehmen mittlerweile ihre Firmenblogs eingestellt und lassen ihre Kommunikation über Soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook laufen. So ist nach einer Studie der Universität Massachusetts der Anteil der Unternehmen, die einen Corporate Blog betreiben, 2011 auf 37 Prozent zurückgegangen – im Vergleich zu 50 Prozent in 2010. Ein Grund dafür ist der Zeitaufwand: Vielen Unternehmen erscheint es einfacher, kurze Nachrichten in Facebook oder Twitter zu veröffentlichen, statt ein Blog zu führen.

Doch die Denkweise greift zu kurz: Denn Soziale Medien mögen praktisch und bequem sein, doch langfristig führen sie, wie Lobo ausführt, dazu, dass man nur noch in einer Art geborgtem Internet kommuniziert – und die Informationen jederzeit verschwinden könnten, z.B. wenn Facebook oder Twitter die Geschäftsbedingungen ändern. Lobo war sicher nicht der erste, der dieses Thema in den Fokus rückte – sicher aber der Prominenteste.

Datenverlust kostet Zeit

So sind sind mittlerweile mehrere Fälle bekannt  (siehe auch in den Kommentaren!), in denen Google ohne Vorankündigung einfach einen Account mit allen darin befindlichen Daten, z.B. E-Mails, Kalender usw. gesperrt bzw. gelöscht hat – die betreffenden Personen hatten einfach von heute auf morgen keinen Zugriff mehr und auch keine Möglichkeit, ihre Daten runterzuladen. Da ich von einigen Unternehmen weiß, dass sie ihr Projektmanagement oder ihre Kommunikation über Facebook bzw. Google abwickeln, schwebt die stete Angst vor dem Datenverlust wie ein Damoklesschwert über den Unternehmen. Und dass Datenverlust alles, nur nicht zeitsparend ist, davon kann sicher der eine oder andere ein Lied singen. Bloggen auf einer selbstgehosteten Seite kann auf diese Weise viel Zeit sparen.

Das Blog zeitsparend als Archiv nutzen

Und mehr noch: Man findet die Informationen auch nach Jahren noch wieder. Zum Beispiel durch die Suchmaschinen. Wenn Du irgendetwas suchst, wirfst Du vermutlich zuallererst Google an. Und wie oft findest Du dann Einträge von Facebook-Pages oder Profilen? Doch eher selten. Blogs hingegen tauchen ziemlich oft ziemlich weit vorn in den Suchergebnissen auf. Ich wurde auf diese Weise schon zu Beiträgen interviewt, die ich vor Jahren geschrieben hatte – man hatte mich einfach gegoogelt.

Auch man selbst kann auf diese Weise alte Beiträge, Kommentare, Diskussionen wiederfinden – umso mehr, wenn man beim Bloggen auf eine übersichtliche Struktur achtet und die Beiträge vernünftig taggt. Stell Dir vor, Du hast vor Jahren mal einen spannenden Artikel gelesen und Dir dazu ein paar Gedanken gemacht. Wenn Du ihn bei Twitter oder Facebook gefunden hast, hast Du kaum Chancen, den Artikel wiederzufinden.

Im Blog hingegen genügen je nach Ordnung nur ein paar Klicks oder eine gute Suchfunktion. Für mich ist mein Blog daher nicht nur ein Kommunikationstool, sondern auch mein persönliches Themenarchiv, in dem ich Themen und Ansprechpartner sammle, auf die ich hinter- her wieder zurückgreifen kann. Bloggen ist also, langfristig betrachtet, die weitaus nachhaltigere und effektivere Kommunikationsform und auch ein Teil des persönlichen Wissensmanagement.

Bild: Chaz Evans bei flickr.com (CC BY NC SA 2.0)

 

Simone Janson

Simone Janson ist Kolumnistin für DIE WELT und betreibt mit über 100 Fachleuten das Blog http://berufebilder.de, laut ZEIT ONLINE eines der meistgelesenen Blogs für Beruf, Bildung und Karriere in Deutschland. Sie Kooperationspartner des F.A.Z.-Instituts, Beraterin und Referentin für Agenturen und Unternehmen wie die Deutsche Bahn, die Bundeswehr, Ärzteverbände oder diverse Hochschulen.

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7 Kommentare

  1. Dem ist nichts hinzuzufügen: Meins bleibt meins. Das eigene Blog ist das beste Archiv und macht obendrein mehr Freude als jeder flüchtige Facebook- oder Twitter-Eintrag.

  2. Auch mir wurde mein Google-Account einmal gesperrt, k.A. warum. Das Geheimnis: Eine Mail an Google schreiben. Es hat 4 Minuten gedauert, bis der Account wieder ging und eine Entschuldigung ankam.

    Ich verstehe allerdings nicht den Unterschied: Wenn mir ein Blog-Anbieter den Blog sperrt, oder ein Server-Anbieter den Server, dann bin ich doch genau so von dem abhängig. An meine Daten komme ich dann erst mal nicht mehr heran.
    Der einzige Unterschied ist evtl. noch, ob man für die Dienstleistung bezahlt und daher sein Recht einklagen kann (sofern man einen Schaden nachweisen kann). Aber ob das im sozialen Netzwerk oder im Blog passiert, ist doch egal.

    Die einzige sichere Möglichkeit der Datenaufbewahrung ist auf dem lokalen Speichermedium mit sicherem Backup und guter PIM, um alles wiederzufinden.

  3. Im Grunde kann ich dem zustimmen.

    Wenn man sein Firmenblog allerdings über Google+ führt, dann hat man, was die Google-Suchergebnisse angeht, sogar Vorteile. ;-)

  4. Christoph & Alexander: Jeder, wie er es mag. nein, es geht mir nicht um Bloganbieter alla tumblr, bei denen hat man das selbe Problem wie mit Google.
    Das mit der Rechnung ist ein gewaltiger Unterschied – denn ein Serveranbieter, der verdienen will, wird auch bei großen technischen Schwierigkeiten alles tun, um den Kunden zu halten. Habe ich selbst erlebt. Außerdem sperrt er vielleicht die Seite, die dann nicht mehr abrufbar ist. Die Daten aber sind noch da, z.B. in einer Datenbank oder im Backup.
    Für Google & Co. sind die User hingegen die Ware, nicht die Kunden. Daraus ergibt sich eine gewichtige Machtverschiebung.
    Und schließlich wird man seinen Webhosting-Anbieter in der Regel in Deutschland suchen, damit unterliegt er auch deutschem Recht. Normalerweise hat man hier auch einen konkreten Ansprechpartner, keinen anonymen Support-Service. Bei vielen gratis-Anbietern ist das anders.
    Ich wäre vorsichtig!

    Zudem gibt es einen anderen Aspekt, der praktisch ist: Man kann alte Artikel jederzeit wiederfinden, darauf verweisen und verlinken und so auch Inhalte, die einige Jahre alt sind, jederzeit mit anderen teilen. Ich nutze das z.B. bei Leser- oder Presseanfragen. Aber auch für die Vermarktung ist das hilfreich. Bestes Beispiel war ein O-Ton von Ursula von der Leyen, den ich Anfang Februar in Berlin aufgezeichnet hatte und indem sie die Zwangsrentenversicherung für Selbständige ankündigte: http://www.berufebilder.de/existenzgruendung/versicherung/ursula-von-der-leyen-talkt-mit-katharina-borchert-zu-arbeitswelt-im-wandel-ministerin-zur-pflicht-rentenversicherung-fuer-selbstaendige/ Der Artikel lief damals ohne nennenswerten Reaktionen so durch. Mitte Mai habe ich das Thema wieder aufgegriffen, http://berufebilder.de/ex…-fuer-selbstaendige/, den alten Beitrag verlinkt – und siehe da, während der neue Beitrag an einem Wochenende fast 400mal bei Facebook geliked wurde, waren es bei dem drei Monate alten Beitrag immerhin noch fast 200 likes. So ein nachträglicher Erfolg ist via Google+ einfach nicht möglich.

  5. Ein Blog lässt sich nicht nur als praktisches Archiv nutzen, sondern man ist auch stets Herr über seine eigenen Daten. Auch wenn der Hoster die Seite sperren sollte, hat man normalerweise ein DB Backup für alle Fälle zur Hand.

    Ich denke da nur an die neuen Datenschutzrichtlinien von Facebook. Wieso sollte ich meinen eigenen Content ausschließlich in fremde Hände geben,eventuell noch die Rechte daran verlieren und andere(im worst case) sogar noch Profit daraus schlagen lassen?

  6. Ein ganz banaler Aspekt ist auch die Länge der abgebildeten Informationen. Wenn ich auf dem Handy ein 800-Wörter-Status-Update via Facebook bekomme, kann der Verfasser davon ausgehen, dass sein Werk von mir ignoriert wird.

    Wie damals in der Schule: die Flirtereien wurden über Briefchen während des Unterrichts verteilt. Wer aber einen Liebesbrief verfasste, war der große Held. Ich wünschte nur, ich hätte diese Erkenntnis 20 Jahre früher gehabt :-)

    Beste Grüße aus Stuttgart!
    Michael

  7. Das schlimmste Phänomen bei Twitter & Co. ist die Tatsache, dass die Informationen nur für eine Zeit überhaupt sichtbar bleiben und dann in den tiefen Gründen der Speicher verschwinden. Und ich denke mal, niemand wird sich jemals die Mühe machen, die Daten wieder zu heben.

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  1. [...] Absolit: 5 Tipps für professionelle Email-Versand-Tools Mosaiq: Social Media Monitoring – Tools auf dem Prüfstand, Teil 1 Kai Thrun: Social Media: Inhalte kurzfristig planen und platzieren imgriff: Blog statt Twitter und Facebook [...]

  2. [...] weise ja in meinen Vorträgen und Artikeln wie zuletzt bei imgriff gerne darauf hin, dass es gewisse Risiken bietet, sich zu sehr auf externe Dienste zu verlassen [...]

  3. [...] Ein Beitrag zu diesem Thema von mir ist nun auch auf imgriff.com erschienen. Kommentare & [...]

  4. [...] Ein Beitrag zu diesem Thema von mir ist nun auch auf imgriff.com erschienen. Kommentare & [...]

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