Wissenschaftliche Arbeiten planen IV/IV:
Redaktion und Finish

Der «Rohbau» der akademischen Arbeit ist fertig. Alles Wesentliche ist gesagt, die vorgegebene Länge ist erreicht, aber noch liest sie sich wie ein Flickwerk. Wie wird daraus ein flüssig lesbarer, korrekter Text?


Kurz vor dem Ziel (istockphoto)

Kurz vor dem Ziel (istockphoto)

In der Arbeitsphase, in der es darum geht, eine wissenschaftliche Arbeit lesbar zu machen, ist ein «Strickmuster» hilfreich. Für mich hat es sich bewährt, beim Überarbeiten einer wissenschaftlichen Hausarbeit in vier Schritten vorzugehen:

  1. Inhaltliche Überarbeitung: Ist der Text inhaltlich richtig und vollständig? Enthält er überflüssige oder redundante Passagen? Letztere müssen, so weh das meist tut, gestrichen oder zumindest als Exkurse markiert werden, ggf. kann ein solcher thematischer «Ausflug» in eine Fussnote verschoben werden.
  2. Konsistenz prüfen: Ist der Text in sich widerspruchsfrei? Verwende ich das wissenschaftliche Vokabular in einer einheitlichen Weise?
  3. Strukturieren: Stimmt die Reihenfolge der einzelnen Teile? Sind die Übergänge stimmig?
  4. Sprachliche Korrektur: Sind meine Sätze vollständig und grammatikalisch richtig? Ist meine Sprache angenehm lesbar? Stimmt die Zeichensetzung? Habe ich alle Tippfehler und Rechtschreibfehler ausgemerzt?

Technische Helferlein
Im letzten Schritt kann Software helfen: Die Rechtschreibprüfung und Grammatikprüfung von Word und Openoffice können einem in puncto Rechtschreibung viel Arbeit abnehmen und die banalsten Fehler bereits ausmerzen.
Die automatisierte Rechtschreibprüfung und v.a. Grammatikprüfung kann jedoch eigenes Wissen um die Regeln nicht ersetzen.Sie kann z.B. nicht anmahnen, wann ein «das» und wann ein «dass» angebracht ist. Fachvokabular füge ich um der eigenen Nerven willen zum Benutzerwörterbuch hinzu, sonst gibt es beim abschliessenden Korrekturdurchgang so viele falsche Positive, dass mir dabei eigentliche Fehler schnell entgehen.

Korrekturlesen lassen – Vier Augen sehen mehr
Wer sechs, sieben, zehn Wochen intensiv an einem Thema und einem Text gearbeitet hat, wird oft betriebsblind – d.h. steckt so nah am eigenen Text, dass er seine eigenen Fehler nicht mehr wahrnimmt. Zum Teil lässt sich dem mit Auszeiten, «darüber schlafen» und allgemein einer guten Life-Work-Balance entgegenwirken, oft genug bleibt aber im studentischen Arbeiten kein Raum für solche Gegenmassnahmen. Hier hilft es sehr, wenn jemand, der selbst nicht unter Hochdruck an der Materie arbeitet, Korrektur liest.

Bei studentischen Hausarbeiten kommt es oft nicht so sehr darauf an, ob die korrekturlesende Person «vom Fach» ist oder nicht; das entscheidende Faktum ist der unbefangene Blick auf den Text, die Abwesenheit von Betriebsblindheit. Wer selbst nicht so tief in der Materie steckt, kann eher sagen, an welcher Stelle ausführlichere Erläuterungen notwendig sind, weil der Text vielleicht zuviel voraussetzt, was gestrafft werden sollte und welche Formulierungen unglücklich sind.

Wer Word-Dokumente verwendet, sollte unbedingt auf die Kommentarfunktion von Office-Paketen und die Änderungsverfolgung zurückgreifen. So lassen sich Änderungsvorschläge ohne weiteres rückgängig machen. Kommentare, die nicht direkt in den Text geschrieben werden, sondern mit der Kommentarfunktion gemacht wurden, kann man bei der Abgabe nicht übersehen.

(Realtime-)Kollaborative Editoren (z.B. Google Docs) sind bei diesem Arbeitsschritt segensreich. Kaum etwas trägt mehr dazu bei, die ohnehin in einer Abschlussphase schon angegriffenen Nerven noch mehr zu strapazieren, als Dokumente hin und her zu mailen und den Überblick über die Dokumente zu verlieren – es sei denn, man überlässt die Arbeit am Dokument während der Korrekturphase ausschließlich der korrekturlesenden Person und arbeitet nicht selbst am Text weiter.

Das Finish: Formales Polieren
Wenn auch die sprachliche Korrektur abgeschlossen ist, lohnt es sich, noch einmal einen Blick auf formale Einzelheiten zu werfen:

  • Sind alle Zitate korrekt formatiert bzw. als solche kenntlich gemacht und mit vollständigen, konsistenten Quellenangaben versehen?
  • Ist die Bibliographie vollständig und den Fachstandards entsprechend formatiert?
  • Stimmen alle sonstigen Verzeichnisse (Inhaltsverzeichnis, Abbildungsverzeichnis etc.)?
  • Sind Deckblatt, evtl. erforderliche Erklärungen etc. vorhanden und korrekt?
  • Entspricht die Formatierung der Arbeit den Vorgaben des Fachbereichs, Instituts oder Publikationsorgans?

Ich empfehle aus guten Gründen, die Formatierung bereits in der Vorbereitung zu berücksichtigen und nicht erst als Finish-Arbeitsgang: Von Anfang an sinnvoll festgelegte Formatvorlagen sparen eine Menge Arbeit und es kann damit sehr viel weniger schief gehen (so ist es auch unwahrscheinlicher, dass man z.B. vergisst, Zitate durch Formatierung als solche kenntlich zu machen, wenn man die Formatierung nicht jedes Mal neu zusammenklicken muss).
Sollte dann doch eine Änderung notwendig sein, kann sie elegant und schnell für alle Absätze, die mit einer bestimmten Vorlage versehen sind, durchgeführt werden.

Bevor die Arbeit in den Druck geht, ist es ratsam, sie als .pdf zu exportieren, insbesondere, wenn man sie nicht vom eigenen Rechner aus, sondern z.B. im Uni-Rechenzentrum oder in einem Copyshop drucken läßt. Nicht nur ist die Druckqualität aus .pdf-Dateien meiner Erfahrung nach höher, es ist vor allem gesichert, dass alle Bilder und Tabellen an genau dem Ort erscheinen, wo man sie platziert hat und die Formatierung mit dem übereinstimmt, was man selbst festgelegt hat.

Zeiteinteilung
Die obligatorische Frage: Wie lange dauern das Überarbeiten, Korrekturlesen und das Finish? Abermals ist das sehr vom Einzelfall abhängig – wie «roh» ist der Rohtext, den ich am Anfang der Überarbeitungsphase vor mir habe? Wie viel Änderungsbedarf besteht nach dem Korrekturlesen(lassen)? Wie viel ist bei der Formatierung, bei Quellenangaben, Erklärungen, beim Deckblatt und bei den Verzeichnissen noch zu tun?
Zur Orientierung will ich den Vorschlag von Otto Kruse nennen, der mir realistisch erscheint. Er hält für die Phase der Überarbeitung bei einer halbjährigen Arbeit 5 Wochen frei und für das Finish, das bei ihm allerdings auch das Korrekturlesen und das Einarbeiten der Korrekturen umfasst, noch einmal eine Woche (Kruse, Otto: Keine Angst vor dem leeren Blatt, S. 208), d.h. etwas weniger als 20% der Arbeitszeit für das Überarbeiten und den Rest für das Korrigieren.

Literatur
Kruse, Otto: Keine Angst vor dem leeren Blatt: ohne Schreibblockaden durchs Studium. Frankfurt/Main ; New York: Campus-Verlag 1994.

 

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2 Kommentare

  1. Vielen herzlichen Dank für die interessante Serie.

  2. Vielen Dank für diese gute Zusammenfassung aller wichtigen Punkte – super Inspirationsquelle!!! Für absolut essentiell halte ich in der Tat, wie Du auch erwähnst, mit Formatvorlagen zu arbeiten. Seit ich das Prinzip verstanden habe verbringe ich nicht mehr nervöse Sunden bis zur Abgabe, weil die Formatierung verhauen ist – zum Lernen hatte ich mir ursprünglich mal ein Template gegönnet (http://hausarbeiten.de/fa…vorschau/115877.html) Das kann ich nur empfehlen, denn nur so habe ich den Aufbau verstanden – inzwischen habe ich alles feingetuned und habe für alle eventuellen Fälle von Formatierungen einen passenden Formatvorlage – alles in dem ursprünglichen Modell integriert. Für den Anfang ging das übrigens auch ohnen Anpassung perfekt – man wächst ja bekanntlich mit den Aufgaben ;-) – ansonsten liebe ich Citavi zur Orga aller Zitate – so luxuriös und problemlos habe ich noch nie Literaturverzeichnisse und Fußnoten erstellt.

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