Regeln brechen:
Kreative Leute schummeln gerne

Kreative Leute neigen eher dazu, sich Vorteile zu erschleichen und Regeln zu brechen. Weil sie es können.

Vor kurzem haben wir uns auf die Suche nach Kreativität gemacht – aber kreativ zu sein, bringt nicht nur Vorteile. Das betrifft nicht nur die vielbeklagte Unordnung auf dem Schreibtisch, die sich kreative Menschen gerne genehmigen. In mehreren Studien zeigt sich, dass kreative Menschen gerne schummeln.

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Wenn geschummelt werden darf, machen das nur die Kreativen

In einer Studie haben Francesca Gino und Dan Ariely untersucht, ob kreative Menschen mehr schummeln. Dazu wurden zuerst die Kreativität und konvergente Intelligenz gemessen. Anschliessend wurden Aufgaben gestellt, für deren richtige Beantwortung die Test-Teilnehmer Geld erhalten haben. Der Trick war, dass die Teilnehmer selber angeben konnten, wie viele Aufgaben sie richtig gelöst hatten. Je kreativer ein Proband im ersten Teil des Tests beurteilt wurde, desto wahrscheinlicher mogelte er am Ende bei der Angabe der korrekt gelösten Aufgaben. Die konvergente Intelligenz hatte hier keinen erkennbaren Einfluss auf die Neigung zum Schummeln.

In einem zweiten Test hat man verschiedene Gruppen gebeten, Wortspiele zu machen. Dabei wurden für eine Gruppe Worte mit Bezug zu Kreativität verwendet und für die anderen nicht. Die Teilnehmer dieser einen Gruppe schummelten öfter als die der anderen Gruppen. Es reicht also, kreativ geprimed zu werden und schon fühlen wir uns im Recht, schummeln zu dürfen.

Daraufhin befragte Gino und Ariely Mitarbeiter realer Firmen. Waren diese Mitarbeiter in kreativen Firmen oder in kreativen Abteilungen tätig, so gaben sie deutlich öfter an, ab und zu mal Kugelschreiber und Druckerpapier mitzunehmen. Als Grund für dieses Verhalten gaben Gino und Ariely an, dass es kreativen, ideenreichen Menschen leichter falle, ihr unehrliches Verhalten zu rechtfertigen. Ihnen fallen einfach mehr Gründe ein, warum es OK sein könnte.

Innovativ oder adaptiv

In meinem Studium habe ich von einer anderen Begründung gehört. Es gibt das Kirton Adaption Innovation Inventory, kurz KAI. Das ist ein Test, wie Du kognitiv Probleme löst. Dabei unterscheidet dieser Test zwei gegensätzliche Einstellungen: adaptiv und innovativ. Ich will noch anmerken, dass es keine Feststellung ist, welches Ergebnis besser ist. Es gibt Situationen, in denen adaptive Problemlösung erfolgreicher ist und andere, in denen innovative Lösungsansätze besser sind.

Jedenfalls bedeutet das adaptive Ende des kognitiven Problem-Lösungs-Spektrums, dass Probleme eher evolutionär gelöst und kleine Änderungen bevorzugt werden, außerdem sind für Menschen dieser Ausprägung Regeln wichtig. Bist Du ein innovativer Problemlöser laut dem KAI-Score, dann bevorzugst Du revolutionäre Lösungen und große Änderungen. Und ganz wichtig: Regeln sind für Dich zum Brechen da.

Wir alle verteilen uns normal von adaptiv bis innovativ nach KAI: Die meisten von uns sind ohnehin irgendwo in der Mitte. Die Leute, die wir aber als kreativ einordnen würden, landen beim KAI eher auf der innovativen Seite. Und so halten sie im Extremfall jede Regel für etwas, was sie brechen dürfen.

Kugelschreiber wegschliessen

Kreative Leute neigen also eher zum Schummeln, soviel dürfte klar sein. Das bedeutet folgendes für Dich:

  • Bist Du selber kreativ, solltest Du diesen Artikel nicht Deinem Chef und Deinem Lebenspartner zeigen
  • Arbeitest Du mit kreativen Leuten zusammen, solltest Du Druckerpapier und Kugelschreiber wegschliessen

Bist Du gar Chef einer kreativen Abteilung, musst Du Dich um das richtige Maß an Kontrolle bemühen. Zuwenig davon, und die Leute schummeln gerne mal. Zuviel, und Du engst ihren kreativen Freiraum ein.

» Verhaltensforschung: Kreative Menschen schummeln eher (Spiegel Online)

Artikelbild: «Is the traditional business world at war with creativity?» von opensourceway bei flickr.com (CC BY 2.0)

 

Gregor Groß

Gregor Gross

Gregor Gross

Gregor Groß kam im Jahre des Herrn 1973 zur Welt, kurze Zeit nach dem Tode Bruce Lees. Ob es dabei wirklich zu einer Seelenwanderung kam, ist bis heute ungeklärt. Keine vierunddreißig Jahre später jedenfalls führte ihn sein Weg über einen asiatischen Zwischenstopp nach Brisbane, Australien, wo er Vertrauen in seine kreativen Fähigkeiten fasste.

Seitdem interessiert sich Gregor für Kreativität (darüber bloggt er auf www.denkpass.de) und dafür, wie man Aufgaben richtig organisiert und delegiert, ohne die Kreativität seiner Mitarbeiter zu behindern. Über dies und ähnliche Themen bloggt er hier auf imgriff.com.

Ansonsten versucht Gregor, tagsüber in einer seiner Firmen (alpha-board.de macht Elektronik-Design und Fertigungsservice, mashamo.de exklusive Kinder- und Babymode ohne Kitsch und Schnörkel, lieblingskaro.de Kinderzimmer-Ausstattung, Bettwäsche und Spielzeug im Karo-Look) möglichst viel zu lächeln und dabei kompetent zu wirken, prokrastiniert am liebsten mit Baseballstatistiken und Tageszeitungen und bildet sich Gottweisswas auf seinen Risotto ein.

Sonntagmorgens, wenn ihn seine Söhne um 5:32 Uhr unsanft wecken, wünscht er sich ein Zeitmanagement, das ihm Zeit zum Schlafen verschafft.

Gregor ist via Kontaktseite zu erreichen.

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Ein Kommentar

  1. Hm, also gut. Ich gebe keinen Link zu diesem Artikel weiter. Vorsichtshalber.

    Wobei, geht mir so spontan durch den Kopf: wie war das mit Umkehrschlüssen gewesen? Wenn nur die Kreativen schummeln, dann bedeutet das nicht dass die Kreativen generell schummeln. Das würde nun allerdings recht ‘kreativ’ sprich Philosophisch. Lasse ich besser. Ich könnte sonst noch auf die Idee kommen, dass ich das meine was ich sage. Predictably Irrational…

    Bleibt noch das kleine Wortspiel “Regeln sind zum Brechen da”.

    Ja, das sehe ich allerdings auch so :)

    Schöner Artikel. Thx!

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