Entscheidungen:
Wenn der Impuls trügt –
und zögern hilft

Intuition ist eine wichtige Fähigkeit, um Entscheidungen zu treffen. Bloss dem Bauch alleine solltest Du wichtige Fragen doch nicht überlassen. Einige Tipps, wie man auch unter Zeitdruck überlegte Entscheidungen trifft.

Wenn man Entscheidungsratgeber liest, geht es meist darum, Entscheidungen strukturiert Schritt für Schritt anzugehen. Eine Pro- und Contra-Liste aufzustellen ist da noch eine der einfacheren Methoden, die angeboten werden. In der Regel wird empfohlen, Informationen einzuholen, Kriterien aufzustellen und die gewonnen Erkenntnisse gegeneinander abzuwägen – auch rein rechnerisch. Im Endeffekt ist das vielen zu umständlich, es scheint zu mühselig, alle notwendigen Informationen einzuholen.

Eine aktuelle Studie zeigt z.B., dass fehlende Informationen oftmals die Quelle für Fehlentscheidungen sind. Das Forschungsunternehmen Kelton Research befragte 500 Vorstände, Manager und IT-Entscheider aus Deutschland und 16 weiteren Ländern. Die Studie hat untersucht, wie Unternehmen und Entscheider mit der stetigen Zunahme von Daten und Informationen umgehen. Ein Ergebnis: Deutsche Unternehmen, die bereits fehlerhafte Entscheidungen getroffen haben, geben an, dass die Daten veraltet waren (42 Prozent), zu ungenau waren (25 Prozent) oder aus fragwürdigen Quellen stammten (17 Prozent).

Bauchentscheidungen aus dem Kopf heraus

Ich bin kein Feind intuitiver Entscheidungen, im Gegenteil. Aber man muss sich klar machen, dass Bauchentscheidungen dann doch auch mit dem Kopf zu tun haben: Sie laufen nämlich im Prinzip genauso ab wie eine strukturierte Entscheidung – allerdings unbewusst und oft in Sekundenbruchteilen, sodass Du es nicht einmal wahrnimmst: Du hast ein Ziel vor Augen, wägst die Informationen ab – und entscheidest Dich für oder gegen eine Alternative. Wer hier schnell und sicher entscheiden kann, ist im Berufsalltag klar im Vorteil, denn er gilt als entscheidungsfreudig und selbstbewusst.

Doch bergen solche intuitiven Entscheidungen auch Risiken: Entgegen der landläufigen Meinung, nach der die erste, intuitive Entscheidung richtig ist, belegen zahlreiche psychologische Studien, dass es fast immer besser ist, sich umzuentscheiden, statt an der ersten Eingebung festzuhalten. Denn Änderungen machen viel häufiger aus einer falschen eine richtige Antwort als umgekehrt. Daher ist es gar nicht so verkehrt, wenn man gelegentlich eine Neigung zum Zögern verspürt und eine Entscheidung nochmals überdenken will – in der Mehrheit der Fälle zahlt sich das tatsächlich aus (und wer Zeit hat, sollte am besten darüber schlafen).

Fehlentscheidung durch Vereinfachung

Die Erklärung für dieses Phänomen ist simpel, wenn man sich klar macht, dass Menschen eine gewisse Tendenz haben, Sachverhalte zu vereinfachen: So selektiv, wie die menschliche Wahrnehmung ist, läufst Du bei intuitiven Entscheidungen schnell Gefahr, wichtige Informationen zu übersehen. Denn letztendlich fällst Du eine Entscheidung aus dem Gefühl aufgrund bisheriger Erfahrungen, persönlicher Vorlieben und Gewohnheiten, ohne diese Faktoren überhaupt bewusst wahrzunehmen. Eine spontane Entscheidung fühlt sich vielleicht nur deshalb richtig an, weil sie etwas bestätigt, was Du schon kennst. Doch kann sie genauso gut falsch sein.

Ein Tipp für alle, die dennoch schnell entscheiden müssen und sollen: Verschaffe Dir zunächst einen Moment der Klarheit. Nimm Dir Zeit. Allein. Wenigstens fünf Minuten. Diskutiere nicht und verschwende diese Zeit nicht! Mach Dir klar: Du brauchst die Pause, um optimal zu entscheiden. Notiere Dir: Wie entscheidest Du Dich spontan? Entscheidet Dein Kopf oder Dein Bauch? Analysiere rational: Worum geht es bei der Entscheidung konkret, wer und was ist betroffen? Bring Deine spontanen Gefühle mit dem Ergebnis Deiner rationalen Analyse zusammen: Wie entscheidest Du Dich, nachdem Du alles rational durchdacht hast?

(Artikelbild: Jeff Horsager bei flickr.com)

 

Simone Janson

Simone Janson ist Kolumnistin für DIE WELT und betreibt mit über 100 Fachleuten das Blog http://berufebilder.de, laut ZEIT ONLINE eines der meistgelesenen Blogs für Beruf, Bildung und Karriere in Deutschland. Sie ist Kooperationspartner des F.A.Z.-Instituts, Beraterin und Referentin für Agenturen und Unternehmen wie die Deutsche Bahn, die Bundeswehr, Ärzteverbände oder diverse Hochschulen.

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2 Kommentare

  1. Ich meine die aktuelle Studie brauche ich nicht wirklich zu lesen? Dass fehlende Informationen zu falschen Entscheidungen führen können, das glaube ich auch so.

    Nur, wenn ich alle Informationen hätte, dann bräuchte ich mich nicht mehr zu Entscheiden, dann wähle ich ganz einfach die bessere Alternative.

    Dass veraltete, zu ungenaue oder fragwürdige Informationen für Entscheidungen verwendet wurden, das wurde vermutlich im Nachhinein deutlich? Rückblickend? Entscheidungen treffen, das geht aber meistens genau in die andere Richtung. Nach Vorne.

    Nicholas Taleb hat das mal in einem Interview gesagt (aus dem Gedächtnis): Der Mensch hat ein so großes Gehirn um mit unvollständigen Informationen Entscheidungen treffen zu können.

    Die Ratio, hm, der ‘Homo oekonomicus’? Die Ratio wird wohl etwas überbewertet, das wiederum ist aber so ein Bauchgefühl von mir ;)

    Und wenn es Fehlentscheidungen durch Vereinfachung gibt, was ich nicht bezweifle, gibt es auch Fehlentscheidungen durch ‘Verkomplizieren’?

    Jede Entscheidung birgt ein Risiko. Das wiederum, auch aus dem Bauch, wird sich nie komplett vermeiden lassen.

    • Ich stimme dir zu. Aber meiner Meinung nach steht das nicht im Widerspruch zum Artikel, denn im Grunde geht es doch nur darum noch einmal alles zu überprüfen was dir zur Entscheidung zur Verfügung steht.
      Verwendest du alle vorhandenen Informationen? Wie schätzt du ihre Aktualität und Richtigkeit ein? Reichen diese Informationen überhaupt aus? Wie ist bei dem aktuellen Problem deine Risikopräferenz (und im Bedarfsfall die anderer Betroffener)?
      Die Ratio hilft gewissermaßen den Bauch auf Einzelprobleme zu fokussieren und wertet seine Antworten aus. Manchmal findest du so etwa eine “hidden agenda” deiner eigenen Intuition und kannst eine Art Selbst-Synergie herstellen wo sie selbst nur einen Kompromiss gefunden hätte.
      Letzlich geht es also um einen Tradeoff von Zeit und Qualität. Jetzt muss man nur noch eine Möglichkeit finden schnell zu entscheiden wo auf der Skala man sich einordnet, sprich wie viel Zeit man sich gibt – und das lässt sich in den Fällen wo es nötig ist fast nur mit der Bauch alleine bewältigen…

      PS: Ich sollte das Wort Autosynergie schützen lassen, das klingt wie Stoff für ein Management-Buch. ;-)

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