Wie wir morgen arbeiten werden:
Arbeitsgeräte der Zukunft

Unsere zukünftigen Werkzeuge sind Arbeitsgeräte für unterwegs. Ideal sind die heutigen Möglichkeiten dafür aber noch lange nicht.

In meiner Autorenvita steht nicht umsonst, dass ich nach dem perfekten mobilen Büro für unterwegs suche: leicht und klein genug für Handtasche oder Reiserucksack, aber dennoch praktisch genug, um möglichst viele Arbeitsgänge erledigen zu können. Und damit meine ich nicht nur E-Mailen, Im Internet surfen und Twittern, sondern auch Artikel schreiben, bloggen und vielleicht sogar noch Grafikbearbeitung.

Leicht, aber nicht leistungsfähig

Genau da fangen die Probleme an: Denn klein und leicht meint meist eben doch auch unkomfortabel zu bedienen und wenig leistungsfähig. Immerhin macht die Technik in letzter Zeit einige Schritte vorwärts, wie ich beim Test meines aktuellen Smartphones, einem HTC Desire S, feststellen durfte: Mittlerweile benutze ich unterwegs fast nur noch das Handy und habe das Netbook kaum noch dabei. Der Grund ist das Betriebssystem: Auf dem Netbook läuft ein traditionelles PC-System (zuvor Windows 7, jetzt Ubuntu 11.04), das für den Einsatz an großen Bildschirmen konzipiert ist: Fenster, die für einenen 10-Zoll-Bildschirm manchmal einfach zu klein sind, Menüleisten horizontal und vertikal und nicht zu vergessen der Mauseinsatz.

Auf einem 10-Zoll-Bildschirm wird ein solches Betriebssystem schnell zum Problem: Abgesehen von davon dass das mit Fenstern und Menüleisten bei einem kleineren Displays schnell unübersichtlich wird: Das tippen von Texten mag ja noch gut funktionieren. Spätestens aber wenn ich zwischen verschiedenen Anwendungen hin- und herswitchen will, wird das Touchpad auf dem kleinen Keyboard zu unhandlich. Und überhaupt: Spätestens um mal schnell zwischendurch einen Text im Internet lesen zu können, ist so ein Netbook viel zu unhandlich: Was fehlt, ist einfach der Touchscreen.

Smartphone: Besser als das Nebook?

Auf dem deutlich kleineren Smartphone geht das alles viel einfacher: Denn die Apps sind für die kleinen mobilen Bildschirme optimiert. Sogar bloggen und Kommentare bearbeiten finde ich auf dem Smartphone einfacher als auf dem Netbook. Und das will schon was heißen. Der Computer der Zukunft wird möglicherweise ganz anders funktionieren: Mit Touchpad und viel interaktiver als wir uns das heute schon vorstellen können – Star Trek lässt grüßen. Oder wie Johnny Haeusler schreibt:

Ich schätze, ich kann mittlerweile als computer-konservativ gelten, denn ich glaube, dass wir gerade den ersten wirklichen Hardware- und GUI-Umbruch seit der Mainstreamisierung des Internet erleben. Gerade die Selbstverständlichkeit, mit der Kinder Apples Touch-Interface benutzen, zeigt, dass die Tage der Mäuse, Fenster und Schreibtische gezählt sind.

Offenbar sieht auch Microsoft darin die Zukunft seines Betriebssystem. Während Windows 7 alles, nur nicht für kleine Bildschirme angepasst war, soll Windows 8 diesbezüglich den entsprechenden Durchbruch bieten, denn Microsoft sieht in Touchscreens die Bildschirme der Zukunft, wie die ZEIT schreibt:

Gemeint sind gleich mehrere Trends: der zu neuen Geräteklassen wie Tablets und Ultrabooks, der zur parallelen Nutzung mehrerer Geräte, vom Telefon bis zum Desktop-PC, der zur zunehmenden mobilen Nutzung – auf der Couch, im Bett oder unterwegs – sowie der steigende Grad an Vernetzung von Menschen und Applikationen.

Notebook oder Tablet?

Indes machen sich die Gerätehersteller Gedanken, wohin denn die Reise geht: Notebook oder doch eher Tablet? Tablets sind kleiner und leichter, für unterwegs also besser geeignet. Allerdings sind sie noch kein vollwertiger Computerersatz, wie Thomas am Beispiel iPad zeigt: Photoshop auf dem iPad wird wohl fürs erste noch ein Traum bleiben! Also doch lieber Netbook oder gleich Notebook? Kürzlich hatte ich die Gelegenheit, mit Peter Hortensius, Entwickler der Lenovo Thinkpads, zu sprechen: Nach seiner Einschätzung wird das Tablet das Notebook als Arbeitsgerät nicht ersetzen, weder was Leistungsfähigkeit noch Stabilität angeht. Wenn da mal nicht eher der Wunsch Vater des Gedankens ist. Ich glaube jedenfalls auch, dass Tablets über kurz oder lang vor allem Netbooks, aber auch Notebooks als mobile Arbeitsgeräte ablösen werden. Leichtigkeit ist im Bezug auf Mobilität einfach ein unschlagbares Argument.

Eine Alternative könnten höchsten die MacBook Air oder die neuen Ultrabooks sein, die Leichtigkeit und hohe Leistungsfähigkeit vereinen und – das freut mein Bloggerherz – auch mit entsprechend großen Bildschirmen daherkommen: Auf 13 Zoll lässt sich ja schon fast wie gewohnt arbeiten. Und auch einen guten Akku sollen sie haben. Aber natürlich wiegen sie immer noch über 1 kg, im Gegensatz zum iPad mit etwas über 600 Gramm, was wahrscheinlich auch der Tastatur geschuldet ist. Aber mal abgesehen, dass diese Geräte bisher auch fast doppelt so teuer wie ein Tablet sind: Sind Notebooks, die unsere bisherigen Gewohnheiten und traditionelle Arbeitsweisen bedienen, nicht vielleicht doch ein Schritt in die falsche Richtung? Wäre es nicht an der Zeit, Computing grundsätzlich neu, innovativer, mobiler und leichter zu denken? Was meint Ihr?

Nebenbei, was m.E. wirklich noch fehlt auf dem Markt: Eine richtig gute Kamera, mit der man tolle Fotos machen und so nebenebei noch seine Kommunikation abwickeln kann. Bei den vielen Menschen, die ich mit Kamera durch die Gegend laufen sehe, könnte das ein Knüller werden. Oder noch besser: Eine Art Plugin für die Kamera mit entsprechenden Funktionen ;-)

 

 

Simone Janson

Simone Janson ist Kolumnistin für DIE WELT und betreibt mit über 100 Fachleuten das Blog http://berufebilder.de, laut ZEIT ONLINE eines der meistgelesenen Blogs für Beruf, Bildung und Karriere in Deutschland. Sie ist Kooperationspartner des F.A.Z.-Instituts, Beraterin und Referentin für Agenturen und Unternehmen wie die Deutsche Bahn, die Bundeswehr, Ärzteverbände oder diverse Hochschulen.

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6 Kommentare

  1. Ich nutze seit wenigen Monaten nun ein Tablet für unterwegs (Motorola Xoom) und bin damit schon ziemlich zufrieden, habe sogar schon einmal einen Text darauf geschrieben. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase hat es sogar erstaunlich gut funktioniert. Auch das Bearbeiten von PDFs ist möglich, sodass ich von unterwegs auf Layouts schauen kann, im Bedarfsfall Kommentare einfügen kann. Da ich viele meiner Projekte in der Cloud habe, habe ich mit dem Tablet vollen Zugriff – Bildbearbeitung habe ich allerdings noch nicht ausprobiert. Sinnvolle Apps machen aber bereits vieles möglich… Verbesserungsbedarf sehe ich für für meine Arbeit vor allem noch für das schnelle Wechseln zwischen einzelnen Programmen. Bin ich länger unterwegs, habe ich aber meist auch ein Laptop dabei, da geht es doch flotter. Ich denke aber auch, dass sich die Möglichkeiten in Richtung Mobilität durchsetzen werden.

  2. Liebe Simone,
    wieder ein sehr interessanter Beitrag. Herzlichen Dank!
    Ich stimme mit Dir überein, dass es eine perfekte Lösung der digitalen Werkzeuge gibt. Was sicherlich auch an unterschiedlichen Bedürfnissen liegt. Meine Erfahrungen mit Smartphones, Netbooks und Notebooks sind ähnlich. Leistung vs. Gewicht und Größe. Deswegen hatte ich mich zunächst für einen hp tm2, ein kleines Notebook mit Touchfunktion entschieden. Es ist natürlich schwerer als ein Tablet oder Netbook, bringt allerdings ordentlich Leistung, sogar für Grafik-Arbeiten. Mehr Info hier:

    http://ideenouveau.de/methode/das-aus-der-maus/

    Liebe Grüße
    Thomas

  3. die wahl muss doch nicht zwischen netbook und tablet fallen… convertibles/netvertibles gab es doch schon lange bevor das erste ipad rauskam…

    das sind laptops oder auch netbooks, deren bildschirm so auf die tastatur gelegt werden kann, dass man dann einen tablet hat.

    IMHO die beste moeglichkeit: zum lesen und surfen den touch-bildschirm benutzen, fuer ernsthaftes arbeiten ausklappen und tastatur benutzen.

    diese rechner haben z.t. ordentlich horsepower und im gegensatz zu reinen tablets gibt es mehrere windows-basierte modelle.

    ein paar varianten:
    http://tabletblog.de/cate…/convertiblenetbook/

  4. Schön, dass die ultramobilen Devices hier thematisiert werden. Ich selbst nutze unterwegs seit zwei Monaten ein Samsung S2, bei Bedarf mit Apple Wireless Keyboard und Bluetooth-Maus, dazu ein kleiner Kunststoff-Falt-Ständer für das Smartphone. Das reicht völlig aus – und fertige Präsentationen habe ich auf dem USB-Stick dabei.

    Größter Vorteil: das alles wiegt 600 Gramm inkl. USB-Ladegerät – unschlagbar! Allein das unverzichtbare Notebook-Ladegerät wiegt 500 Gramm, vom Gerät ganz zu schweigen.

    Rührend die Reaktionen bei auswärtigen Besprechungen mit den Kollegen im Alter 35+:
    Was, ist das ein iPhone? – Nein, nur weil eine Apple-Tastatur davor steht, ist das noch kein iPhone.

    Oh, der Bildschirm ist aber klein! – 4,3 Zoll sind für einen Mittvierziger noch zu bewältigen, erst recht, wenn die Schriftgröße verstellbar ist.

    Damit kann man ja gar nicht präsentieren! – Ginge mit Adapter schon, aber dem Frust mit dem eigenen Rechner an fremden Beamern gebe ich mich schon lange nicht mehr hin. Also reicht USB-Stick, denn die Bearbeitung der Folien ist natürlich schon rechtzeitig im Büro abgeschlossen…

  5. Arbeite als Bauleitender Elektriker vor Ort.
    Habe dank iPad endlich mal alle Unterlagen ad hoc dabei Rest gibt’s per Mail
    Photos über iPhone an Firma
    Schriftliches per penultimate per iPad
    Ach ja alles in einer A5 Umhängetasche

    Was habe Ich früher rumgeschleppt ……..

  6. Hallo zusammen,
    @Christoph: Genau im wechseln zwischen den Programmen sehe ich auch die größten Schwierigkeiten. Bzw. ich glaube, dass wir uns da einfach kräftig umgewöhnen müssen.
    @Thomas: Danke für den Tip.
    @ff das stimmt, die ideale Lösung scheint mir auch ein Zwitter. Ist allerdings auch dann wieder eine Frage des Gewichts.
    @Oliver: Du hast recht, natürlich braucht man zum Schreiben nicht viel Platz. Spätestens aber wenn man zwischen zwei Programmen hin- und herswitchen will, wird es schwierig. Ansonsten finde ich die Idee genial!
    @Erwin: Ich bin begeistert, dass man auch mal iPad-Beispiele abseits der Freelancer-Branche findet – das habe ich gleich zu einem Artikel bei mir verarbeitet: http://berufebilder.de/ex…ung-und-auf-dem-bau/

    Meine persönliche Traumlösung hab ich grade glaub hier gefunden: Smartphone mit externer Tastatur und holographischem Bildschirm… Leider wohl noch Zukunftsmusik, aber in die Richtung sollte es m.E. gehen: http://berufebilder.de/ex…handy-oder-notebook/

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  2. [...] ein Social Web, wenn wir doch Siri… ähm… Maschinen haben. Aber zukünftig werden sich unsere Arbeitsgeräte eh verändern. Achso, und Berlusconian [...]

  3. [...] S vergleichsweise Nahe an das perfekte Arbeitsgerät heranreicht. Bei imgriff.com habe ich nun einen Überblick über die Arbeitsgeräte und -möglichkeiten von morgen gegeben. Meine perfekte [...]

  4. [...] Auch bei imgriff gibt es einen schönen Artikel dazu, wie man das iPad zum Beispiel als Speisekarte und für Geolocation nutzen kann. Was ich aber wirklich interessant weil außergewöhnlich fand, war dieser Kommentar eines Elektrikers auf dem Bau, der in seinem Kommentar schreibt: [...]

  5. [...] S vergleichsweise Nahe an das perfekte Arbeitsgerät heranreicht. Bei imgriff.com habe ich nun einen Überblick über die Arbeitsgeräte und -möglichkeiten von morgen gegeben. Meine perfekte Lösung wäre ja [...]

  6. [...] Auch bei imgriff gibt es einen schönen Artikel dazu, wie man das iPad zum Beispiel als Speisekarte und für Geolocation nutzen kann. Was ich aber wirklich interessant weil außergewöhnlich fand, war dieser Kommentar eines Elektrikers auf dem Bau, der in seinem Kommentar schreibt: [...]

  7. [...] Auch bei imgriff gibt es einen schönen Artikel dazu, wie man das iPad zum Beispiel als Speisekarte und für Geolocation nutzen kann. Was ich aber wirklich interessant weil außergewöhnlich fand, war dieser Kommentar eines Elektrikers auf dem Bau, der in seinem Kommentar schreibt: [...]

  8. [...] führt für Unternehmen bald kein Weg mehr vorbei.Vor einiger Zeit habe ich hier über meine persönlichen Wunsch-Arbeitsgeräte der Zukunft geschrieben: Klein und leicht sollten sie sein, eben ideal für die Handtasche, [...]

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