Das Multitasking-Experiment:
Die Vorteile, sich auf eine Sache zu konzentrieren

Konzentration ist die wichtigste Eigenschaft des Wissensarbeiters. Multitasking bringt nichts. Soweit sind wir uns alle einig. Aber funktioniert Monotasking? Ein Versuch.

Multitasking ist nicht gut, haben wir hier schon öfter geschrieben. Multi-Tasken erzeugt sogar schwächere Arbeitsleistung als bekifft zu arbeiten. Grund genug für Peter Bregman vom Blog des Harvard Business Review, eine Woche lang zu testen, wie es sich anfühlt, das Leben als Mono-Tasker.

Peter Bregman zeigt, warum Multitasking wenig Sinn macht:

Damit dürfte Multitasking die einzige bekannte Tätigkeit des Menschen sein, bei der man durch Übung schlechter wird. Bregman fand das alles so schrecklich, dass er sich zwang, eine Woche konzentriert nur an jeweils einer Sache gleichzeitig zu arbeiten. Hier seine Erkenntnisse:
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  • Erster Eindruck: es war herrlich intensiv, insbesondere wenn sich Bregman mit seinen Liebsten beschäftigte. Das kann ich selber bestätigen: wenn ich mit den Kindern was spiele, und nebenbei SMSe oder Mails beantworte, kriege ich wenig mit. Wenn ich mich voll auf die beiden Pappnasen konzentriere, ist es deutlich intensiver – und die Kiddies finden’s auch besser.
  • Signifikante Fortschritte bei schwierigen Projekten: Projekte, die Nachdenken und strategische Ideenfindung benötigen, bleiben bei Multitaskern oft liegen, weil sie zu zeitintensiv sind. Das war bei Bregman ebenso, bis er das Mono-Tasken ausprobierte.
  • Weniger Stress: siehe oben – wenn Multitasking den Stresslevel erhöht, tut Monotasken das eben nicht.
  • Keine Toleranz für vertane Zeit: Stundenlange Meetings, in denen er früher viel Mails verschickte und andere Sachen nebenbei erledigte, waren für Bregman beim Mono-Tasken kaum zu ertragen: er war fokussiert darauf, Dinge erledigt zu kriegen – und schnell gelangweilt, wenn es nicht vorwärts ging.
  • Sehr viel Geduld für nützliche Dinge: Weil nichts um seine Aufmerksamkeit buhlte, genoss Bregman die eine Sache, die er gerade machte (wie z.B. das Gespräch mit seiner Frau). Dem kann ich zustimmen: wenn wir zuhause neben unserer Selbständigkeit und den Kiddies mal Zeit finden, störungsfrei miteinander zu reden, dann ist das schön und mir fällt wieder ein, warum ich meine Auserwählte auserwählte.
  • Keine negativen Effekte: Bregman konnte keine negativen Effekte beobachten. Niemand beschwerte sich, dass Mails länger brauchten, um beantwortet zu werden. Keiner fiel vom Hocker, weil Rückrufe später erfolgten. Keine Projekte blieben liegen. Ohne Beanstandung hatte sich Bregman eine Woche gezwungen, die Dinge nacheinander zu erledigen statt alle gleichzeitig – und welches Wunder! Die Welt ging nicht unter.
Es wird höchste Zeit, dass wir alle uns das mit den schädlichen Effekten des Multitaskings zu Herzen nehmen, auch wenn es Leute gibt, die dafür die Stange brechen. Die negativen Folgen von Multitasking sind unübersehbar, die positiven Effekte des Mono-Taskings beachtlich. Es wird Zeit, dass wir unser Arbeitsleben diesen Erkenntnissen anpassen.
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(Bild: Dimitris Kalogeropoylos bei flickr.com / CC BY-SA 2.0)

 

Gregor Groß

Gregor Gross

Gregor Gross

Gregor Groß kam im Jahre des Herrn 1973 zur Welt, kurze Zeit nach dem Tode Bruce Lees. Ob es dabei wirklich zu einer Seelenwanderung kam, ist bis heute ungeklärt. Keine vierunddreißig Jahre später jedenfalls führte ihn sein Weg über einen asiatischen Zwischenstopp nach Brisbane, Australien, wo er Vertrauen in seine kreativen Fähigkeiten fasste.

Seitdem interessiert sich Gregor für Kreativität (darüber bloggt er auf www.denkpass.de) und dafür, wie man Aufgaben richtig organisiert und delegiert, ohne die Kreativität seiner Mitarbeiter zu behindern. Über dies und ähnliche Themen bloggt er hier auf imgriff.com.

Ansonsten versucht Gregor, tagsüber in einer seiner Firmen (alpha-board.de macht Elektronik-Design und Fertigungsservice, mashamo.de exklusive Kinder- und Babymode ohne Kitsch und Schnörkel, lieblingskaro.de Kinderzimmer-Ausstattung, Bettwäsche und Spielzeug im Karo-Look) möglichst viel zu lächeln und dabei kompetent zu wirken, prokrastiniert am liebsten mit Baseballstatistiken und Tageszeitungen und bildet sich Gottweisswas auf seinen Risotto ein.

Sonntagmorgens, wenn ihn seine Söhne um 5:32 Uhr unsanft wecken, wünscht er sich ein Zeitmanagement, das ihm Zeit zum Schlafen verschafft.

Gregor ist via Kontaktseite zu erreichen.

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12 Kommentare

  1. Super Beitrag, dessen Ergebnisse ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen kann. Man erlebt seine Tätigkeiten viel bewusster, intensiver und ist hinterher viel zufriedener. Ich würde mich freuen, wenn bald Stellenanzeigen auftauchen, in denen die Fähigkeit zum Unitasking nachgefragt wird. Freuen und darauf bewerben würde ich mich.

  2. Danke für das Lob. Ich bin jetzt bloß noch gespannt auf die Ergebnisse meines eigenen Unitasking-Experiments.

    Das mit dem Unitasking nehme ich jetzt wirklich mal in eine Stellenanzeige auf.

  3. Exakt getroffen! Der Flow – oder Joy of Work – kann nur funktionieren, wenn man nicht dauernd andere Dinge im Kopf halten muss. Störquellen zumindest zeitweise eliminieren, E-Mail mal aus.

    War auch ein Grund, dass wir mit flow.timer (http://info.flowtimer.net) das für “aus dem Kopf bekommen” gemacht haben. Eine schnelle Notiz (auch in so etwas langweiligem wie Zeiterfassung) für SPÄTER – und JETZT konzentriert an EINER Sache arbeiten.
    Ich hatte das mit dem Flow zuerst belächelt, aber da ist echt was dran. Eine Stunde mal alles abdrehen kostet wenig Nacharbeit (verpasste Anrufe etc.), aber das bringt echt so viel mehr Produktivität mit FREUDE und SPASS.

    • Flow ist etwas herrliches, super produktives und durch kaum eine Droge zu ersetzen. Aber benötige ich zum Unitasking einen Timer? Ich hoffe nicht. Und wenn ich einen hätte, würde ich ihn abschalten.

      (Nicht, dass Tools für Projektsteuerung ansonsten keinen Sinn hätten.)

    • Nein, eher im Gegenteil: Der Flow wird nicht mit einem Timer versorgt, sondern die lästigen Zeit-Einträge für Kleinigkeiten werden damit aus dem Kopf gebracht (statt dauernd im Hinterkopf zu lauern, um ja nich vergessen zu werden). Also nicht STOPP-Uhr im Flow, sondern alles wegräumen und auf den Flow konzentrieren.

      Das GTD verfolgt ja auch so einen Ansatz: Die Angst des Vergessens rausbekommen, und einen freien Kopf haben.

      Und dabei das (gute ;-) Gefühl haben, nix zu vergessen, das man verrechnen kann. Wir arbeiten ja für Lust, Befriedigung UND Geld ;-)

  4. Um Dinge ggf. schnell aus dem Kopf zu bekommen, reicht doch einfach das Offline-Produkt “Notizbuch”. Kein Aufruf einer Software evtl. sogar noch mit Login usw. Einfach nur schnell notieren und den “flow” nicht unterbrechen.

    • Klar reicht in zettel, aber dann muss ich nachtragen und mein Team bekommt das auch später. Ich sprech mir öfter mal auch was auf’s Handy im Auto, weil da geht auch kein zettel. Aber das nervt, weil das dann eben nicht wirklich erledigt ist. Insofer selbst begeisterter Anwender vom flow.timer ;-)

  5. Vielen Dank für diesen treffenden Artikel. Viele klagen darüber, nach der Arbeit nicht abschalten zu können. Das hat sich sicher durch die – an sich großartigen – technologischen Möglichkeiten noch verschärft. Es wird eine häufigere Erreichbarkeit erwartet. Wir müssen es deshalb lernen, nicht ab-, sondern umzuschalten. Nicht nur vom Arbeits- in den Freitzeitmodus, sondern je nach Rollen, Funktionen und Aufgaben z. B. vom Telefon- in den Konzepterarbeitungs-, Familien-, Vereinsvorstands- und Faulenz-modus. Wer jeweils ganz bei der “Sache” ist, hat sicher mehr vom Leben und das Leben von ihm.

  6. Genialer Beitrag. Das war mir noch garnicht richtig bewusst. Aber jetzt wo ich das lese, ergibt es durchaus Sinn =)

  7. Ich finde es interessant hier zu lesen das man 10 Punkte weniger beim IQ am folgenden Arbeitstag hat, wenn man eine schlaflose Nacht hatte.

  8. Dies ist ein essenzieller Beitrag. Er entspricht dem Handeln aus dem ZTD.

    DOCH: Wie setzt ihr das im Büro konkret um? Ich habe ein Versicherungsbüro. Hier rufen ständig Kunden an oder Mitarbeiter kommen um etwas zu fragen. Gerade auch die Mitarbeiter an der Telefonzentrale haben voll Stress, den ich gerne irgendwie abmildern würde. Single-Tasking ist aber hier kaum umsetzbar. Hat irgendjemand Umsetzungskonzepte für Dienstleister? Ich habe den Eindruck all diese Konzepte sind für Wissensarbeiter, die alleine zu Hause sitzen.

  9. @Arnd: Das kenne ich. In meiner Firma geht’s dem Vertrieb so und auch dem Einkauf, weil die ganz vorne sitzen, wo auch die große Telefonanlage steht.

    Unsere Lösung sieht so aus: Die Leute im Vertrieb sollen anrufen. Die Ablenkungen halten sie davon ab, wie z.B. Mail und eingehende Telefonate. Also leiten wir eingehende Telefonate um für gewisse Zeiträume. Die Mitarbeiter einigen sich, dass jetzt mal jemand alle eingehenden Telefonate annimmt – und die anderen kommen zum Anrufen.

    In E&L sieht es etwas schwerer aus. Da haben wir eine Azubi, die alle Anrufe entgegen nimmt und weiter leitet, damit die beiden Einkäufer ohne Störung arbeiten können. Das klappt aber nur teilweise, weil die Azubi nicht immer da ist.

    Du wirst also nicht erreichen, dass alle immer ungestört sind. Aber vielleicht schafft ihr es, dass jeder mal Teile des Tages konzentriert arbeiten kann?

    Folgende Ablenkungen müssen eliminiert werden:
    - Mail-Programm
    - jede Form von Benachrichtigung über irgendwelche elektronischen Nachrichteneingänge
    - Telefon
    - Kollegen, die plauschen wollen

    Die Kollegen braucht ihr aber nicht zu eliminieren ;-)

3 Pingbacks

  1. [...] noch -  zum Thema “Lebensglück”: Am Wochenende werde ich mir den Artikel auf imgriff.com durchlesen, in dem die Vorteile stehen, sich auf eine Sache zu [...]

  2. [...] So titelt ein neuer Beitrag eines Blogs, den ich nun schon einige Wochen verfolge. Darin wird von einem Selbstexperiment erzählt, Das Multitasking-Experiment: Die Vorteile, sich auf eine Sache zu konzentrieren: [...]

  3. [...] benötigen, schiebt man oft vor sich her und erledigt lieber die kleinen Aufgaben. Als Mono-Tasker stellt man sich diesen Projekten schneller, fokussiert allein auf diese Arbeit und lässt sich [...]

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