Nur keine Panik:
Wie positives Denken produktiv macht

Möglich ist, was wir für denkbar halten. Oft entscheiden wir also selber darüber, was geht und was nicht.

Gestern schickte mir eine Freundin aus dem Urlaub eine E-Mail: «Hier ist super Wetter. Und die Landschaft ist echt ein Traum. Nur gehen mir die Anderen auf die Nerven. Ich glaube, einige Leute brauchen halt immer etwas zu meckern.» Genau Letzteres ist eine Sache, die ich auch sehr oft bemerke: Viele Leute sehen eher die negativen Dinge denn das Positive. Zwar scheint noch die Sonne, aber man unterhält sich vorsorglich schon mal darüber, dass es morgen regnet. Eigentlich liegen wir mit unserem Projekt doch gut im Zeitplan. Aber werden wir auch wirklich rechtzeitig fertig werden? Oder: Momentan läuft alles super im Job. Aber bestimmt kommt demnächst wieder eine Wirtschaftskrise – und dann…

Schwarzsehen ist nützlich – aber..

Um das Vorweg zu sagen: Haare in jeder Suppe zu sehen oder Angst zu haben, ist durchaus nützlich. Tatsächlich ist das menschliche Gehirn sogar darauf ausgerichtet, negative Dinge stärker wahrzunehmen als positive – und so bleiben diese oft auch länger im Gedächtnis haften. Wichtig ist allerdings, dass dem Nachdenken eine zielgerichtete Handlung folgt. Wenn Du befürchtest, Du könntest ein Projekt nicht rechtzeitig beenden, solltest Du überlegen, ob Du wirklich alles dafür getan hast, es erfolgreich fertigzustellen. Wenn Du Angst hast, dass Du im Meeting die Kollegen oder Mitarbeiter nicht von Deiner Idee überzeugen kannst, solltest Du nochmals Deine Argumente durchgehen. Und selbst wenn Du glaubst, an der aktuellen Wirtschaftslage ja doch nichts ändern zu können: Statt sich sorgenvoll im Büro zu verkriechen und ängstlich-verbissen vor sich hinzuwerkeln, könntest Du genauso gut daran arbeiten, dass Du mit Deinen herausragenden Fähigkeiten im Unternehmen noch deutlicher wahrgenommen wirst und so Deinen Job sichern.

…man muss Dinge auch positiv sehen

Aber Du merkst schon: Damit aus der Angst und Sorge etwas Produktives entsteht, muss man die Sache dann auch positiv wenden. Damit Du aktiv wirst, um Dich für die nächste Wirtschaftskrise fit zu machen, musst Du auch an Dich und Deine beruflichen Fähigkeiten glauben. Und wenn Du Deine Kollegen im Meeting überzeugen willst, musst Du, auch wenn Du Deine Argumente noch mal von A-Z durchgehst, in allererster Linie von Dir selbst überzeugt sein. Das positive Denken ist es also letztendlich, die Deiner Angst produktive Flügel verleiht, um aktiv zu werden.

Problematisch ist, dass viele Schwarzseher genau diesen Schritt nicht gehen: Vielmehr verharren sie im Zustand immerwährenden Pessimismus. Das negative Denken wird zum Selbstzweck. Es soll Leute geben, denen das Spaß macht. Andere drehen sich grübelnd ziellos im Kreis, ohne zu handeln, während sie sich unentwegt Sorgen um eine Sache machen, an der sie ohnehin nichts ändern können. Im Extremfall sogar bis zur völligen Handlungsunfähigkeit, wenn sich aus anfänglicher Sorge allmählich Panik entwickelt, weil man zum Beispiel kleine Probleme verallgemeinert («Die Welt ist schlecht») und damit hoffnungslos aufbauscht. Und für manche wiederum ist genau die Handlungsunfähigkeit das (unbewusste) Ziel: Sie sind Schwarzseher aus Phlegmatismus. Denn nach dem Motto «Ich kann ja eh nichts daran ändern» lassen sie es dann auch lieber gleich sein. Ungefähr so wie eine andere Freundin von mir kürzlich: «Ich würde ja so gerne Bloggen. Aber wen interessiert schon, was ich zu schreiben habe.» Etwas mehr positives Denken und Glauben an die eigenen Fähigkeiten würde da sicher nichts schaden.

Das sagt die Wissenschaft

Das ist auch wissenschaftlich erwiesen: Der amerikanische Psychologe Jeff Galak von der Carnegie Mellon Universität setzte 30 Studenten einem unangenehmen Geräusch aus. Den einen sagte er, sie werden das Geräusch wieder hören, für die anderen war der Versuch beendet. Dann sollten alle das Geräusch bewerten. Es stellte sich heraus: Die erste Gruppe empfand das Geräusch als deutlich störender – und wäre bereit, dreimal mehr Geld auszugeben, um es nicht mehr hören zu müssen. Galaks Schlussfolgerung: Offenbar bereiten sich pessimistische Menschen nicht nur gedanklich auf das Schlimmste vor – sie sehen auch die Vergangenheit deutlich negativer und vergällen sich somit den Spaß und die Freude an einer Tätigkeit. Und lassen es dann lieber gleich ganz bleiben. Schade.

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4 Kommentare

  1. Oliver Springer
    schrieb am 20. Oktober 2011 um 18:02 Uhr (#)

    Sich überhaupt mit den eigenen Einstellungen zu befassen, sie sich bewusst zu machen, ist schon sehr hilfreich. Die meisten Menschen, das ist mein Eindruck, machen sich nicht klar, dass sie in diesem Punkt eine Wahl haben bzw. aktiv eingreifen können. Wie sie sich fühlen, nehmen sie eher als Schicksal an.

    Negative oder kritische Gedanken stellen ein wichtiges Korrektiv dar. Konzentrieren sollte man sich meiner Ansicht nach die meiste Zeit über auf die positiven Dinge. Das ist nicht nur für die Produktivität wichtig. Viel wichtiger ist schließlich, ob wir unser Handeln/Leben genießen.

  2. S. Arentz-Hildebrandt
    schrieb am 20. Oktober 2011 um 19:56 Uhr (#)

    Den meisten Menschen ist leider überhaupt nicht klar, wie viel Energie und Kraft es kostet, immer das Haar in der Suppe zu suchen… Immer mit dem Schlimmsten zu rechnen klingt zwar zunächst logisch, weil man dann nicht enttäuscht werden kann, aber mit dieser negativen Grundeinstellung durchs Leben zu gehen, macht doch niemandem wirklich Spaß, oder?
    Zudem bin ich davon überzeugt, dass wir mit unserer Wahrnehmung unsere Realität gestalten. Und diese Realität ist mit einer positiven Grundhaltung doch gleich viel schöner, oder?!

  3. Simone Janson
    schrieb am 27. Oktober 2011 um 16:11 Uhr (#)

    Danke für das positive Feedback! Das motiviert mich gleich unheimlich, produktiv weiterzumachen ;-)
    Simone Janson

  4. Positives Denken
    schrieb am 25. April 2012 um 11:02 Uhr (#)

    Wirklich ein ganz toller Beitrag Frau Janson. Vielleicht haben Sie Interesse in diesem Hinblick mal in unserem Infoblog zum Thema Positives Denken vorbeizuschauen? MfG Mentaltraining-Beckers

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