Die Notizbuchwelt im Spätsommer:
Viel neues aus der Welt des Papiers

Alle paar Wochen verlagern sich die Schwerpunkte in der Notizbuchwelt von einem Thema zum nächsten. Die letzten sechs Wochen fand ich besonders interessant.


Von Christian Mähler

Moleskine: Stilikone unter den Notizbüchern (pd Moleskine)

Moleskine: Stilikone unter den Notizbüchern (pd Moleskine)


Nachdem Thomas hier im Blog über mein neues kostenloses E-Book geschrieben hatte, war ich überwältigt von den Reaktionen. Es scheint mir, als wünschten sich viele Notizbuchbenutzer einen gewissen Grundstock an Regeln, die ihnen bei der Organisation ihres Buches helfen. Vielleicht erklärt das die Vielzahl an begeisterten Rückmeldungen und Anregungen, die ich erhalten habe.

Ungewöhnliche Notizbücher gibt es viele, und die comPENion Notizbücher gehören wahrscheinlich auch dazu – Auf meine Frage, was wohl die besten Notizbuchideen aller Zeiten sind kamen erstaunlich wenig Antworten; für Notizbuchfanatiker scheinen Notizbücher per se die beste Erfindung zu sein, Kommentar überflüssig.

The.hand.written.letter.project ist Ausdruck einer Bewegung, die man als Gegenbewegung zur zunehmenden Digitalisierung des Schreibens sehen kann. Diese Digitalisierung geht soweit, dass es nun sogar Dienste gibt, die einem das handschriftliche Verfassen von Postkarten abnimmt. Das ist schade, denn die Handschrift ist ein Kulturgut, das jeder Botschaft eine genuin persönliche Note verleiht. Wollen wir das wirklich preisgeben?

Analoges lässt sich womöglich leichter merken als Digitales und ich habe einer Studie gelesen, wonach Kinder das Schreiben einfacher lernen, wenn das Gehirn die Motorik der Handschrift mit dem Gelernten kombinieren muss. Schreiben lernt sich mit der Handschrift leichter als mit dem Computer. Digitales in Analoges zu transferieren ist übrigens eine Spezialität des “Kritzlers“.

Ein Notizbuch dient meist dem Erinnern und entpuppt sich dabei als verlässlicher Partner. In einer Studie wurde festgestellt, dass Menschen sich den Ort des Gespeicherten leichter merken als das Gespeicherte selbst. Das Internet übernimmt dabei zunehmen die Rolle eines “verlässlichen Partners”, als Ort des Gespeicherten, das man sich nicht explizit merken muss. Für viele Notizbuchnutzer ist auch das Notizbuch ein “verlässlicher Partner”, in dem man sich alle Arten von Informationen merken kann. Und das gilt nicht nur für Reiseerinnerungen.

Zu den besonderen Informationen, die man sich merken möchte, gehören die Inhalte eines Tagebuches. Manchen Menschen fällt es schwer, mit einem Tagebuch zu starten, dabei sollte jeder diese Erfahrung der persönlichen Reflexion einmal ausprobiert haben. Ein Tagebuch zu führen ist gar nicht so schwierig und außerdem bleiben alle Informationen privat. Das kann man vom modernsten Tagebuch des Planeten nicht behaupten: der Facebook Timeline. Hier “schreiben” Menschen plötzlich in aller Öffentlichkeit eine Art Tagebuch, das weit weg ist vom analogen Tagebuch als Werkzeug der Selbsterkenntnis und als Freund, der immer zuhört – auch bei Themen, die nicht alle etwas angehen. Dass Tagebücher mehr sind als nur Ansammlungen von Trivialitäten, zeigen auch die Vielzahl der Tagebücher in der Literatur und die intensive Nutzung von Notizbüchern bei Schriftstellern und Intellektuellen. Und wer dann doch sein analoges Tagebuch der Öffentlichkeit präsentieren möchte, kann dies auf einem Diary Slam tun. Die Motivationen, ein Tagebuch zu führen, sind sehr verschieden; ich bin mir sicher: wer es nie ausprobiert hat, hat etwas verpasst.

Natürlich gab es in den letzten Wochen auch einige Neuigkeiten von Herstellern, etwa die ersten Experimente mit dem SwoopBook von brandbook oder die Moleskine Bücher mit Peanuts und Pacman. Ich habe gelernt, dass Papier aus Elefantendung doch einen leichten Geruch hat, und dass Kalender auch das wunderschöne Design eines Metermaßes haben kann.

Jetzt kommt der Herbst, die Tage werden kürzer und die Abende länger. Viel Zeit für Notizbücher, schöne Schreibgeräte und das Kratzen eines Stiftes auf dem Papier.

Christian bloggt seit Mai 2009 täglich auf dem notizbuchblog.de und ist wohl die Webgrösse schlechthin, wenn es um Papier und Notizbücher geht.

 

Mehr lesen

Rückblick: Das Notizbuchjahr 2011

20.12.2011, 5 KommentareRückblick:
Das Notizbuchjahr 2011

Wenn es um Notizbücher geht, war 2011 ein bewegtes Jahr: Notizbücher, aus denen Blumen wachsen, Bleistiftspitzeraufsatz für Bohrmaschinen oder das Papier aus Elefantendung. Christian Mähler blickt für uns zurück.

Alle Notizen wiederfinden: Das Super-Buch und etwas Selbstdisziplin machen’s möglich

9.7.2014, 6 KommentareAlle Notizen wiederfinden:
Das Super-Buch und etwas Selbstdisziplin machen’s möglich

Man notiert und skizziert eine Idee auf einem Blatt Papier und schon wenig später sucht man danach. Das «Super-Buch» verspricht Hilfe. Ob's in der Praxis eine Verbesserung gibt? Ich hab's getestet.

Whitespace fürs iPhone: Kann mehr als die Notiz-App, ist einfacher als Evernote

20.9.2013, 1 KommentareWhitespace fürs iPhone:
Kann mehr als die Notiz-App, ist einfacher als Evernote

Evernote-Aficionados müssen an dieser Stelle nicht weiterlesen. Wer aber regelmässig auf dem iPhone Notizen erstellt und etwas mehr Funktionen möchte als mit der Standard-Notizen-App, sollte sich Whitespace anschauen. Ich habe diese einfache und ansprechende App unter die Lupe genommen. Sie hat mich allerdings nur teilweise überzeugt.

Mit Draft den Überblick behalten: Minimalistische Schreib-App mit Versionskontrolle

19.4.2013, 0 KommentareMit Draft den Überblick behalten:
Minimalistische Schreib-App mit Versionskontrolle

Nachdem Marcel Widmer diese Woche bereits erzählt hat, wie er mit iA Writer ohne Ablenkung schreibt, legen wir heute mit Draft nach: Die browserbasierte App bietet Online-Kollaboration wie Google Drive/Docs, aber darüber hinaus noch eine Versions- und Änderungskontrolle.

Fargo: Umfangreiche Listen anlegen und verwalten

26.4.2013, 4 KommentareFargo:
Umfangreiche Listen anlegen und verwalten

Mit Fargo stellen wir euch wieder ein web-basiertes Notiz-Tool vor, das aber den Fokus auf Listen und Gliederungen legt. Als Besonderheit speichert das Tool die Notizen im offenen OPML-Standard und synchronisiert die Dateien via Dropbox.

Mit Draft den Überblick behalten: Minimalistische Schreib-App mit Versionskontrolle

19.4.2013, 0 KommentareMit Draft den Überblick behalten:
Minimalistische Schreib-App mit Versionskontrolle

Nachdem Marcel Widmer diese Woche bereits erzählt hat, wie er mit iA Writer ohne Ablenkung schreibt, legen wir heute mit Draft nach: Die browserbasierte App bietet Online-Kollaboration wie Google Drive/Docs, aber darüber hinaus noch eine Versions- und Änderungskontrolle.

iA Writer: Texte schreiben ohne Ablenkung

17.4.2013, 12 KommentareiA Writer:
Texte schreiben ohne Ablenkung

Wer kennt sie nicht, die Angst vor dem weissen Blatt? Man hat die ersten Zeilen geschrieben, und schon kommt der Schreibfluss ins Stocken. Man schweift ab und lässt die Augen über Icons und Menus wandern. Die Gedanken sind jetzt überall, nur nicht dort, wo sie sein sollten: beim Text. Minimalistische Programme helfen, sich auf den Inhalt zu konzentrieren.

Kommentar schreiben

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

* Pflichtfelder