Selbstoptimierung:
Lifetracking Tool mit
ifttt, selbstgemacht.

Sich das eigene Verhalten bewusst zu machen, kann helfen, Gewohnheiten zu ändern – etwa ein Tagebuch zu führen. Nach drei Tagen lässt mein Elan aber häufig nach. Mit dem neuen Webservice von ifttt lasse ich nun «das Internet für mich arbeiten».

Hertzsprung-Russel-Diagramm (Bild: Anders Sandberg bei flickr.com, CC BY 2.0)

Hertzsprung-Russel-Diagramm (Bild: Anders Sandberg bei flickr.com, CC BY 2.0)

Lifetracking oder die Quantified Self-Bewegung liegen im Trend: Wir sammeln Daten über uns selbst, um unser Verhalten zu ändern und unsere Lebensweise zu verbessern. Das ist nichts Neues – ein Zeittagebuch etwa wird seit jeher als Ausgangspunkt für verbessertes Zeitmanagement empfohlen.

Neu ist die Technologie: Mit dem Smartphone erfasse ich beim Essen die Kalorien. Runtastic zeichnet die gejoggten Kilometer auf und archiviert sie.

Sanfter Tritt in den Hintern per E-Mail
Mir gefallen die E-Mail-unterstützten Webservices: OhLife, The Birdy oder iDoneThis haben wir schon vorgestellt: Jeden Tag erhalte ich z.B. von The Birdy ein Mail mit der Aufforderung, meine Tagesausgaben als Antwort zurückzusenden. The Birdy speichert die Daten und erstellt eine grafische Auswertung. Das tägliche E-Mail kann verhindern, dass ich mein neues Vorhaben nicht schon nach drei Tagen wieder «vergesse».

Die berechtigte Kritik an diesen Services: Vielfach gibt es keine Exportmöglichkeiten, meine Daten bleiben eingeschlossen. Ausserdem muss ich darauf vertrauen, dass der Anbieter meine Tagebucheinträge tatsächlich nicht an ein Boulevard-Blatt verkauft. Ein vor wenigen Tagen gelaunchter Webservice könnte hier aushelfen: ifttt

Auftritt ifttt: Das Beste seit langem
ifttt bietet mir die Möglichkeit, ein Lifetracking-Tool selbst zu basteln – und die Kontrolle über die eigenen Daten weitgehend zu behalten. Kollege Martin ist begeistert (Das Beste seit langem) und hat die Funktionsweise beschrieben:

Der vollständige Name der Site «if this, then that» (= ifttt, zu Deutsch “Wenn dies, dann das”) trifft es da eigentlich schon ganz gut: Nutzer können einzelne Applikationen und Prozesse verbinden und auf vielseitige Weise miteinander interagieren lassen, um sich ihren Internetalltag zu erleichtern und effizienter zu gestalten. Ein «Task» genannter Vorgang besteht dabei immer aus einem «Trigger» (Auslöser) und einer «Action» (Aktion).

Rund 35 Applikationen können miteinander verknüpft werden, Facebook, Twitter, Evernote, Mail oder der Google Kalender gehören dazu. Ein einfacher Task etwa wäre, ein neues Bookmark in Delicious automatisch als Tweet zu versenden. Oder ein Foto von Facebook, in dem ich getaggt wurde, in meiner Dropbox abzulegen. Das Tolle daran: Als Laie benötige ich etwa zwei Minuten, um einen solchen Task in ifttt aufzusetzen.

Prozessketten mit ifttt
Spannend wird es, wenn ich verschiedene Tasks zusammenhänge und eigentliche Prozessketten aufbaue. Zum Beispiel eben ein E-Mail-basiertes Lifetracking-Tool, um damit Dienste wie OhLife zu imitieren:

  1. Ich kreiere einen Task, der mir montags um 18 Uhr eine E-Mail schickt. Darin ist die Aufforderung enthalten, mein Tagesgewicht anzugeben.
  2. Dieses Mail schicke ich mit der entsprechenden Zahl an ifttt zurück.
  3. ifttt schickt das Mail an meinen Google Kalender und trägt dort mein Tagesgewicht ein.

Das gleiche funktioniert auch mit herkömmlichen Tagebucheinträgen, dafür aber lasse ich im dritten Schritt die E-Mail-Antwort an Evernote schicken. ifttt legt es automatisch in ein von mir definiertes Notizbuch ab.

Mein Leben in einer Nussschale. Oder in Evernote.
Ich habe die Idee weitergesponnen und mir ein nahezu vollständiges Lifetracking-Tool gebastelt:

  • Die erwähnten Tagebucheinträge mache ich mit den Task «E-Mail zusenden» und »Antwort in Evernote ablegen».
  • Meine Gewichtsstatistik lasse ich auch an Evernote schicken.
  • Ortsbasierte Infos bzw. meine Foursquare-Check-Ins archiviere ich ebenfalls per ifttt in Evernote.
  • Das Foto des Tages, das ich mit Instagram aufgenommen habe, geht ebenso via ifttt an mein Notiztool.
  • Wichtige Events in meinem Google Kalender kan ich mit einem Keyword versehen, die ebenfalls einen ifttt-Task auslösen – die Ablage in Evernote.
  • Dasselbe funktioniert mit dem Wetter: Jeden Tag um 18 Uhr lasse ich den aktuellen Wetterstand via ifttt in meinem Evernote archivieren.

Betrachte ich um Mitternacht mein Notizbuch in Evernote, habe ich meinen Tag in einer Nussschale vor mir: Meine Gedanken, meine Bilder, wichtige Treffen, besuchte Orte, meine Gewichtskurven, wie das Wetter war – was immer mir aufbewahrungswürdig scheint. Sei es, um aus den gesammelten Daten passende Massnahmen abzuleiten («Rotwein zum Essen wird für zwei Wochen ausgesetzt») oder mein Evernote-Notizbuch in ein paar Jahren mit meinen Grosskindern durchzublättern.

Schon cool, dieses Internet.

(Bild: Hertzsprung-Russel-Diagramm, Anders Sandberg bei flickr.com, CC BY 2.0)

 

Thomas Mauch

Thomas Mauch ist Mitglied der Geschäftsleitung des neuerdings.com-Verlags Blogwerk AG und interessiert sich für Gadgets. Oder so.

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14 Kommentare

  1. Wusstest du, das Evernote eine Beschränkung auf 100.000 Notizen hat? ;)

  2. wie machst du das genau mit der nachbildung des tagebuchs?
    Ich sehe keinen Task mit welchem ich ein Mail senden und auf eine Antwort reagieren kann.
    Hast Du dafür 2 Tasks gebaut?

  3. Das mit dem Wetterstand würde mich näher interessieren – wie bekommt man den aus ifttt heraus? Soweit ich sehen kann gibt es für “Weather” nur Trigger, keine Actions. Kommt das Wetter aus einer anderen Quelle?

    • @Dorit

      Trigger ist das Wetter, Action ist das Mail senden. Denkbare Actions wären natürlich auch Tweets oder in den USA SMS.

      Hier das Recipe für einen Task, der mich benachrichtigt, wenn die Vorhersage auf «Regen» umstellt: http://ifttt.com/recipes/1936

    • OK, das ist dann nicht das was ich möchte uns nicht das, was im Artikel steht: “Jeden Tag um 18 Uhr lasse ich den aktuellen Wetterstand via ifttt in meinem Evernote archivieren.”.

      Genau das hätte ich nämlich gerne: Ein Archiv des tatsächlichen Wetters jedes Tags.

      Statt dessen archivierst Du nur den Zeitpunkt des Wetterwechsels. Noch nicht mal das Wetter selbst zu diesem Zeitpunkt.

      Schade, das der Artikel so daneben liegt.

    • @Dorit: Verwende doch die RSS-Option ifttt und such dir hier http://www.rss-world.de/wetter.php den passenden RSS-Feed für deine Stadt raus.

      Abgesehen davon frage ich mich natürlich, wo der Mehrwert liegt, wo es doch Angebote wie http://de.meteoarchive.com/de/wetterarchiv.html gibt.

    • Stimmt, im Moment habe ich tatsächlich den Wechsel der Wettervorhersage abonniert, nicht das tatsächliche Wetter. Sorry!

      Und ja, es gibt für einige Tasks, die ich mit ifttt erledigen kann, andere Lösungen. E-Mails lassen sich auch direkt an Evernote senden, jeder Evernote-Account verfügt ja über eine spezielle E-Mail-Adresse.

      Aber als experimentellen Ansatz finde ich ifttt schon faszinierend. Bin gespannt, was da noch alles kommt bzw. welche Ideen auch von Usern für Tasks entwickelt werden.

    • Danke René, RSS-World hatte ich trotz heftigem gegoogle nicht gefunden. Jetzt muss ich nur noch einen Weg finden, wie ich den Inhalt des jeweiligen RSS-Eintrag (am liebsten so wie im Google Reader dargestellt) ablegen kann. Mal sehen.

      Das Wetterarchiv kann nur für einzelne Tage (plus Vor- oder Folgetag) abgefragt werden und die Abfrage kostet 12 Euro pro Wetterstation und Tag. Soviel ist mir die Spielerei nicht wert, zu einem späteren Zeitpunkt nachsehen zu können, welches Wetter zu Hause war, während ich vor zwei Jahren in Urlaub war, oder ob der April vor x Jahren tatsächlich soviel trockener war, als dieses Jahr.

  4. @ Michi: Genau, das sind zwei Tasks: Einmal lasse ich mir um 18 Uhr ein E-Mail mit einem spezifierten Hashtag zustellen. Ein zweiter Task hat die Aufgabe, das Mail, das ich zurücksende, an Evernote zuzustellen. Hier die beiden Recipe:
    Das automatische E-Mail http://ifttt.com/recipes/1933
    Weiterleiten an Evernote: http://ifttt.com/recipes/1934

    Mit «Recipes» kann man in ifttt erstellte Tasks anderen Nutzern zur Verfügung stellen – dann muss man nicht mehr selber bauen.

  5. Danke für den Artikel – dieser Service sieht echt sehr brauchbar aus, bin sehr gespannt wie sich das entwickeln wird.

  6. Hey, vielen Dank für den Post. Ich habe mich auch schon damit beschäftigt mit jeden Tag an ein Tagebuch erinnern zu lassen. OhLife habe ich dabei auch ausprobiert aber ich habe mir gesagt, wenn ich schon Gmail benutze dann kann das Gmail für mich auch!

    Und jetzt schickt mir gCal jeden Tag eine eMail und erinnert mich an das Event “How did your day go?”
    Praktisch, dass die Antwort automatisch an meine Adresse geschickt wird und mit dem Label “Journal” versehen wird.
    So kann ich ganz einfach in meinem Tagebuch browsen.

    Zusammengefasst findest Du das hier nochmal:

    http://alexandernast.blog…te-your-journal.html

  7. Ich nutze und empfehle dazu schon seit längerem ‘Momento’. Tagebucheinträge, Flickr Fotos, Foursquare Check-Ins in einem herrlich schönen Archiv, bloß ohne die Frickelei dahinter.
    momentoapp.com glaube ich..

  8. Zwei Dinge kommen mir da in den Sinn:

    1. Will ich wirklich, dass all diese Daten erfasst werden und will ich diese Daten vor allem auch noch zentralisiert gespeichert haben? – Aber das liegt vielleicht an meiner leichten Datenschutzparanoia

    2. Bringt es mir persönlich viel mehr, mich hinzusetzen, mein Buch aufzuschlagen, durchzuatmen, zur Ruhe zu kommen und meinen Tag aufzuschreiben. Das muss dann nicht unbedingt der genaue Tagesablauf sein, ist meist auch nicht wirklich ein Tagebucheintrag, sondern eher eine Momentaufnahme meiner Gedanken über den Tag. Ich habe aber in dem Moment das Gefühl, dass ich diese Sache aufgeschrieben und damit abgeschlossen habe. Automatisiert funktioniert das für mich nicht, aber das ist sicherlich Geschmacksache.

3 Pingbacks

  1. [...] im September bei unserem Schwesterblog imgriff.com, wie sich ifttt als Lifetracking-Tool einsetzen lässt.ifttt hat sich zu meinem persönlichen Assistenten entwickelt, der meine bevorzugten Onlinedienste [...]

  2. [...] Facebook-Apps etc. zu finden – hier schafft ifttt eindeutig Abhilfe und erlaubt allerlei andere Optimierungen des digitalen Alltags. Nutzer von Android-Smartphones können mit Apps wie zum Beispiel Smart-Settings oder Llama [...]

  3. [...] Selbstoptimierung: Lifetracking Tool mit ifttt, selbstgemacht. › imgriff.com [...]

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