Die Zukunft der Arbeit:
The Freelance Revolution

In den USA manifestiert sich ein Trend mit Schlagworten wie «Freelance Revolution», «Gig Economy» oder «Freelance Nation»: Immer mehr Menschen haben den traditionellen Karriereweg aufgegeben und sind als Selbstvermarkter unterwegs.

Sie arbeiten für mehrere Auftraggeber, gehen verschiedenen Tätigkeiten nach und tun dies als Selbständige, Teilzeitangestellte oder temporär verpflichtete Arbeitnehmer. Aktuell verstärkt wird dieser Trend durch das Phänomen der «Jobless Recovery» in den USA. Unternehmen profitierten nach der Finanzkrise von einem milden Aufschwung, ohne dass die Zahl der Arbeitslosen sank. Entsprechend finden sich viele Arbeitnehmer unfreiwillig in in neuen Arbeitsformen wieder. Mehr und mehr suchen aber Menschen auch diese neue Selbständigkeit.

Das Unternehmen entscheidet nicht mehr für Dich
Lynda Gratton von der London Business School beschreibt im Economist die veränderte Beziehung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Jeder Arbeitnehmer müsse heute für sich selbst Verantwortung übernehmen – die Firma tut es nicht mehr. Die bisherige «Eltern-Kind»-Beziehung zwischen Unternehmen und Mitarbeiter wird mehr und mehr zu einem «Wir stehen uns auf Augenhöhe gegenüber».

In dieser neuen Situation müssen Arbeit- (oder eben Auftragnehmer) verstärkt in die eigenen Fähigkeiten investieren. Das eigene Lernen wird wichtiger, sich ändernde Anforderungen des Marktes verlangen alle paar Jahre nach neuer Expertise. Gatton empfiehlt auch, vermehrt «soziales Kapital» aufzubauen: Also das eigene Netzwerk erweitern und pflegen und sich damit neue Gelegenheiten schaffen. Social Media-Kanäle wie Facebook oder Xing werden damit immer wichtiger.

Raus aus der Knechtschaft
Der selbständige Knowledge Management-Spezialist Harold Jarche unterstreicht in seinem Blogposting The Freelance Revolution die Wichtigkeit dieser neuen Tools: Es wird immer einfacher, sich dank Linkedin oder Facebook mit anderen Selbständigen zu vernetzen. Obwohl sein Leben als Freelancer ab und an einer Achterbahnfahrt ähneln würde, würde er nicht zurückkehren: Selbstauferlegte Knechtschaft ist seine Bezeichnung dafür.

Irving Wladawsky-Berger beschreibt auf seinem Blog seinen New Style of Work: Nach 18 Jahren als «Organisational Man» bei IBM hat er sich nach der Pensionierung selbständig gemacht. Er verweist ebenfalls darauf, dass vor allem technologische Entwicklung diese Art des Arbeitens möglich mache. Ein Tool ist ihm dabei besonders ans Herzen gewachsen: Sein Blog. Für ihn ist es der rote Faden durch sein vielfältiges Arbeitsleben. Es ist seine Konstante in einem Arbeitsleben mit ganz unterschiedlichen Themen für verschiedene Institutionen. Und, so Irving, sei es vor allem ein mächtiges Tool für das Selbstmarketing.

Der Multiple Income Stream
Sara Horowitz ist eine der Gründerin der Freelance Union, einer Nonprofit-Organisation, die die Anliegen und Interessen dieser neuen Arbeiterschicht vertreten will. Die Organisation erfreut sich eines beträchtlichen Wachstums: Mit heute 150’000 Mitgliedern rechnet man in den nächsten 18 Monaten mit rund 100’000 neuen Freelancern. In einem Artikel in The Atlantic beschreibt Horowitz, wie die neue Karriere aussehen wird: «Heute besteht eine Karriere daraus, verschiedene Arten von Arbeit für ganz unterschiedliche Kunden zu erledigen; man muss lernen, sich selbst zu vermarkten und die eigene Buchhaltung zu erledigen und man richtet sich Arbeitsplätze im Schlafzimmer, in Coffee Shops oder in Coworking Spaces ein.»

Für sie ist das «Multiple Income Stream»-Modell kennzeichnend für die neue Arbeitssituation. Jeder und jede von uns hat nicht nur einen Job in einem Praxisfeld. Einige von uns arbeiten als Anwalt und als Küchenchef, als Lehrerin und als Buchautorin – verschiedene Karrieren basierend auf verschiedenen Talenten.

There’s an app for that
In den USA sind auch die ersten Service Provider auf den Plan getreten, die die neuen Bedürfnisse der Marktteilnehmer in einer «Gig Economy» erfüllen wollen. Dabei geht es naturgemäss vielfach um die Vermittlung von Aufträgen und Arbeitsgelegenheiten. Gigwalk ist ein Webservice, der kleine Gigs via iPhone zugänglich macht – in wenigen Wochen startet der Dienst auch in Deutschland. The Next Web hat hier verschiedene Services wie «Skillshare», «Task Rabbit» oder «MyGuidie» vorgestellt.

 

Thomas Mauch

Thomas Mauch ist Mitglied der Geschäftsleitung des neuerdings.com-Verlags Blogwerk AG und interessiert sich für Gadgets. Oder so.

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3 Kommentare

  1. Eine hervorragende Möglichkeit um seine persönliches Geschäftsmodell als Freelancer zu entwickeln stellt das Business Model Canvas von Osterwalder. Hier ein Artikel dazu.

    Business Model Canvas Artikel

  2. der soziologische trend hin zu immer mehr freelance-arbeitsverhältnissen (die arbeitsministerin würde sicherlich von pekären arbeitsverhältnissen sprechen) entspricht auf jeden fall der lebenswirklichkeit von immer mehr menschen.

  3. Toll, dass hier die Coworking Spaces genannt werden! Vielleicht kommt der ein oder andere Freelancer mal nach Málaga an die Costa del Sol, Südspanien. Wir haben ein Büro im Zentrum der Stadt (600.000 EW), welches sehr gut erreichbar ist (mit Zug/Taxi in 20min vom Flughafen). Die Geschäfträumne sind nur 15 Minuten zu Fuß vom Strand entfernt. http://coworking-malaga.org/

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