Coworking Spaces:
Innovationstreiber in einer
neuen Arbeitswelt

Das Internet macht die Welt kleiner – Distanzen existieren nicht mehr. Trotzdem hält der Trend zur Konzentration von Arbeits- und Hirnkraft weiter an. Aus gutem Grund wie die Beispiele erfolgreicher Coworking-Spaces zeigen.

Ein Grund, warum ich mich vor einigen Jahren selbstständig gemacht habe: Ich bin überzeugter Solo-Worker, das heißt, ich liebe es, alleine und ungestört zu arbeiten und sah diese Möglichkeit in einer Festanstellung damals einfach nicht. Um so skeptischer stehe ich der Option gegenüber, sich temporär oder dauerhaft mit anderen Freiberuflern zusammenzuschließen – sogenannte Bürogemeinschaften, Unternehmer-WGs oder Coworking. Wenn man mal von den Momenten absieht, in denen einem die Decke auf den Kopf fällt, was zugegeben in einer Großstadt wie Berlin ziemlich selten passiert. In Kleinstädten oder ländlichen Gegenden mag das, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, anders sein.

Als ich dann im letzten Jahr gebeten wurde, für ZEIT ONLINE Coworking-Spaces in Berlin zu testen und daraus eine kleine Testreihe für mein Blog entwickelte, fing ich dann aber trotz meiner Skepsis an, mich näher mit kooperativen Arbeitsformen zu beschäftigen. Denn die liegen voll im Trend.

Studie zur Zukunft der Büroarbeit
Nach einer Studie, für die das Unternehmen Johnson Controls Global WorkPlace Solutions (GWS) 1.700 Büroangestellte in sieben Ländern befragte, erwarten viele Arbeitnehmer, dass Büroarbeit der Zukunft wesentlich stärker in Teams stattfinden wird, als das heute der Fall ist. Und auch der typische Büroarbeitsplatz wird sich wahrscheinlich verändern. Während derzeit nur ein Fünftel der Befragten häufig Team-Arbeitsbereiche mit speziellen Technologien zur Zusammenarbeit nutzt, werden dies in neun Jahren vermutlich bereits 52 Prozent tun. Umgekehrt sinkt die Bedeutung von traditionellen Besprechungsräumen. Zudem gehen die befragten Büroangestellten davon aus, dass sie im Jahr 2020 die Möglichkeit zu Webkonferenzen, Instant Messaging und Videokonferenzen deutlich häufiger nutzen werden. Wie solche Tools zum Einsatz kommen, hat Thomas am Beispiel Google+ sehr schön gezeigt.

Kooperatives Arbeiten als Innovationstreiber
Bei meinen Recherchen zum Thema habe ich allerdings etwas Interessantes festgestellt: Zwar gibt es auch immer öfter Coworking-Büros in kleineren Städten, dort sind sie aber eher Ausnahme als Regel. Interessanterweise boomen kooperative Arbeitsformen ja gerade in Großstädten, in denen den Bewohnern sonst genug Abwechslung geboten wird. Die reine Langeweile kann es also nicht sein, die Coworker zusammentreibt. Es muss andere Gründe geben.

Die Erklärung dafür fand ich bei Tim Harford, der auf Seite 246 seines Buches Die Logik des Lebens (Affiliate-Link) feststellt: «Alles, was ich für meine wissensintensive Arbeit brauche, im Grunde eine drahtlose Internetverbindung, ein Handy und eine ruhige Ecke.» Und dennoch führt diese Freiheit und der Wegfall von Transportkosten, zum Beispiel für den Arbeitsweg, nicht dazu, dass die Menschen aus den großen Städten wegziehen – im Gegenteil: «Der Tod der Entfernungen macht die Welt nicht ländlicher, sondern zentraler. Wenn die Transportkosten sinken, dann breiten sich rationale Menschen nicht auf dem Land aus, sondern drängen in die Großstädte…» Und das gilt, so Harford, auch für den Transport von Ideen: «Je wissensintensiver eine Branche ist, desto stärker ist sie auf engem Raum konzentriert… Ökonomen haben sich bei über 4000 wirtschaftlichen Innovationen angeschaut, wo genau in den USA sie entwickelt wurden. Dabei haben sie festgestellt, dass mehr als die Hälfte aus lediglich drei Gebieten stammt.»

Wie sieht das im Beispiel aus?
Kooperatives Arbeiten ist also ein wichtiger Innovationsmotor. Wie das im konkreten Beispiel funktioniert, zeigt die Geschichte der Unternehmer-WG SilicionWelly in Wellington, Neuseeland: Gut 30 kleine Unternehmen vom Programmierer und Webdesigner über Video- und Computer-Schrott-Künstler bis zum Tätowierer oder Sandburgen-Bauer  haben sich hier auf nur 120 Quadratmetern zusammengeschlossen, um sich gemeinsam zu inspirieren und verrückte Ideen auszutüfteln. Auf diese Weise hat das Team nicht nur erfolgreiche Videos und DVDs produziert, die zum Exportschlager «Made from New Zealand» werden könnten, sondern war auch an Barack Obamas Online-Wahlkampf beteiligt. Zahlreiche weitere Beispiele zeigt auch dieser Artikel in Deskmag, der sich mit der Frage auseinandersetzt, ob Trennwände in Büro kooperatives Arbeiten behindern.

(Bild: Coworking Space in Berlin, Wikipedia Commons)

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3 Kommentare

  1. Thomas Klimek von ideenouveau
    schrieb am 13. September 2011 um 10:52 Uhr (#)

    Hallo Simone,

    danke für Deinen Artikel. Momentan arbeite ich im Co-Working-Office Hub Vienna. Ich glaube auch, dass das Arbeiten in einem Co-Working-Office sehr Typ-Abhängig ist. Und die Co-Working-Offices sind auch sehr unterschiedlich. Da muss man schon das richtige finden. Kürzlich habe ich hier einen Artikel über Co-Working geschrieben.

    Co-Working-Artikel

    Nochmals danke für Deinen Bericht!

  2. Simone Janson
    schrieb am 27. Oktober 2011 um 16:23 Uhr (#)

    Danke für den Hinweis. Bist du denn auch auf der europäischen Coworking-Konferenz in Berlin? Ich mache ja in meinem Blog gerne mal was zu Coworking – und freue mich da auch immer über Hinweise.
    Simone Janson

  3. Thomas Klimek
    schrieb am 27. Oktober 2011 um 18:53 Uhr (#)

    Liebe Simone, auf der Konferenz bin ich leider nicht, da ich bereits in Wien einen Termin habe. Deinen Blog kannte ich noch nicht, danke für den Hinweis.

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