Prokrastination:
3 Wege, Dinge geregelt zu kriegen

Kontrolliertes Prokrastinieren, eigenbestimmtes Arbeiten und die Versuchung des Aufschiebens erkennen und bewusst damit umgehen – drei Wege, Dinge erledigt zu kriegen.

Prokrastination ist das, was Studenten machen, wenn sie an ihrer Diplom-Arbeit schreiben sollen: das kann dann von Wäsche bügeln über Einkaufen bis Pflege des Rollenspiel-Forums alles bedeuten, was genau NICHT mit ihrer Studienarbeit zu tun hat. Es ist ein weit verbreitetes Phänomen, das uns alle befällt. Die einzige Ausnahme zu dieser Regel scheint Anna Sommerer zu sein, die Prokrastination zum Inhalt ihrer Studien-Arbeit gemacht hat.

1. Die Art, wie ich prokrastiniere, spielt keine Rolle
An mir selber kann ich feststellen, dass Prokrastinieren ein fester Bestandteil meines (Arbeits)-Lebens ist, egal welcher Prokrastinations-Art ich gerade fröne. Anfangs dachte ich, die Art und Weise, wie ich prokrastiniere, spielt eine Rolle. Also habe ich seinerzeit einfach den größten Zeitfresser aller meiner Ablenkungen identifiziert und abgeschafft – und hoffte damit, die Zeit zu gewinnen, die ich vorher dieser Ablenkung opferte. Wie ich heute weiss, hat Prokrastination nicht nur in dieser Hinsicht sehr viel mit Sucht zu tun.

Es spielt nämlich keine Rolle, womit ich prokrastiniere – Hauptsache, ich prokrastiniere. Und so, wie suchtanfällige Menschen eine spezifische Droge absetzen können, nur um sie kurze Zeit später durch eine andere zu ersetzen, konnte ich meinen Haupt-Prokrastinations-Grund eliminieren – und fand kurze Zeit später einen neuen. Heute gehe ich dieses Problem eher anders rum an.

Ich versuche, meine größte Ablenkung in den Griff zu bekommen, indem ich meine Beschäftigung damit zeitlich einschränke. Streichen führt nur zum Ersatz durch etwas Neues, was ich dann erstmal anfangs wieder unkontrolliert auslebe. Zudem kostet die Suche nach der neuen Aufregung auch Zeit. Also nicht streichen, sondern kontrolliertes Prokrastinieren. So ungefähr ja auch der Ansatz von Anna Sommerer in ihrer Arbeit.

2. Eigenbestimmtes Arbeiten minimiert Prokrastination
Einen anderen Hinweis, Prokrastination in Griff zu bekommen, liefert uns Dan Ariely in seinem überaus lesenswerten Buch Denken hilft zwar, nützt aber nichts (Affiliate-Link). Ariely hat studiert und ist jetzt Professor und hat somit ganz viel über das oben beschriebene Verhalten von Studenten gelernt. Ariely hat herausgefunden, dass Studenten unter den folgenden Voraussetzungen deutlich häufiger Termine einhalten und dabei auch bessere Ergebnisse erzielen:

  • sie suchen sich selber das Thema ihrer Arbeit aus
  • sie bestimmen selber ihre Abgabe-Termine

Können Studenten also selbst bestimmen, womit sie sich beschäftigen, und bis wann sie das erledigt haben wollen, so kriegen sie das deutlich besser hin als wenn Thema und Abgabe-Zeitpunkt fremdbestimmt werden.

3. Mit der Versuchung umgehen
Ariely vertritt in seinem Buch folgende Meinung (zwar in einem anderen Kontext als Prokrastination, aber durchaus anwendbar): Die Versuchung vermeiden ist leichter, als sie zu überstehen. Wenn das nicht klappt, so bleibt Dir nichts anderes übrig, als der Versuchung zu widerstehen. Das geht zumindest Leo Babauta, der Erfinder von Zen to Done (hier in der deutschen Version zum kostenlosen Download) und Autor von Fokus, offensiv an. In seinem Blog Zenhabits gibt Babauta den besten Tipp gegens Prokrastinieren ever. Der ist sehr leicht anzuwenden, weil Du nichts weiter tun musst als rumsitzen. Ja, richtig: rumsitzen. Das ist alles, was Du tun musst, um mit Deinem Drang nach Prokrastination klar zu kommen. Und so funktioniert es:

  • Identifiziere das Wichtigste, was Du heute tun willst
  • Entscheide Dich, den ersten kleinen Teil davon sofort anzugehen (die erste Minute oder so, einfach anfangen ist das Wichtigste dabei)
  • Stelle alle Ablenkungen ab: stelle alles aus, schliesse alle Programme – nur Du und Deine Aufgabe bleiben on.
  • Sitze und fokussiere aufs Beginnen. Nicht auf die Aufgabe, sondern nur aufs Beginnen.
  • Achte auf Deinen Geist: Er wird versuchen, Dich abzulenken, Dir andere Aufgaben schmackhaft zu machen – erkenne diesen Drang.
  • Aber tue nichts. Erkenne den Drang, aber bleib sitzen. Lass ihn vorbei ziehen. Der Drang wird intensiver, aber er geht auch wieder.
  • Beachte auch, dass Dein Geist versucht, Dir vorzumachen, dass Deine aktuelle Aufgabe Käse ist und überhaupt nicht wichtig. Beobachte auch diesen Gedanken und lass ihn vorbei ziehen.
  • Wenn auch das hinter Dir liegt, unternehme eine Aktion, um mit Deiner Aufgabe zu beginnen – so klein wie möglich.
  • Beginne, und der Rest wird folgen: Du wirst fleissig sein.
Du hast der Versuchung widerstanden, auch wenn das laut Ariely der schwierigere Weg ist.

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2 Kommentare

  1. Thomas Erp
    schrieb am 12. September 2011 um 12:21 Uhr (#)

    Das blöde bei mir ist: Internet surfen ist meine Art des Prokrastinierens! Und dann stosse ich dabei auf eurer Seite immer wieder auf Tipps genau das abzuschaffen. Und schon habe ich wieder ein schlechtes Gewissen…
    Also: Internet-Surfen ist verboten. Natürlich ausser imgriff.com! Ich verbuche das mal als Fortbildung :-)

  2. Bettina
    schrieb am 30. November 2011 um 16:57 Uhr (#)

    was ich für eine Zeit verplempere, den besten Trick zu finden, weniger Zeit zu verplempern…

    Heute beim “Zeit verplempern” im Googledoodle von Mark Twain Zitate Link habe ich gelesen:

    Er sagte:
    Verschiebe nicht auf morgen, was genausogut auf übermorgen verschoben werden kann.

    Ob er das Wort “procrastination” schon kannte, weiß ich nicht, er hatte aber auch hier wieder mal jeden entlarvt, der sich damit rumplagt. :-)).

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