Tipps für eine klare Kommunikation:
So sagst Du, was Du meinst

Gute Kommunikation ist wichtig und macht das Zusammenleben produktiver. Bloss die Umsetzung ist nicht ganz einfach. Neun Tipps zur klaren und fairen Kommunikation.

Im letzten Beitrag habe ich darüber geschrieben, warum klare Kommunikation so wichtig ist. Eigentlich ist das auch jedem klar. Das tatsächliche Problem liegt woanders: Vielen Menschen haben noch gar nicht gemerkt, dass sie unklar kommunizieren! Oder sie verwechseln verständlich mit laut. Und noch schlimmer: Ihr Gegenüber fällt dann aus allen Wolken, wenn man plötzlich und aus heiterem Himmel ausflippt.

Sylvana Pollehn hat hier ein sehr schönes Beispiel von der Restaurantmanagerin Irene beschrieben, die ihre Mitarbeiter durch die Gegend scheucht, statt klare Arbeitsanweisungen zu geben. Ein anderes klassisches Beispiel: Ruhestörung in der Nachbarschaft. Die alte Dame regt sich über die Lautstärke iher jungen Nachbarin auf. Doch statt einfach mal hinzugehen und mit ihr zu reden, klare Regeln für das Miteinander festzulegen, läutet sie sturm, fordert harsch: «Ruhe bitte!», wähnt sich im Recht. Die Fronten verhärrten, der Streit eskaliert und am Ende findet man sich vor dem Richter wieder.

Doch wie funktioniert das denn nun mit der klaren Kommunikation, die andere Menschen auch verstehen? Ein paar Tipps:

Vorsicht Weichmacher: Viele Menschen, die eigentlich ihren Standpunkt klar machen wollen, aber Angst haben, sich unbeliebt zu machen, nutzen Weichmacher wie «Ich meine» oder «Sollten wir nicht…». Die aber laden zum Widerspruch ein. Besser ist ein glasklares «Ich will» oder «Ich erwarte.»

Akzeptanz erhöhen: Natürlich sind nicht alle mit allem einverstanden, was Du willst. Statt aber schon von vornerei herumzudrucksen, kannst Du einfach nach der Aussage eine Begründung hinterherschieben: «Halten Sie sich an die Ruhezeite. Ich habe einen sehr anstrengenden Job und brauche meinen Schlaf!»

Alle notwendigen Informationen geben: In die gleiche Richtung geht auch dieser Tipp. Denn: Menschen sehen etwa viel eher ein, wenn sie wissen, warum etwas erwartet wird. Daher, auch wenn es im ersten Moment zeitraubend ist: Gib alle notwendigen Informationen zu einer Angelegenheit. Damit vermeidest Du auch lästige Rückfragen.

Gemeinsames Ziel definieren: Viele Menschen sind zugänglicher, wenn sie wissen, wohin die Reise geht und wenn beide Gesprächspartner ein gemeinsames Ziel haben. Beispiel Arbeitsorganisation in einem Unternehmen: «Diesen Monat gibt es viel zu tun und wir alle müssen Überstunden machen. Dafür ist der nächste Monat wesentlich ruhiger.»

Direkt zum Ziel: Eigentlich willst Du den anderen erst mit ein paar positiven News gnädig stimmen, bevor Du ihm die unschöne Nachricht überbringst? Vergiss es! Die Aufmerksamkeitskurve der meisten Menschen sinkt im Laufe eines Gespräches oft erheblich ab – und viele Gesprächspartner werden nur ungeduldig und gereizt, auch weil sie oft merken, dass etwas im Busch ist. Besser gleich zum Punkt kommen, nach dem Motto: Das wichtigste zuerst!

Der Ton macht die Musik: Gerade bei unangenehmen Gesprächen ist es oft wichtig, wie man etwas rüberbringt. Wer gereizt ist, verstärkt oft noch die negative Wirkung. Bei Stress sollte man also gerade unangenehme Gespräche lieber auf den nächsten Tag verschieben.

Falle nicht aus der Rolle: Jeder Mensch hat innerhalb der Gesellschaft bestimmte Rollen inne. Mit dem Chef oder Kunden sprichst Du vermutlich anders als mit dem Lebenspartner. Wie deutlich und direkt Du also Deinem Gegenüber werden kannst, hängt auch davon ab, in welchem Verhältnis Du zum Gegenüber stehst.

Erkenne Grenzen: Aber auch Dein Kommunikationspartner hat eine soziale Rolle. Diese solltest Du kennen und beachten. Zum Beispiel, indem Du auf einer Augenhöhe kommunizierst, statt einfach nur brüsk zu sagen: «Ich will, also machen Sie!»

Niemanden Bloßstellen: Wenn Du ein klärendes Gespräch führen musst, sollte das in der Regel unter vier Augen geschehen, um niemanden vor anderen zu brüskieren. Außer, das Thema betrifft die ganze Gruppe, dann sollten es alle gemeinsamt diskutieren.

(Bild: Discussion von Michael Eccles bei flickr.com, CC)

 

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5 Kommentare

  1. Ich muss einigen Dingen deutlich widersprechen, weil die meiner Ansicht nach ziemlich schlecht funktionieren. Nehmen Sie das bitte als konstruktiv gemeinte Kritik, nicht als persönlichen Angriff.

    “Weichmacher” sind oft der einzige machbare Weg überhaupt das Gegenüber noch zu erreichen. Mit “ich will” oder “ich erwarte” wird von Beginn an eine gewisse Aggressivität oder “Ich-Will-Gewinnen”-Mentalität zum Ausdruck gebracht. Das ist taktisch meistens unklug. Außer beim Autokauf vielleicht.

    “Direkt zum Ziel”: Auch eine Methode, die nur manchmal funktioniert und so generell einfach nicht richtig ist. “Mit der Tür ins Haus fallen” ist nicht von ungefähr eine Redewendung, die genau das eben kritisiert. Ich habe nichts gegen Zielstreben oder einen deutlichen Standpunkt. Aber den muss man auch verkaufen. Ein bisschen Politik schadet niemandem.

    Wovon ich auch nicht überzeugt bin ist, dass die Kommunikation deutlicher werden darf, je “besser” die eigene Rolle ist. Das ist genau die Einstellung, die zu einer großen Unzufriedenheit in vielen Unternehmen führt. Der Chef darf also rumblöken aber das Fußvolk muss lächeln? Nein – so wird das nichts mit gemeinsamer Kommunikation. Die Realität mag Ihnen Recht geben, wer Macht hat darf sich daneben benehmen, aber das heißt nicht, dass das ein guter Tipp ist.
    Wenn Sie damit meinen, dass beispielsweise bei sehr guten Bekannten die Kommunikation deutlicher/direkter sein darf, so möchte ich anmerken, dass selbst in Beziehungen (viel bekannter geht es nicht) die direkte Kommunikation fast nie zum Erfolg führt. Wer kennt nicht die Streits die entstehen, weil einer von beiden viel zu unverblümt die Dinge benannt hat? Ich fordere keineswegs das “herumlavieren” – aber “direkte” Sprache ist oft auch “angreifende” Sprache. Und Angriff, da werden Sie mir wohl zustimmen, ist auch in der Kommunikation selten das sinnvollste Mittel etwas zu erreichen.

    Klare Kommunikation muss vor allem erst einmal berücksichtigen, wie die gewünschte Botschaft beim Gegenüber ankommt (Sendungsbewusstsein). Genaues Beobachten, das Gegenüber emotional einschätzen, Empathie. Fähigkeiten, die heute oft unterentwickelt sind und viel besser geeignet sind eine gute Kommunikation aufzubauen. Mit der Forderung nach direkter und damit vermutlich auch unverblümter Kommunikation fördert man im Grunde den Egoismus, aber in keinem Fall das Team. Und jede Kommunikation ist Team ;)

    Es geht beim Reden nicht immer darum den eigenen Kopf durchzusetzen. Es muss immer um “Win-Win” gehen: Nur wenn beide Parteien zufrieden sind, gibt es ein gutes Ergebnis. Nur eine unterentwickelte Persönlichkeit achtet ausschließlich auf sich selbst.

    Die restlichen Hinweise finde ich hingegen sehr gut ;)

  2. Meiner Meinung nach sollte man wohl auch seiner Chefin gegenüber deutlich sein dürfen und sogar sollen.

    Schließlich haben diese häufig wenig Zeit, und zudem geht es doch ohnehin immer darum, Direktheit, Deutlichkeit und Klarheit nicht mit Grobheit und Unhöflichkeit zu verwechseln.

    Auch wenn ich mit meinem Chef oder meiner Nachbarin anders spreche als mit dem eigenen Partner, sollte darunter die Klarheit nicht leiden. Es würde bspw. schon helfen, dem Satz «Halten Sie sich an die Ruhezeiten. Ich habe einen sehr anstrengenden Job und brauche meinen Schlaf!» ein einfaches “Bitte” hinzuzufügen oder “Ich will” durch “Ich möchte” zu ersetzen.

    Ich stimme meinem Vorredner darin zu, dass es nicht schaden kann, um Verständnis zu werben und seine Ziele durch Einbeziehung des Gegenübers gut zu verkaufen. Gerade das erhöht m.E. die Akzeptanz der Forderung bzw. Ansage.

  3. Kleiner orthographischer Hinweis:

    Sylvana Pollehn hat hier ein sehr schönes Beispiel von der Restaurantmanagerin Irene beschrieben, die ihre Mitarbeiter durch die Gegend scheucht, statt klare Arbeitsanweisungen zu geben. Ein anderes klassisches Beispiel: Ruhestörung in der Nachbarschaft. Die alte Dame regt sich über die Lautstärke ihrer jungen Nachbarin auf.

  4. Hallo zusammen,
    danke zunächst an Mirko für die konstruktive Kritik! Da hat es aber ein kleines Missverständnis gegeben: Ich meine mit deutlich sagen eben nicht, dass man auf auf Gedeih und Verderb seinen Willen durchsetzt und die Leute anpampt. Daher ja auch die Negativbeispiele. Sondern es geht mir darum, dass man gerade als Chef z.B.vernünftig delegieren kann. Viele können das nicht, doch unklare Arbeitsanweisungen sind für Mitarbeiter mindestens genau so frustrierend wie ein egoistischer Chef. Allerdings ist das natürlich ein schmaler Grad, auf dem zu wandeln sehr viel soziale Kompetenz erfordert, was, da gebe ich Ihnen völlig recht, der Knackpunkt ist.
    Und wie Nicoletta so schön ausführt, reichen manchmal schon Kleinigkeiten wie ein Bitte.

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  1. [...] Einmal hier dazu, warum das sinnvoll ist. Und einmal hier dazu, wie man es dann auch schafft, die eigene Meinung dann auch [...]

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