Kommunikation:
Führung bottom-up

Die Führung von unten wird oft vernachlässigt. Aktiv gestaltet kann sie den Arbeitsalltag erfolgreicher und befriedigender für alle machen.

In meiner bisherigen beruflichen Laufbahn hatte ich alle Arten von Chefs: Hilfsbereite, cholerische, dominante oder kommunikationsscheue. Letztere Eigenschaft ist besonders seltsam. Ich hatte eine Chefin, die mir gegenüber sass und trotz der Nähe lieber E-Mails geschrieben hat als mit mir zu reden. Hmm, was lief da wohl schief? Obwohl sie sonst eine liebe und umgängliche Person war.

Vielleicht wurde ich deswegen vor kurzem mein eigener Chef. Nun habe ich in meinen Büro nur noch meine Katze, die sich mir versucht mitzuteilen. Auch das ist nicht immer einfach.

Dass man seine Vorgesetzten nicht immer versteht, liegt selten an deren Unzulänglichkeit. Missverständnisse entstehen oft, weil wir einander nicht richtig zuhören.

Folgendes Beispiel kommt Dir vielleicht bekannt vor: Du besprichst mit Deiner Chefin ein neues Projekt, die Aufgaben und Zuständigkeiten sind klar verteilt – Deiner Meinung nach. Tage später stellt sich heraus, sie hat das Gespräch völlig falsch interpretiert. Nichts von dem was abgemacht wurde, ist erledigt, sie hat andere Vorstellungen. Grund zum Verzweifeln? Nein, aber einander aufmerksam zuhören und bei Unklarheiten nachfragen ist ein Anfang.

Diese sieben Tipps sollen helfen, die Beziehung zum Vorgesetzten zu stärken.

  1. Der Kontakt-Effekt. Schaffe Nähe zu dem Vorgesetzten, ohne aufdringlich zu sein. Ein unverkrampftes Gespräch in der Kaffeeküche oder Mittagspause reicht schon aus. Interesse vorzuheucheln ist nicht zu empfehlen. Lieber mal fragen, wie es dem Chef heute so geht. Personen, mit denen häufig Kontakt besteht, werden deutlich besser beurteilt als Leute, die man selten trifft.
  2. Die Chefin loben. Ja, warum nicht? Auch Chefs machen ihre Sache gut und hören gerne ein lobendes Wort. Wer tut es sonst schon?
  3. Tue Gutes und sprich über ihn. Indem Du in der Öffentlichkeit gut über Deinen Vorgesetzten redest, steigerst Du seinen Wert. Zeig ihm, dass er sich auf Dich verlassen kann, wenn er geschäftlich unterwegs ist. Sein Wohlwollen ist Dir sicher.
  4. Man lernt nie aus. Ermuntere Deine Managerin, passende Kurse oder Weiterbildungen zu besuchen.
  5. Regelmässig Feedback geben. So ist er oder sie stets über den Stand der Projekte informiert und kann allenfalls eingreifen, sollte etwas nicht so laufen wie angedacht.
  6. Schwächen kompensieren. Er behält wichtige Informationen öfters für sich? Vielleicht hat er schlicht vergessen, Dich auf den neuesten Stand zu bringen. Frag regelmässig nach. Das «debriefen», das Nachbereiten von Meetings, wird auch dem Chef die wichtigsten Punkte nochmals vor Augen führen und die Ergebnisse zurück ins Gedächtnis rufen.
  7. Ideenklau. Du willst Deine Chefin für eine Idee begeistern? Lass es so aussehen, als ob sie selbst auf die brillante Idee gekommen ist. Soll sie von etwas überzeugt werden, dann müssen die Vorteile so dargestellt werden, dass sie vor allem ihren eigenen Nutzen dabei sieht.

Übrigens, auch Chefs und Chefinnen dürfen diese Tipps anwenden. Sie helfen in beide Richtungen.

Mehr Lesestoff zu dem Thema bietet Gabriele Stögers Wie führe ich meinen Chef? Erfolgreiche Kommunikation von unten nach oben (Affiliate-Link) Und wer seinem Chef doch mal so richtig die Meinung sagen muss, hier haben wir noch Tipps, wie man Kritik am Chef am besten anbringt.

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2 Kommentare

  1. Tanja Handl
    schrieb am 30. Juni 2011 um 10:13 Uhr (#)

    Grundsätzlich stimme ich diesen Tipp zu, bei zweien davon würde ich allerdings empfehlen, sehr vorsichtig zu sein:

    - Weiterbildung: Dem Vorgesetzten eine Weiterbildung anzuraten, kann schwer nach hinten losgehen. Besser: Beiläufig einen Kommentar über ein interessantes Bildungsangebot fallen lassen. Noch besser: Vor der eigenen Türe kehren und selbst Weiterbildung besuchen.

    - Ideenklau: Eine Idee zu einer gemeinsamen Vision zu machen ist wichtig, um Rückhalt zu bekommen und an einem Strang zu ziehen. Verkaufen muss man sich aber nicht – auch im Hinblick auf die eigene Karriere. Wenn man selbst die eigenen Ideen schon nicht als eigene verkauft: Warum sollten Vorgesetzte das tun? Besser: Sich für die Inspiration und den Rückhalt bedanken. Und natürlich nicht, wie im Tipp ja angesprochen, vergessen, die Vorteile der Idee zu betonen.

  2. Chris
    schrieb am 1. Juli 2011 um 14:40 Uhr (#)

    Ich halte es da mit Tanja.

    Insbesondere bei dem Ideenklau: sicherlich kann es nützlich sein, den Chef ein wenig zu boosten, bevor man selbst dran vorbeirauscht. Hat man allerdings einen Chef, der sowieso schon alle Ideen des Teams als seine eigenen ausgibt, kann man da ganz schön verhungern. Deswegen ist sicherlich eine Portion “Tue Gutes und rede darüber” nicht verkehrt.

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