Zeitmanagement:
Das Pomodoro-Experiment

Fixe unterbrechungsfreie Arbeitsblöcke verlangen Vorausplanung, überzeugen aber durch bessere Resultate. Ein Bericht von einem Selbstexperiment.

Pomodoro nennt sich eine Methode, um seinen Arbeitstag strukturiert anzugehen. In einem festgelegten Zeitfenster von 25 oder 30 Minuten nimmt man sich eine Aufgabe vor. In dieser Zeit erledigt man nichts anderes: keine Telefonate, keine E-Mails, keine Gespräche, kein Facebook.

Pomodoro und Batching
Gregor hat die Pomodoro-Technik vor einiger Zeit beschrieben und bereits zur Protokoll gegeben, wie begeistert er vom Ergebnis war: In der einen Stunde konzentrierten Arbeitens habe er Resultate erzielt, die die Ergebnisse der übrigen sieben Stunden in den Schatten stellen würden. Cal Newport vom 99%-Blog hat sich an ein ähnliches Selbstexperiment gewagt. Er nennt seine Methode «Batching» und hat seine Erfahrungen damit beschrieben.

30 Minuten-Blöcke
Cal hat sich einen Tag lang einer 30 Minuten-Regel unterworfen: Nimmt er eine Aufgabe in Angriff, muss er sich mindestens 30 Minuten lang damit beschäftigen – und darf nichts anderes tun. Also bedingt eine kurze E-Mail, dass er sich eine halbe Stunde lang mit E-Mails oder sonstigen kleinen Tasks beschäftigt. Arbeitet er hingegen eine Stunde an einem Forschungsprojekt, darf er in dieser Zeit ebenfalls nichts anderes tun – auch keine E-Mail schreiben, um kurz den Kollegen um eine Info zu bitten.

Batching macht Arbeit
Die Erfahrungen seines Selbstexperimentes hat er in einem Beitrag auf dem 99%-Blog beschrieben. Die negativen Seiten: Die Technik des Batchings, also die Arbeit in Blöcken zu erledigen, verlangt sehr viel Vorausplanung. Wenn er einen Zeitblock einem Artikel widmete, erlaubte er sich nicht, eine benötigte Info im Web nachzuschauen. Bessere Vorbereitung wird notwendig. Auch die Kommunikation muss geplant werden. Kurz eine E-Mail schreiben und eine Information einfordern, war nicht erlaubt.

6 Stunden Flow-Zeit
Cals Erfahrung mit seinem 30 Minuten-Tag: Das Batching macht die Arbeit aufwändiger; sie bedarf mehr Planung und Voraussicht. Es wird unbequemer. Auf der positiven Seite stehen für Cal 6 Stunden konzentrierten Arbeitens in einem Arbeitstag von 10 Stunden – ein Resultat, das er schon lange nicht mehr erzielt habe. Die Qualität der Ergebnisse war besser und er verbrachte mehr Zeit in Csikszentmihalyis Flow-Zustand.

Kleine Dinge effizienter erledigt
Zwei halbe Stunden hatte Cal den kleinen logistischen Tasks gewidmet: E-Mails beantworten, Termine vereinbaren, Anrufe erledigen. Sein Eindruck war, dass er in diesen 30 Minuten-Blöcken viel mehr unterbrachte als mit seiner vorherigen Arbeitsweise.

Aufwändig, dafür bessere Ergebnisse
Cals Fazit nach einem Tag Selbstexperiment fiel klar aus: Die Arbeit, organisiert in festen Zeitblöcken, wird unbequemer und bedarf mehr Vorausplanung. Das, so Cal, sei der Preis für die besseren Ergebnisse und den höheren Output – und am Ende auch die deutlich gesteigerte Zufriedenheit, die aus seinem Artikel spürbar wird.

(Bild: doortoriver bei flickr)

 

Thomas Mauch

Thomas Mauch ist Mitglied der Geschäftsleitung des neuerdings.com-Verlags Blogwerk AG und interessiert sich für Gadgets. Oder so.

Mehr lesen

Die 15-Minuten-Liste: Kurze Zeitblöcke produktiv nutzen

14.3.2014, 1 KommentareDie 15-Minuten-Liste:
Kurze Zeitblöcke produktiv nutzen

Immer wieder klagen wir darüber, wie wenig Zeit wir haben und was wir doch alles machen würden, wenn wir über mehr Zeit verfügten. Dabei haben wir immer wieder kurze Zeitblöcke, die wir produktiv nutzen könnten. Der Schlüssel dazu ist, uns bereits im Voraus Gedanken dazu zu machen, was wir in diesen Momenten tun wollen.

Pomodoro-Selbsttest: Die Methode bedingt Disziplin

2.10.2013, 5 KommentarePomodoro-Selbsttest:
Die Methode bedingt Disziplin

Ich bin jemand, der sich während der Arbeit sehr schnell ablenken lässt. Auch deshalb, weil ich ein relativ kleines Büro mit vier Kollegen teile. Da klingeln Telefone, Gespräche werden geführt und knackige Früchte gegessen. Beste Voraussetzungen, die Pomodoro-Methode zu testen, um fokussiert an einer Aufgabe dran zu bleiben. Leider hat sie mir kaum geholfen. Ein Erfahrungsbericht.

Ich eisenhowere, du eisenhowerst, er/sie eisenhowert...: Die App fürs Aufgabenmanagement im Test

16.4.2013, 6 KommentareIch eisenhowere, du eisenhowerst, er/sie eisenhowert...:
Die App fürs Aufgabenmanagement im Test

Vor ungefähr einem Jahr habe ich hier auf imgriff.com über die Eisenhower-Methode fürs Aufgabenmanagement geschrieben. In den Kommentaren habe ich anschliessend mit einigen Lesern darüber nachgedacht, ob wir die Methode mit Crowdfunding zu einer App machen könnten. Mittlerweile ist unabhängig von unserer Idee eine Eisenhower-App fürs iOS erschienen. Ich habe sie getestet.

Pünktlichkeit bedeutet Respekt: Mein Plädoyer für mehr Termintreue

28.3.2014, 9 KommentarePünktlichkeit bedeutet Respekt:
Mein Plädoyer für mehr Termintreue

Manchmal frage ich mich, warum ich überhaupt eine Agenda führe. Entweder täuscht mein Eindruck, oder die Welt wird laufend unpünktlicher. Termine zu verschieben ist unhöflich und behindert die Produktivität.

Die 15-Minuten-Liste: Kurze Zeitblöcke produktiv nutzen

14.3.2014, 1 KommentareDie 15-Minuten-Liste:
Kurze Zeitblöcke produktiv nutzen

Immer wieder klagen wir darüber, wie wenig Zeit wir haben und was wir doch alles machen würden, wenn wir über mehr Zeit verfügten. Dabei haben wir immer wieder kurze Zeitblöcke, die wir produktiv nutzen könnten. Der Schlüssel dazu ist, uns bereits im Voraus Gedanken dazu zu machen, was wir in diesen Momenten tun wollen.

Typische Fehler: Fünf Dinge, die selbst einen Produktivitätsmaximierer immer wieder bremsen

12.3.2014, 4 KommentareTypische Fehler:
Fünf Dinge, die selbst einen Produktivitätsmaximierer immer wieder bremsen

Auch wer über Selbstdisziplin verfügt und ein Verständnis dafür hat, was die eigene Produktivität behindert, ist nicht gegen Fehler gefeit, die den optimalen Arbeitsablauf einschränken. Bei mir ist es beispielsweise zu wenig Disziplin beim Bearbeiten von Mails und beim Konsum von Informationen.

2 Kommentare

  1. Schade, dass sich zwei Arbeitstage nie 100 %-ig vergleichen lassen – mich hätten noch die absoluten Zahlen interessiert. Meiner Erfahrung nach lohnt sich Pomodoro wirklich, mit einer guten Zeiterfassung kann man dann auch noch genau sagen, wieviel man durch diese Technik tatsächlich gewinnt.

  2. Nutze die Technik auch – allerdings nicht ganz so drastisch. Wenn ich beispielsweise einen Artikel schreibe, gehört recherchieren für mich mit dazu.

Kommentar schreiben

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

* Pflichtfelder