Entscheidungen:
Darüber schlafen hilft.
Sagt die Wissenschaft.

Unsere Oma wusste es schon immer, die Wissenschaft hat es nun bewiesen: Über wichtige Entscheidungen muss man zuerst mal schlafen.

Als Barack Obama über den Angriff auf Osama bin Ladens Haus entscheiden musste, hat er zuerst eine Nacht darüber geschlafen. Ein kluges Vorgehen, finden die Sozialpsychologen Maarten Bos und Amy Cuddy im Blog der Harvard Business Review.

Unbewusst werden Infos verarbeitet
Tatsächlich sei es so, schreiben die Autoren, dass unser Gehirn laufend Pro und Kontra von Entscheidungen abwägt. Und zwar in der Zeit, in der wir uns gerade nicht auf diese Frage konzentrieren. Also zum Beispiel schlafen. Experimente mit Studierenden haben gezeigt, dass das Hirn in dieser Zeit wichtige von nicht relevanten Aspekten einer Entscheidung trennt.

Unwichtiges von Wichtigem trennen
Die Teilnehmer des Experimentes von Bos mussten über einen Autokauf entscheiden. Dazu wurden ihnen jede Menge positive, aber nicht relevante Aspekte des Autos vorgestellt, sowie wenige, aber wichtige Informationen abgegeben. Die Teilnehmer, die sofort entscheiden mussten, entschieden sich zum mehrheitlich für das Auto mit den meisten positiven Attributen – obwohl diese unwichtig waren. Teilnehmer, die sich dazwischen mit etwas anderem beschäftigten, trafen die besseren Entscheidungen: Sie entschieden sich aufgrund der relevanten Kriterien.

3 Schritte für bessere Entscheidungen
Aus diesen Erkenntnissen leiten Bos und Cuddy drei Schritte ab, um bessere Entscheidungen zu treffen:

  1. Besorgt man sich alle notwendigen Informationen und eignet sich das Faktenwissen an.
  2. Schläft man darüber. Das heisst, man gibt seinem Hirn Zeit, die gesammelten Informationen zu verarbeiten.
  3. Unser Unterbewusstsein kann grosse Mengen an Informationen verarbeiten, ist aber nicht sonderlich genau. Also gilt es, am nächsten Morgen die Fakten nochmals zu überprüfen: Z.B. Werden bei meiner Entscheidungen irgendwelche Regeln verletzt?

Natürlich kann man nicht über jede Entscheidung schlafen – häufig müssen Fragen schneller geklärt werden. Trotzdem hilft Ablenkung: Einen kurzen Spaziergang einlegen, etwas Musik hören oder Joggen gehen: Jede Tätigkeit, die von der eigentlichen Entscheidung ablenkt, hilft.

» A counter-intuitive approach to making complex decisions auf dem HBR-Blog, 16. Mai 2011

(Bild: mi perro Lomu bei stock.xchng)

 

Thomas Mauch

Thomas Mauch ist Mitglied der Geschäftsleitung des neuerdings.com-Verlags Blogwerk AG und interessiert sich für Gadgets. Oder so.

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5 Kommentare

  1. Omas (und in meinem Fall: Väter) wissen einfach, was gut ist. ;)
    Leider ist das Drüberschlafen in vielen Bereichen, besonders im Privaten gar nicht so einfach – emotional aufgewühlt will man viele Situationen am liebsten sofort klären. Umso wichtiger ist es, sich Zeit für Abstand zu geben und mit klarem Kopf eine Entscheidung zu treffen.

  2. Hallo,

    wenn ich eine Entscheidung treffen muss, nutze ich gern die Chance, etwas Abstend zu finden und “schlafe erstmal drüber”. Das klärt den Blick und schafft neue Perspektiven.

    Schön, dass diese Form, Entscheidungen zu finden jetzt auch wissenschaftlich abgeklopft wurde – obwohl ICH ja schon immer wusste, dass das sehr gut funktioniert :)) !

    Herzliche Grüße
    Petra

  3. Dieser Artikel bezieht sich auf eine Studie, die Ablenkungsaufgaben verwendet, jedoch NIEMALS jemanden zu Bett geschickt hat. Ein Autor der Studie schreibt mir sogar: “Thank you for your interest. I agree that there are big differences between sleep and a distractor task.” Da Ablenkung und Schlaf völig verschiedene neuronale Prozesse anreiben, ist der ganze Artikel hier KÄSE.
    Gruß

    • Danke für das Interesse und den Input. Wie Du richtig sagst, hat Marteen Bos in seiner Studie mit «Distraction Tasks» gearbeitet, wie ich oben auch beschrieben habe, und nicht mit Schlafexperimenten.

      Praktisch ist der Tipp, darüber zu schlafen IMHO trotzdem zutreffend und lässt sich aus seinen Studien ableiten – ganz einfach darum, weil «darüber schlafen» oder eben die Entscheidung auf morgen vertagen auch immer bedeutet, dass wir uns einige Zeit nicht mit dem vorliegenden Problem beschäftigen, uns davon ablenken. Sei es mit Abendessen, Fernsehen, Joggen – was immer.

    • Danke für die Antwort.
      Dann sollte der Artikel jedoch heißen: “Nicht darüber nachdenken hilft!” oder “sich ablenken hilft!”, denn es gibt viele neurologische Studien, die zeigen, dass sich Menschen im Schlaf sehr wohl mit den Themen des Vortages auseinander setzen. Dieser Umstand würde ja nicht zu ihrer Argumentationsweise, sich von der Entscheidung abzulenken, passen.
      Beste Grüße

4 Pingbacks

  1. [...] lohnt es sich, ab und zu durchzuatmen und einfach nichts zu tun.Thomas hat vor einiger Zeit einen Artikel darüber geschrieben, wie schlafen einem hilft, wichtige Entscheidungen zu fällen: Beim Ruhen werden nämlich unbewusst [...]

  2. [...] – in der Mehrheit der Fälle zahlt sich das tatsächlich aus (und wer Zeit hat, sollte am besten darüber schlafen).Fehlentscheidung durch VereinfachungDie Erklärung für dieses Phänomen ist simpel, wenn man sich [...]

  3. [...] schlafen” hat nicht nur den Vorteil, nichts Unüberlegtes zu sagen. Es lässt obendrein das Unbewusste für mich arbeiten und am nächsten Tag [...]

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