Minimalismus:
Digitale Minimalisten
und Tech-Nomaden

Weniger ist mehr: Als «Minimalism» erfährt dieses alte Sprichwort eine Renaissance. Die Protagonisten wollen ihren Lebensstil weniger als Konsumkritik verstanden haben, sondern vielmehr als Weg zu mehr Fokus und weniger Stress.

Gastautor Ryan Klarhölter

Für die einen ist es bittere Realität, für andere eine Selbstverständlichkeit und für manche ein bewusster Lebensstil: ausschließlich das Nötigste zu besitzen. In ihren Weblogs präsentieren Minimalisten ihren wenigen Besitz und schreiben über die Vorteile und Annehmlichkeiten ihrer Lebensart. Das größte Medieninteresse weckte damit 2010 der Softwareentwickler Michael Kelly Sutton.

Cult of Less
Inspiriert unter anderem durch das Buch Die 4-Stunden-Woche von Timothy Ferriss (in dem es ein Kapitel Weniger ist mehr: Werfen Sie Ballast ab gibt), beschloss Kelly Sutton im September 2009, seinen Besitz soweit zu reduzieren, dass alles in zwei Koffer und zwei Taschen passt. Er gründete eine Internetseite, die er Cult of Less getauft hat, und bot darüber seine Sachen zum Verkauf an. Nach einem längeren Auslandsaufenthalt hatte er ohnehin festgestellt, dass er vieles gar nicht benötigt.

Es kam zu vielen Interviews und Videobeiträgen (z. B. mit ABC, CNN und NBC). Sein Gespräch mit Spiegel Online hatten wir im August letzten Jahres hier gepostet.

Die Tech-Nomaden
Kelly Sutton betont insbesondere den digitalen Aspekt des heutigen Minimalismus und welchen Lifestyle diese Art der Mobilität ermöglicht: den eines sogenannten Tech-Nomaden. Ein Tech-Nomade ist ein Minimalist, der auf einen festen Wohnsitz verzichtet. Technisches Equipment ist das Wichtigste seiner Ausstattung. Er reist umher und arbeitet von unterwegs. Richtige Tech-Nomaden sind oder waren beispielsweise Chris Yurista, Andrew Hyde, Joshuah Klein oder das Paar Chris Dunphy und Cherie Ve Ard.

Der Begriff geht laut Wiktionary allerdings in die 80-er Jahre auf Stephen K. Roberts zurück. Er reiste in den Jahren von 1983 bis 1991 mit seinen High-Tech-Fahrrädern durch die USA. Seine Seiten versprühen einen nostalgischen Charme.

Leo Babauta und andere Minimalisten
Kelly Sutton hat sein Experiment toll zu vermarkten gewusst und damit bewiesen, dass er die Marketingtipps aus Die 4-Stunden-Woche verstanden hat. Der erste Minimalist im Netz war er aber nicht. Leo Babauta bloggt seit 2007 auf zenhabits.net über Selbstmanagement, Produktivität und Einfachheit. Heute hat er über 200.000 Leser. Das Time Magazine zählt seinen Blog seit zwei Jahren zu den Top 25. 2009 hat er zusätzlich das Blog mnmlist gestartet, auf dem es ausschließlich um Minimalismus geht. Im selben Jahr veröffentlichte er das Buch The Simple Guide to a Minimalist Life.

Andere große Namen in der Minimalismus-Blogosphäre sind Tammy Strobel, Serena “the everyday minimalist”, Jessica Dang, Everett Bogue und Dave Bruno, der mit seiner 100-Thing-Challenge 2008 auf sich aufmerksam gemacht hat: einem Selbstversuch, mit nur 100 Gegenständen zu leben. Letztes Jahr hat er das gleichnamige Buch dazu veröffentlicht, das es bislang aber nur auf Englisch gibt.

Everett Bogue kündigte 2009 seinen Job, reiste umher und bloggte über Minimalismus. Ein paar Monate später veröffentlichte er sein E-Book “The Art of Being Minimalist”, das aber nicht mehr erhältlich ist. In der Blogosphäre ist er umstritten, was vor allem daran liegt, dass er die Minimalismus-Bewegung – sofern man von einer sprechen kann – im Januar dieses Jahres für beendet erklärt hat. Das muss anderen das Gefühl gegeben haben, als würde ein Gast die Party beenden.

Bogue meint, Minimalismus sei nur ein Entwicklungsschritt gewesen. Man müsse jetzt sehen, wie es weitergeht. Vielleicht gefiel ihm aber einfach das Etikett nicht mehr.

Der amerikanische Sender CBS hat letztes Jahr einen Beitrag über ihn gesendet.

Im deutschsprachigen Raum
Seit ein paar Monaten kreist das Thema durch unsere Blogosphäre. Die ersten deutschsprachigen Minimalismus-Blogs sind entstanden. Von einer Subkultur oder Bewegung kann man allerdings noch nicht sprechen. Bleibt abzuwarten, was noch kommt.

Hier eine Auswahl:

Einen grundsätzlichen Unterschied zum Simplify-Trend erkenne ich im (digitalen) Minimalismus nicht. Ästhetik und Technik spielen eine größere Rolle, aber die Beweggründe sind die gleichen: Stressreduzierung, Fokus, Mobilität und selten auch Konsumkritik.

Weniger Stress, mehr Fokus – klingt, als würde man auf einen dauerhaften Produktivitätsschub hoffen können. Was meinst du? Erzeugen Gegenstände Stress? Kann ein minimalistischer Lebensstil die eigene Produktivität steigern? Und kennst du noch weitere deutsche Minimalisten, die bloggen?

(Bild: frostnova bei flickr.com)

 

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25 Kommentare

  1. Da ist schon was dran: “Freedom is just another word for nothing left to lose”, findet ja auch Janis Joplin. Aber ein bisschen verklärt ist das ja schon. Und ich schätze, dass darüber vor allem Leute begeistert berichten, die halt auch gerne reisen, gerne lose Freundschaften statt Familie haben und es als un-stressig empfinden, nach einem Hotspot zu jagen.

    Und daran ist ja nichts Schlimmes – nur ist es schwierig, dies dann zu einer besseren Lebensform für alle zu erhöhen.

    Ein bisschen weniger von allem (und jeden Tag einen Gegenstand los zu werden) ist jedoch sicher eine super Idee.

  2. Gegenstände können Stress erzeugen, weil Besitztum Geld kostet sowie einer Fürsorge und Pflege bedarf. Je weniger ich dem Konsumdiktat folge, desto eher bin ich in der Lage das bürgerliche Hamsterrad (Arbeit, Konsum, Verschuldung) zu verlassen.

  3. Ist ja schön, wenn jemand sein Analoges in zwei Koffer packen kann. Aber wieviele Dateien hat er oder sie denn in der Cloud, über die gewacht werden müssen?
    Ich finde, es ist etwas eine Milchmädchenrechnung, wenn man den digitalen Stuff nicht mit einbezieht, oder? Vielleicht liegt hier der nächste Schritt?

    Allerdings ist es verständlich, wenn man schon ein volles Haus im digitalen hat, dass man im analogen nicht auch noch mal alles vollrümpeln muss. Ich bin da genauso und froh um alles, was sich von mir trennen läßt.

    Meines Erachtens ist aber auch eine Unterscheidung bei den Dingen notwendig, gerade wenn man kreativ ist. Heißt: Verstehe ich etwas als Werkzeug (darunter kann etwas zur Inspiration fallen) oder ist es reiner Konsum.
    Hier muss man entscheiden, was man für sich braucht, um weiterzukommen. Beispiel: Ein Schneider, welcher keine Stoff-Muster-Bücher besitzt, kann nicht so effizient arbeiten, wie einer mit den Büchern. Er beschränkt sich in seinem Schaffensprozess.
    Ideal ist es für den digitalen Arbeiter… dessen Besitz ist digitalisiert, er kann daher auf eine Menge Analoges verzichten.

    Ergo: Auch wenn jemand viel Analoges hat, kann er letztlich weniger besitzen, als jemand der alles digital verwaltet. Letztlich geht es wohl darum, zu fokussieren und im Fluss zu bleiben…mmhhh… jetzt wirds zu verkopft :O)

    • Ja, genau, aber in erster Linie geht’s natürlich um den materiellen Besitz. Wenn ich natürlich Chaos auf der Festplatte habe und lauter Sachen speichere, die ich eigentlich nicht brauche, erzeugt das wahrscheinlich den selben Effekt wie materieller “Ballast”.

      Jemand, der wirklich viele Dinge benötigt, der sollte sich nicht versuchen davon zu trennen, das sehe ich genauso. Ein Kletterer braucht Kletterausrüstung, ein Maler braucht Pinsel und Staffelei, ein Musiker Tonequipment und Instrumente. Das sollten die Personen dann besser auch behalten.

      Besonders der Kletterer sieht ohne sein Seil doof aus …

      Schönen Gruß

  4. danke für den roundup, aber ein “trend” sehe ich darin in EUROPA wirklich nicht.

    wichtig ist denke ich, das “simple living” absolute nichts neues ist, jedoch meist ortsgebunden war und mit “Rückzug” von der “modernen” Welt ein her ging (-> “Walden”)

    Jetzt gewährt uns die “moderne Welt” aka mobiles Internet und Gadgets die Chance, ortsUNgebunden, “einfach” und “minimal” zu Leben. Das ist grossartig.

    Ganz klar, aber noch nur für einen kleinen Teil der Menschheit: Man muss Geld verdienen können, durch Webkrams! Sprich seinen Minimalismus muss man sich leisten können durch einen hochspezialisierten Beruf. Ein Bäcker oder Versicherungsangestellter wird Probleme haben.

    cheers!

    • Da gebe ich dir absolut recht!
      ich denke es entwickelt sich eher zu einem “digitalen Nomadentum” – wo der Minimalismus eher ein “Mittel zum Zweck” sein kann, als das ultimative Ziel.

      Beste Grüße,
      Sebastian

  5. Aye Aye Ryan! sah erst jetzt, das Du den Artikel geschrieben hast :)
    Sauber! Danke!

  6. Danke für die tollen Beispiele aus Deutschland.
    Ich sehe das Thema wie Frank, obwohl es natürlich lieb gewonnene Dinge gibt, von denen ich mich nicht trennen möchte.

    Kelly Sutton trennt sich ja sehr leicht von Büchern – das könnte ich z.B. nicht. Dafür lebt er mit vielen technischen Gadgets, die er vermutlich auch beruflich braucht. Auf die könnte ich dann wieder leichter verzichten. Letzten Endes geht’s doch nur um eines: Häuf nicht sinnlos Dinge an, sondern erkenne deine Prioritäten. Und unter diesem Gesichtspunkt kann ich mit dem Cult of Less wirklich sehr viel anfangen.

  7. Es gibt auch noch Patrick Rhone, das meiste auch Gemeinplätze, aber darum geht’s ja u.a. glaub auch. Mahnt mich ein bisschen an die Buddhismus-Welle (Suzuki etc) vor 30 Jahren, allerdings weniger missionarisch.

    Das Buch vom Rhone find ich aber ganz gut, sehr ehrlich.

    http://patrickrhone.com/

  8. Ich fühle mich selbst auch immer besser, wenn ich mich von etwas trenne, als wenn ich etwas neues erhalte/kaufe, etc. Das Problem ist nur, wohin mit dem Kram. Der Aufwand bei eBay ist oft deutlich höher als die Einnahme. Als Alternative zwischen Mülltonne und Verkaufsstress habe ich den örtlichen Umsonstladen entdeckt. Da gibt es mittlerweile in jeder größen Stadt einen.

  9. Hey Ryan,
    ein toller Überblick über die verschiedenen Richtungen in die das Ganze geht!
    Danke auch für’s Erwähnen.

    Wie läuft dein Projekt?
    Noch fleißig am Besitz verkaufen?

    Beste Grüße,
    Sebastian

    • Hi, ja, bei mir geht’s voran. Ich habe nur noch wenige Gegenstände loszuwerden. Und ein Haufen Sperrmüll muss noch weggebracht werden. Dann habe ich den Mist endlich durch.

      Habe leider den Beitrag von Welt der Wunder nicht gesehen. Kann man ihn online angucken?

    • Sehr gut! Das freut mich für dich!
      Aber viel wichtiger: Wie fühlst du dich dabei?
      Noch immer ein befreiendes Gefühl?
      Und was hat sich verändert, seitdem du nicht mehr darüber bloggst?

      Der Beitrag kommt am Sa und nächsten Mi nochmal auf n-tv.
      Ansonsten ist er wohl ab Ende der Woche auf der RTL2-”Welt der Wunder”-Seite.

      Beste Grüße,
      Sebastian

    • Ich werde in zwei oder drei Monaten nochmal meine Seite aktualisieren, da beantworte ich diese Fragen dann, schreibe was zum Abschluss und lade Pics hoch.

      Der Beitrag von “Welt der Wunder” gefällt mir sehr gut! Ich konnte oder wollte mir das anfangs nicht so richtig vorstellen … Aber top. Ich werde den Link darauf auch noch in diesen Artikel einfügen.

    • Das klingt sehr gut!
      Da freue ich mich schon drauf, zu sehen was bei dir daraus geworden ist!
      FInde ich spannend.

      Kannst du natürlich sehr gerne tun.
      Wobei ich sagen muss, dass ich persönlich nicht ganz zufrieden war.
      Aber von RTL2 kann man vllt. auch nicht erwarten,
      dass sie das ganz grundehrlich und objektiv behandeln.

      Ich wünsche dir alles Gute & bis Bald,
      Sebastian

  10. Hallo,

    ich verfolge die Minimalismus-Welle seit etwa 2009. Vor allem interessiert mich dabei aber der digitale Minimalismus. Digitaler Minimalismus kann sich meiner Meinung nach in ganz verschiedenen Facetten ausdrücken. Vom Fehlen einer LED für die Aktivität der Festplatte in einem MacBook von Apple oder aber dem Hinterfragen, was benötige ich wirklich für Technik, umglücklich zu sein und meine Arbeit erledigt zu bekommen?

    Ich für meinen Teil habe seit mehreren Jahren kein Fernseher mehr, ich vermisse ihn auch nicht. Wenn ich etwas sehen will (am liebsten schaue ich Dokumentationen), dann klicke ich mich durch die Mediatheken der öffentlichen Rundfunkanstalten.

    Zur Zeit bin ich zusätzlich dabei alles zu verkaufen oder wegzuschmeißen, was ich nicht mehr benötige. Ich habe mich bisher von meiner Apple Wireless Tastatur getrennt, von meiner Magic Mouse, von meinem 24 Zoll Bildschirm und vielen anderen Dingen.

    Sich von Dingen zu trennen, kann ganz ungeahnte Möglichkeiten eröffnen. Von dem Geld, was bei den Verkäufen zusammen gekommen ist, habe ich mir die Gitarre gegönnt, die ich schon lange haben wollte. Ich habe also etwa ein Dutzend Dinge weggeben um mir eine Sache zuzulegen, die ich mir vorher nicht leisten konnte.

    Wer sich für digitalen Minimalismus gerade im Bereich Mac interessiert und gerne erfahren möchte, wie man die alltäglichen Dinge am Computer manchmal auch sehr einfach gestallten kann, der kann gerne mal auf meinem Blog vorbeischauen: http://www.MacSimply.de

    Grüße
    Thomas

  11. Ein Ding weniger am Tag ist doch ein kluger Weg! Wieviele Dinge kommen pro Tag zu uns? Da muss man sich schon fast erwehren. Um zum Kern der Dinge zu kommen, bedarf es nicht nur der Reduktion, sondern auch der qualitativen Verbesserung des Umfelds.

    Die industrielle Produktion schüttet uns mit billigen Dingen zu, die unsere Habgier schnell befriedigen. Wie viel besser ist der Besitz hochwertiger Dinge? Die clevere Strategie, viele unwichtige Dinge loszuwerden, um diese durch weniger gute zu ersetzen, erzeugt gleichzeitig eine adäquate Belohnung.

  12. zu diesem thema fand ich gerade zwei links:

    http://taz.de/1/leben/all…asse-faule-menschen/
    Interview mit Tim Feriss in der Taz
    von heute, etwas älter ist:

    http://blog.vivekhaldar.c…ntellectual-strategy

  13. Danke für den Artikel. Minimalismus als Idee finde ich gut und auch erstrebenswert. Einen Kult daraus zu machen, eher weniger. Ich selbst habe mir das schon seit einigen Jahren zur Gewohnheit gemacht, regelmässig Dinge “auszumisten”. Es käme mir allerdings nie in den Sinn das als “Trend” oder “Lebensphilosophie” zu bezeichnen, so wie das zum Teil in den Blogs oder in der Medienberichterstattung geschieht. (Z. Bsp. in der im Artikel zitierten WdW-Sendung).
    Wer sich anhand solcher Sendungen seine Meinung über das Thema bildet, bekommt den Eindruck es gehe primär darum, möglichst wenige Dinge zu besitzen. Dies finde ich geradezu grotesk. Man sieht deutlich den Einfluss unserer Leistungsgesellschaft. Es geht doch im Kern darum, nicht möglichst wenig zu besitzen, sondern frei von *überflüssigem* Ballast zu sein. Man sollte sich regelmässig Fragen stellen zu seinem eigenen Konsumverhalten. (Dies gilt auch in der digitalen Welt!). Wer dies macht, erkennt, das manche Dinge in unserer Welt einfach schlicht überflüssig sind, und nur konsumiert werden, um eine innere Leere zu überdecken.
    Meiner Meinung nach bringt eine gemässigte Form wie sie Leo Babauta vertritt viel mehr, anstatt in eine extreme Form zu verfallen. Zudem ist der viel zitierte Minimalismus von gewissen Autoren reine Augenwischerei. Auch wenn mein Besitz rein virtuell im Internet existiert, besitze ich doch etwas. Aus meiner Sicht sind das Luxusprobleme von bessergestellten Individuen.

  14. Eine Rumpelkammer als Keller kann viel über die Person sagen, die über dieser Kammer lebt (bspw. tiefsitzende Probleme, die ungelöst bleiben).
    Der Minimalismus ist eigentlich erst mal “nur” eine knackige Art das zusammenzufassen, was schon viele Jahre bekannt ist. Je mehr man sich in Dinge verzettelt, desto größer ist die Gefahr, dass man anderen Dingen davonläuft.
    Aber ob der umgekehrte Weg wirklich so einfach ist? Einfach alle Dinge entsorgen und schwupps ist man befreit? Ich habe damit ganz andere Erfahrungen gemacht: Als ich meinen Keller aufgeräumt und damit gleichzeitig meine Vergangenheit bewältigt habe, ist über mir eine Welle der Emotionen zusammengebrochen. “Einfach” ist daran nichts.

    Minimalismus ist eine Herausforderung sich darauf zu beschränken, was einem wirklich wichtig ist. Die Tech-Minimalisten tricksen das eigentlich aus: Ein Computer ist unglaublich vielseitig, man kann damit fast alles ersetzen (bspw. 100 Brettspiele oder 2.000 Fachbücher).

    Ich finde die Idee hinter echtem Minimalismus sehr gut, weil das Konzentrieren auf das Wesentliche immer schon sinnvoll klang.

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  1. [...] längeren Auslandsaufenthalt hatte er ohnehin festgestellt, dass er vieles gar nicht benötigt.Weiterlesen bei imgriff.com Teilen Twittern Flattr.flattr{margin-top:0px !important}Mehr lesenDigitale Nomaden24.2.2011, 23 [...]

  2. [...] direkte Anbindung an die Auktionsplattform von Ebay unterstützt die Umsetzung der persönlichen Minimalismus-Strategie: Ein Klick und nicht mehr benötigte Dinge sind zum Verkauf auf Ebay ausgeschrieben, [...]

  3. [...] “tech nomad” lifestyle, here is an nice roundup in german at “netzwertig.com”  – thanks [...]

  4. [...] Shared Minimalismus: Digitale Minimalisten und Tech-Nomaden » imgriff.com. [...]

  5. [...] geht es so, wie es hier in diesem treffenden Artikel beschrieben ist. Ich bin ein Tech-Nomade, ein digitaler Minimalist in Sachen Besitz. Ich reduziere. [...]

  6. [...] betreibt Sutton die Desigernplattform LayerVault. Sein Erbe jedoch lebt in den Kopfen von digitalen Nomaden und Minimalismus-Anhängern rund um den Globus weiter. Auch in meinem. Ich gehöre sicher zu den weniger extremen Minimalisten. Den Schlüssel zu [...]

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