Schreibmaschinen:
Renaissance der Mechanik
Mechanische Schreibmaschinen erleben eine Renaissance: Die Anhänger der Olympias und Remmingtons treffen sich in Cafés und Buchläden zu so genannten Type-Ins.
Remmington, Underwood, Olivetti, Hermes und Olympia: Das sind klingende Namen aus scheinbar längst vergangenen Zeiten. Meint man – aber nicht ganz: Während Touchscreens die Welt erobern, entsteht eine globale Bewegung rund um Kugelköpfe, Farbbänder und Korrekturtasten. Die noch überschaubare, aber wachsende Anhängerschaft hat es nun zu einem Artikel in der New York Times gebracht. Die Fans sehen gute Gründe, die schweren Schreibgeräte einem Computer vorzuziehen.(Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Adwoa vom Retro Tech Geneva-Blog – dort gibt’s noch mehr Bilder und Infos. Sehens- und lesenwert.)
- «Auf einem Computer tippst Du viel schneller als Du denkst», argumentiert Brandi Kowalski, die in den USA Vintage-Schreibmaschinen verkauft. Das deckt sich mit meiner eigenen Beobachtung: Seit rund 10 Jahren bin ich so ziemlich die langsamste Komponente meines Computersystems: Ich denke halt so langsam.
- Die fehlende Ablenkung ist ein weiteres Plus: Die meisten Schreibmaschinen können weder Twitter, Facebook noch E-Mail. Die Versuchung, kurz die Timeline zu checken, fällt weg. Es bleibt bloss der Autor und das Papier. Mit ein Grund, weshalb auch viele namhafte Schriftsteller weiterhin auf den Computer verzichten. Erzwungenes Singletasking, sozusagen.
- Im Zeitalter der iPhone-Kliniken ist natürlich die Langlebigkeit ein Vorteil der Schreibmaschinen: Die meisten sind gebaut wie Kampfschiffe und taugen für den Einsatz über mehrere Generationen. Eine Reparatur lohnt sich meist und Ersatzteile sind auch für die rarsten Modelle noch zu haben.
Die Retrotech-Anhänger beginnen, sich zu organisieren. In Seattle und Phoenix fanden im Februar die ersten Type Ins statt: Man trifft sich mit seiner Lieblingsschreibmaschine in einem Café oder einem Buchladen und tippt gemeinsam. In Genf fand am 9. April 2011 das erste Swiss Type In statt und in Basel ging im März ein Schreibmaschinenfest über die Bühne: Drei Maschinen massen sich in den Disziplinen «Freies Schreiben ohne Zeitlimit» und »Geschwindigkeitswettbewerb über fünf Minuten».
Schreibmaschinenfans sind offenbar überhaupt nicht fortschrittskritisch, im Internet finden sich zahlreiche Blogs zu dem Thema. Ein mir bisher unbekanntes Kind dieser Ehe aus Schreibmaschine und Web ist der Typecast: Ein Blogbeitrag wird auf einer Schreibmaschine verfasst und anschliessend als Bilddatei gepostet. Das sieht dann so aus:
Die heimeligen Schreibmaschinengeräusche führen auch bei mir zu nostalgischen Gefühlen – meine erste Liebe war eine IBM-Kugelkopfmaschine. Trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob ich sie für die tägliche Arbeit wieder zurück möchte.
Wie geht es Euch? Gibt es eine Schreibmaschinenfraktion unter den imgriff.com-Leserinnen und -Lesern?





















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Vielen Dank für diesen Artikel. Die “Typosphäre” ist noch jung, und bis anhin eine überwiegend in Englisch stattfindende Bewegung. Ich lade daher auch deutschsprachige Schreibmaschinenfans herzlich ein, sich der Typosphere anzuschliessen. Kontakt auf meinem Blog, gerne auch für Tipps und technische Hilfe.
Hi,
jaa ich nutze diese hier: http://detechted.co.cc/20…reibmaschine-reboot/
Pic: http://spinninghat.com/si…Pad-typewriter-1.jpg
=D
Unsere durch Sturz zerstörte alte Torpedo habe ich irgendwann ganz unsentimental entsorgt. Was ich mir wünschen würde, wäre ein kleiner USB-Drucker mit auswechselbarem Typenrad und guten Schriften. Un dich wäre bestimmt nicht der einzige.
Melde Dich beim Brockenhaus Deines Vertrauens. Dort warten noch viele auf Dich …
Bei mir wurden die Schreibmaschinen in Schaufenstern zu Deko-Objekten. Mit “Weißt du noch?” und “So eine hatte ich auch!” werden sie bewundernd und erfreut kommentiert. Hier sind sie im Moment auch zu sehen: http://www.das-texthaus.de/aktuelles.html