Post-it:
Gelbe Zettel schlau eingesetzt

Post-it haben einen schlechten Ruf in der Produktivitätsszene. Wir treten an, den inzwischen dreissigjährigen Klebzettel zu rehabilitieren und haben sinnvolle Verwendungszwecke für ihn gesammelt.

Post-it-Zettel sind die Kellerkinder der Produktivitätsliteratur. Als Fleisch gewordene Aufforderung zum Verzetteln bedecken sie Bildschirme, Büroschränke und Schreibtische. Bemerkenswerterweise sind sie aber häufig nicht zur Hand, wenn man die Telefonnummer braucht oder die Aufgabe hätte erledigen sollen. Heerscharen von Artikeln und Tipps fordern deshalb dazu auf, uns der gelben Klebzettel zu entledigen und unterstützen dabei, von der Post-it-Sucht loszukommen. Aber ich gebe es zu: Ich mag sie. Ich finde sie praktisch.

Post-it sinnvoll eingesetzt
Die Erfindung von Spencer Silver (hat den Leim entwickelt) und Art Fry (suchte eine Möglichkeit, die richtige Stelle in den Notenblättern zu markieren) ist seit 1980 auf dem Markt und wird nicht mehr verschwinden. Deshalb hier unsere Aufforderung, sich dem Unvermeidlichen nicht mehr zu widersetzen, die Energie stattdessen konstruktiv einzusetzen und passende Einsatzzwecke zu finden. Wir beginnen hier mit einer ersten Sammlung von drei Ideen.

Artikel und Berichte schreiben
Im vergangenen August hat Lukas Pustina von überallbüro.de beschrieben, wie er Post-it für das Schreiben von Artikel verwendet. Denken ist assoziativ und sprunghaft, also notiert sich Lukas das Ziel und die Kernaussagen eines Artikels zuerst auf Post-it. Jeder Gedanke und jede Idee erhält ein eigenes Post-it: Einleitung, Argumente, Motivation, Fazit und so weiter. Daraus, so Lukas, entsteht mit der Zeit die Struktur des Artikels. Die Zettel werden entsprechend auf- und auch immer wieder umgehängt. Anschliessend muss der Artikel «nur noch» der Post-it-Struktur entlang geschrieben werden.

To Do-Liste beschränkt
Mark McGuiness vom Blog 99 Percent schreibt seine To Do-Listen auf Post-it-Zettel. Weil sie so klein sind. Wie viele von uns hat Mark bemerkt, dass er sich meist zu viel für einen Tag vornimmt. Die Beschränkung der Zettelgrösse hilft: Nur was wirklich wichtig ist, schafft es auf das Post-it. Ist der Klebzettel für den aktuellen Tag abgearbeitet, ist auch der Arbeitstag zu Ende – gerade für Selbständige und Freelancer ein befreiendes Gefühl. Mark erlaubt sich ein zweites Post-it pro Tag: für die morgigen Aufgaben. E-Mails oder Telefone, die untertags eintrudeln, landen dort, wenn sie nicht sehr wichtig und dringend sind.

Familienleben organisieren
Eric ist der Gewinner des Post-it-Wettbewerbs, in dem die besten Tipps prämiert wurden, wie man Post-it einsetzen kann. Auf dem Spiegel in Erics Bad ist der Info Fish entstanden: Informationen zu geplanten Ausflügen, die Adresse des botanischen Gartens, Schulzeiten und vieles mehr hat Eric auf Post-it geschrieben, damit alle Familienmitglieder auf dem neuesten Stand sind. Angefangen mit einem einzelnen Post-it hat sich der offenbar recht grosse Spiegel zu dem zentralen Informationshub in Erics Familie entwickelt – inzwischen in Form eines Fisches, was dem ganzen auch seinen Namen gibt.

Extreme Post-it Prokrastination
Wer gerade eine Aufgabe aufschieben möchte, kann sich natürlich mit Post-it der Prokrastination hingeben. Allerdings liegt die Latte bereits hoch: Besser als in diesem Video von Bang-Yao Liu muss es schon sein.

 

Thomas Mauch

Thomas Mauch ist Mitglied der Geschäftsleitung des neuerdings.com-Verlags Blogwerk AG und interessiert sich für Gadgets. Oder so.

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Minimalistische Schreib-App mit Versionskontrolle

Nachdem Marcel Widmer diese Woche bereits erzählt hat, wie er mit iA Writer ohne Ablenkung schreibt, legen wir heute mit Draft nach: Die browserbasierte App bietet Online-Kollaboration wie Google Drive/Docs, aber darüber hinaus noch eine Versions- und Änderungskontrolle.

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4 Kommentare

  1. Ich liebe Post-it! Und zwar in allen Größen. Den Tipp mit der begrenzten To-Do Liste nutze ich auch und er funktioniert wunderbar. Und wenn man doch mal was nicht geschafft hat, klebt man sich die Liste einfach auf das nächste Kalenderblatt.
    Ansonsten nutzen sie mir hervorragend als Lesezeichen (mit Notizen zur Lektüre)oder als “Vormerker” für Tätigkeiten, die noch keinen festen Termin haben, aber bald erledigt werden sollten.
    Außerdem nutze ich Post-its nur in (Notiz-)Büchern oder in meinem Terminplaner. Dann fliegt nichts herum und alles ist top organisiert. Und wenn ich schnell eine Info mit einem Freund teilen will, dann kriegt er einfach das Zettelchen hingeklebt :)

  2. Ein Büro ohne Post-it? Unvorstellbar! Auch wir sind große Fans. Nur bei verteiltem Arbeiten sind Post-its leider nicht so praktisch…

  3. Post-it sind eine nützliche Sache allerdings nur in gesunden Massen. Oftmals benutze ich sie für offene Fragen welche zu klären sind. Die Post-it werden auf die entsprechenden Unterlagen geklebt somit habe ich immer den Überblick was noch geklärt werden muss.

    Allerdings sollte es man mit den Post-its nicht übertreiben. Sondern stets soviel nutzen dass man den Überblick behält.

    dasWiesel

  4. Ich hasse Post-Its und sämtliche handschriftlichen Notizen.

    Ja, sie sind sehr praktisch und schön bunt, aber zum vernünftigen Arbeiten wohl kaum geeignet.

    Es gibt nur 2 Möglichkeiten, sie sinnvoll einzusetzen: Digital mit entsprechender Software oder sehr radikal: Sobald die Notiz abgearbeitet wurde, gehört der Zettel in die grüne Tonne.

    Da zählt jede Sekunde :-)

2 Pingbacks

  1. [...] die einfach zu erledigen sind. Das kann allerdings zur gemeinen Hafteritis führen, dem sinnlosen Verteilen von Haftzetteln auf dem [...]

  2. [...] könnte ab 60 eBooks umweltfreundlicher sein als via Holzbuch. Apropos Holzmedien: Diese kleinen alten Post-its können auch anders als langweilig. Und da ging ein Rauschen durch die digitalisierte Welt: Die digitale Gesellschaft [...]

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